Infektion und Krankheitsverlauf

Übertragung beim Geschlechtsverkehr

Humane Papillomviren (HPV) werden beim Geschlechtsverkehr übertragen. Die meisten sexuell aktiven Erwachsenen waren im Laufe ihres Lebens bereits einmal mit HPV infiziert. Normalerweise sind HPV-Infektionen jedoch harmlos wie ein Schnupfen, weil das körpereigene Immunsystem die Viren schnell und effektiv bekämpfen kann.

Abb.: 2 Frauen

Aufgrund der langen Latenzzeit erkranken Frauen zwischen 40 und 55 am häufigsten am Gebärmutterhalskrebs.
Bildquelle: Corbis

Eine Infektion mit Hochrisiko-HPV-Typen wie HPV 16 und 18 kann jedoch nach einer Latenzzeit von 15 bis 25 Jahren zu Krebs führen. Ihre langjährige Existenz in den Zellen reicht für die Entstehung von Krebs alleine zwar nicht aus – aber sie liefert die notwendige Initialzündung für die Entgleisung des Zellwachstums.

Weitere Faktoren, die das Risiko einer Zervixkarzinomerkrankung erhöhen können, sind

  • Zunehmendes Alter,
  • Rauchen,
  • Langzeiteinnahme von Hormonen zur Empfängnisverhütung oder nach den Wechseljahren.

Bei Männern führen humane Papillomviren nur äußerst selten zu Erkrankungen wie dem Peniskarzinom. Gleichwohl können Männer das Virus übertragen.

Kondome bieten gegen eine HPV-Übertragung keinen ausreichenden Schutz, weil humane Papillomviren durch Hautkontakt übertragen werden und nicht durch Körperflüssigkeiten wie Sperma oder Blut.

Lange Latenzzeit

Seinen Ausgang nimmt das Zervixkarzinom am äußeren Muttermund. Dort mündet der Hals der Gebärmutter in die Scheide. Die Schleimhaut des Gebärmutterhalses ist, wie die der Mundhöhle, aus relativ flachen Zellen aufgebaut. Innerhalb der Gebärmutter sind die Zellen dagegen zylinderförmig und drüsendurchsetzt. In der Übergangszone zwischen beiden Zelltypen ist die Anfälligkeit für ein unkontrolliertes Wachstum der Zellen besonders groß.

Abb.: gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich am äußeren Muttermund. Hier sind die Schleimhautzellen besonders empfänglich für eine Infektion.
Bildquelle: medicalpicture GmbH

Ein Zervixkarzinom entsteht sehr langsam und braucht viele Jahre, um sich aus Wachstumsstörungen weniger Zellen über warzenähnliche Wucherungen zu einer Geschwulst zu entwickeln. Meist vergehen zwischen der ersten Infektion und der Diagnose eines Tumors 15 bis 25 Jahre. Daher wird Gebärmutterhalskrebs am häufigsten bei Frauen zwischen 40 und 55 Jahren diagnostiziert.

Von Zellveränderungen zum Tumorwachstum

Für die Entartung der Zellen zu Gebärmutterhalskrebs ist die Erbinformation von zwei bestimmten Genen des humanen Papillomvirus, die E6 und E7 genannt werden, verantwortlich. Diese beiden Gene werden ins Erbgut der Gebärmutterhalszelle eingebaut, wo sie durch ihre Aktivität das bösartige Wachstum der Krebszellen verursachen.

Gebärmutterhalskrebs ist eine nur seltene Folge der sehr häufigen HPV-Infektion. Besteht allerdings eine anhaltende Infektion mit Hochrisiko-HPV-Typen wie den Typen 16 und 18, ist Vorsicht und eine engmaschige Kontrolle geboten. Diese beiden HPV-Typen sind für rund 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich; etwa 30 Prozent der Erkrankungen werden durch andere Hochrisiko-HPV-Typen verursacht.

Während Gebärmutterhalskrebs oft Jahrzehnte braucht, um sich zu entwickeln, verbreitet er sich dann sehr schnell. Denn die Gebärmutter ist mit Lymphgefäßen reich versorgt, über die das Karzinom seine Tochtergeschwulste (Metastasen) schnell in den umliegenden Beckenraum streuen kann. Deshalb ist eine frühzeitige Diagnostik so wichtig.