Infektion und Krankheitsverlauf
Hepatitis C – die stille Seuche
Der Erreger
Die Hepatitis Viren A und B wurden erstmals in den 1970er Jahren beschrieben. Dass es noch ein weiteres Virus geben muss, das eine Hepatitis verursacht, vermuteten die Wissenschaftler schon damals. Sie konnten den Erreger jedoch nicht nachweisen. Dies gelang im Jahr 1988 mit molekularbiologischen Methoden. Seither heißt die Krankheit, die es auslöst, Hepatitis C (HCV). Zuvor wurde sie „Non-A-Non-B-Hepatitis“ genannt, um anzudeuten, dass weder das A- noch das B-Virus der Erreger war. HCV hat sich als besonders gefährliches Mitglied der Hepatitis-Familie entpuppt. Das Virus vermehrt sich in der Leber und wird von den Leberzellen ins Blut freigesetzt. Mehr noch als Typ B verursacht HCV einen chronischen Krankheitsverlauf: Die Daten belegen, dass 60-80% der HCV-Infizierten chronisch krank werden, bei Typ B sind es nur rund zehn Prozent. Bei den übrigen 20-40% der HCV-Infizierten heilt die Infektion innerhalb von etwa 6 Monaten ohne Behandlung aus. Mittlerweile sind 6 verschiedene genetische Varianten (Genotypen) des Hepatitis C-Virus bekannt.
Ansteckung
Ähnlich wie das Hepatitis B-Virus wird HCV durch Blut und Körperflüssigkeiten übertragen. Die Hauptinfektionsquelle früherer Jahre ist inzwischen versiegt: Seit Blutkonserven und -produkte mit der PCR-Technik, einer hochempfindlichen Nachweismethode, auf HCV geprüft werden, ist die Gefahr einer Übertragung durch Bluttransfusionen entscheidend minimiert.
Weltweit werden jährlich etwa 75 Millionen Blutspenden benötigt. Zu den großen Herausforderungen in der Transfusionsmedizin gehört es, das Risiko zu minimieren, dass sich Empfänger von Bluttransfusionen mit potenziell lebensbedrohlichen Viren infizieren. Daher werden in Deutschland alle Blutspenden auf eine Kontamination mit Hepatitis C- und HI-Viren getestet.
Bildquelle: medicalpicture GmbH
Inzwischen wird das Virus in erster Linie durch verseuchte Spritzen bei Drogenmissbrauch, durch Nadelstichverletzungen bei medizinischem Personal oder bei medizinischen Eingriffen übertragen. Auch Sexualkontakte können ansteckend sein. Das Risiko ist jedoch gering, wenn nicht zusätzlich eine Geschlechtskrankheit vorliegt. Bei rund 30 Prozent der Patienten lässt sich der Infektionsweg nicht mehr nachvollziehen.
Vorkommen
Weltweit sind nach Angaben der Universität des Saarlandes zirka 170 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C-Virus infiziert. In Europa wird die Zahl der Infizierten auf mindestens fünf Millionen geschätzt. In Deutschland sind ca. 500.000 Menschen chronisch infiziert. Es ist davon auszugehen, dass den meisten Betroffenen die Infektion nicht bekannt ist. Sie wird häufig zufällig bei Routinetests, etwa einer Blutspende, festgestellt.
Verlauf
Eine HCV-Infektion äußert sich in der Regel nicht mit auffälligen Krankheitszeichen. Die meisten Patienten bemerken die Infektion überhaupt nicht. Manche Patienten klagen über Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Beschwerden im rechten Oberbauch. Nur bei wenigen tritt eine akute Hepatitis mit Gelbsucht auf.
Bei den meisten Infizierten (bis zu 80 Prozent der Fälle) nistet sich das Virus als Dauergast in den Leberzellen ein: Die Infektion wird chronisch, das heißt, die Hepatitis C-Viren befallen ständig neue Leberzellen. Es kommt zu einer anhaltenden Entzündung, in deren Verlauf abgestorbene Leberzellen durch Narbengewebe (Bindegewebe) ersetzt werden. Wenn in die Leber „wertloses“ Bindegewebe eingelagert wird und die Funktion der Leber beeinträchtigt ist, sprechen die Mediziner im Frühstadium von einer Fibrose, später von einer Zirrhose. Bei rund einem Drittel der chronisch Infizierten hat sich 20 bis 30 Jahre nach der Ansteckung eine Zirrhose entwickelt. Sie kann in Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom) übergehen. Besonders gefährdet sind chronisch HCV-infizierte Patienten, die übermäßig Alkohol konsumieren.
Bei den meisten HCV-Infizierten nistet sich das Virus als Dauergast in den Leberzellen ein. Eine anhaltende Entzündung ist die Folge, die von einer Fibrose über eine Leberzirrhose bis hin zu Leberzellkrebs führen kann.
Ein Dilemma ist, dass die Krankheit oft erst in einem späten Stadium erkannt wird. Das mindert die Aussichten auf Heilung erheblich. Denn je länger ein Patient mit HCV infiziert ist, desto schlechter spricht er auf eine Therapie an.
Eine Impfung ist nicht möglich.
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