Was sind humane Papillomviren?
Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist weltweit die zweithäufigste Krebserkrankung und die dritthäufigste Krebstodesursache bei Frauen. Jährlich sterben rund eine Viertel Million Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 80% davon in den Ländern der Dritten Welt. In Deutschland gehen Experten von rund 12-14 Neuerkrankungen pro 100.000 Frauen im Jahr aus; rund 2.000 Frauen sterben laut Robert Koch-Institut jährlich an Gebärmutterhalskrebs. In über 99% aller Fälle ist eine langandauernde Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) die Ursache für Gebärmutterhalskrebs. Die Latenzzeit beträgt in der Regel 15-25 Jahre.
Auslöser des Gebärmutterhalskrebses
Gebärmutterhalskrebs ist eine sexuell übertragbare Krankheit, wie der italienische Arzt Domenico Antonio Rigoni-Stern bereits 1842 vermutete. Er hatte die Todesursachen von Nonnen und Prostituierten im Sterberegister von Verona miteinander verglichen und dabei festgestellt, dass Nonnen fast nie und Prostituierte sehr häufig an Gebärmutterhalskrebs verstarben.
Erst in den 1940er Jahren wurden die Verursacher von Gebärmutterhalskrebs, die humanen Papillomviren (HPV), entdeckt. Es sind kleine, „nackte“ Viren ohne Membranhülle, die nur aus doppelsträngiger Erbinformation bestehen. Diese sammelt sich im Kern der befallenen Zellen an, um dort das „Kommando“ zu übernehmen und die betroffenen Zellen für die eigene Vermehrung zu nutzen.
Es gibt weit über 100 verschiedene Papillomviren, von denen allerdings nur wenige Hochrisiko-HPV-Typen – 13 verschiedene sind bisher bekannt – Krebs auslösen, darunter die HPV-Typen 16 und 18. Unter den 100 verschiedenen HPV-Typen sind manche so genannten low risk-Typen als Auslöser von Genitalwarzen bekannt. Dazu zählen zum Beispiel die Typen 6 und 11.
Gebärmutterhalskrebs ist die einzige Krebserkrankung, die nahezu ausschließlich durch eine Virusinfektion ausgelöst wird. Professor Harald zur Hausen, Virologe und langjähriger Wissenschaftlicher Stiftungsvorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, hatte diese Vermutung in den 1970er Jahren postuliert. Ein Jahrzehnt später gelang es ihm, den Zusammenhang zwischen einer HPV-Infektion und Gebärmutterhalskrebs erstmals nachzuweisen.
Zwei Triumphe der Medizinforschung
Zwei Errungenschaften der modernen Medizin könnten eines Tages dazu beitragen, die Zahl der Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs weiter zurückzudrängen.
Zum einen die Entwicklung von Methoden zum Nachweis von HPV, darunter auch Verfahren auf Basis der Polymerase-Kettenreaktion, die kleinste Virusmengen nachweisen können. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, eine HPV-Infektion lange vor Ausbruch einer Krebserkrankung zu entdecken und rechtzeitig zu behandeln.
Zum anderen die Entwicklung eines Impfstoffes, der gegen zwei der potenziell krebsverursachenden Papillomviren immunisieren kann. Dies setzt voraus, dass die Impfung vor einer möglichen Infektion mit diesen HPV-Hochrisiko-Typen – also am besten vor dem ersten Geschlechtsverkehr – erfolgt.
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