Genetisch bedingte Krankheiten
Monogene Krankheiten
Monogene Krankheiten lassen sich auf ein einziges defektes Gen zurückzuführen. Zurzeit sind rund 6.000 monogene Krankheiten bekannt, darunter die Duchenne-Muskeldystrophie, Mukoviszidose und Chorea Huntington.
Die Duchenne-Muskeldystrophie war das erste Erbleiden, dessen genetische Wurzeln aufgeklärt werden konnten. Im Jahr 1986 wurde das verantwortliche Gen (Muskeldystrophie-Gen) entdeckt, 1987 das dazugehörige Protein (Dystrophin). Von der Krankheit sind nur Jungen betroffen: Sie entwickeln sich zunächst normal, dann aber schwindet ihre Muskulatur mehr und mehr. Das defekte Gen sitzt auf dem X-Chromosom, einem der beiden Geschlechtschromosomen. Da Mädchen zwei X-Chromosomen (XX) besitzen, können sie das defekte Gen mit dem intakten Gen auf dem zweiten X-Chromosom ausgleichen. Jungen können das nicht, weil sie kein zweites X-Chromosom, sondern ein Y-Chromosom besitzen, das kein kompensierendes Gen trägt. Das intakte Gen enthält die Bauanleitung für das Protein Dystrophin. Es hat im Körper die Aufgabe, die Muskulatur zu festigen. Arbeitet das Gen nicht richtig, kann Dystrophin nicht oder nicht in ausreichender Menge hergestellt werden.
Die Mukoviszidose (zystische Fibrose) war die zweite monogenetische Krankheit, die die Wissenschaftler bis in die molekularen Details aufklären konnten. Das für die Krankheit verantwortliche Gen fand sich im Jahr 1989 auf Chromosom 7. Nach langwierigen Untersuchungen stellte sich heraus, dass das Gen für die Konstruktion eines Proteins verantwortlich ist, das den Transport von Chlorid-Ionen durch die Zellmembran reguliert. Die Genveränderung führt dazu, dass die Viskosität (Zähflüssigkeit) von Körperflüssigkeiten erhöht wird, wodurch zäher Schleim entsteht, der die Funktion lebenswichtiger Organe wie Lunge, Bauchspeicheldrüse, Leber und Darm beeinträchtigt.
Auch die Mukoviszidose ist eine monogene Krankheit.
Das Gen, das Chorea Huntington, den „erblichen Veitstanz“, verursacht, entdeckten die Wissenschaftler im Jahr 1993 auf Chromosom 4. Das defekte Gen verursacht den Verlauf der Erkrankung, die mit leichten Bewegungsstörungen beginnt und nach rund 20 Jahren mit körperlichem und geistigem Verfall endet. Das Huntington-Gen ist dominant. Das bedeutet: Wer das Gen vererbt bekommen hat, wird mit Sicherheit zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr erkranken.
Polygene Krankheiten
Polygene Krankheiten sind auf Defekte in mehr als einem Gen zurückzuführen. Die Zusammenhänge sind dementsprechend schwieriger zu verstehen. Auch welche Rolle die Vererbung spielt, ist nicht einfach zu durchschauen. Alzheimer, Multiple Sklerose und Psoriasis (Schuppenflechte) werden zu den polygenen Krankheiten gezählt. Bei manchen Krankheiten existieren monogene und polygene Formen nebeneinander, wobei die polygenen meist weit häufiger vorkommen.
Ein Beispiel dafür ist die Alzheimer-Krankheit, die mit leichten Gedächtnisstörungen beginnt und mit komplettem Persönlichkeitsverlust endet und in manchen Familien gehäuft auftritt. Anfang der 1990er Jahre wurden drei Gene entdeckt, die bei der familiär gehäuft auftretenden Alzheimer-Krankheit defekt sind. Charakteristisch für diese seltene, vererbte Form ist, dass das Leiden, das sich sonst erst im hohen Alter bemerkbar macht, bereits im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt auftritt. Zu den Funktionsstörungen des Gehirns kommt es, weil sich missgebildete Proteine im Gehirn einlagern. Welche Rolle die Gene in diesem Krankheitsgeschehen spielen, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Fest steht, dass Alzheimer auch Menschen treffen kann, die keines der Alzheimer-Gene in ihren Zellen tragen.
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