Infektion und Krankheitsverlauf

Hartnäckiger Erreger
Der Syphilis-Erreger wird durch intimen Körperkontakt übertragen. Eine weitere Übertragungsmöglichkeit ist das Blut, sodass die Bakterien auch über Blut, Blutprodukte oder verunreinigte Spritzen weitergegeben werden können. Eine Syphilis-Infektion verläuft in drei Stadien:
- Im Primärstadium (Lues I) bildet sich an dem Ort, an dem die Bakterien in den Körper eingedrungen sind, eine rötlich verfärbte, schmerzlose Verdickung. Diese Knoten können sich am Penis, den Schamlippen, der Scheide, im äußeren Genitalbereich, seltener auch anal oder im Mund zeigen. Später verwandelt sich die Verdickung zu einem harten Geschwür, das schmerzlos ist und deshalb oft unbemerkt bleibt. Die Lymphknoten in der Umgebung schwellen an. Das Geschwür heilt in einigen Wochen ab, die Erreger aber breiten sich mit Lymphe und Blut im Körper aus. Etwa 9 Wochen nach der Infektion geht die Syphilis unbehandelt in das zweite Stadium über.
- Kennzeichnend für das Sekundärstadium (Lues II) sind geschwollene Lymphknoten und unterschiedlich aussehende, am ganzen Körper auftretende Hautauschläge. Das können an Röteln erinnernde kleine rötliche Flecken oder auch schuppende Hautflächen an Fußsohlen und Handtellern sein. Hinzu kommt ein allgemeines Krankheitsgefühl verbunden mit Fieber, Appetitlosigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen. Gelegentlich können Warzen im Genitalbereich auftreten. Auch Haarausfall oder eine plötzlich auftretende Heiserkeit mit Schluckbeschwerden sind möglich. Selten kommt es zu Entzündungen der Knochen und Gelenke, innere Organe werden selten befallen. Ohne Therapie dauert das Sekundärstadium 3-10 Jahre. In dieser Zeit wechseln symptomlose Phasen (latente Syphilis) mit Krankheitsausbrüchen ab.
- Die Spätsyphilis – das Tertiär- (Lues III) und Quartärstadium (Lues IV) – tritt heute nur noch selten auf. Im Tertiärstadium zeigen sich gummiartige Knoten (Gummata) an Haut und Schleimhaut, an Leber, Niere und Lunge sowie anderen inneren Organen. Oft kommt es an diesen Stellen zur Gewebezerstörung, was – je nach Lage der Gummata – Beschwerden verursachen kann. Auch Nerven, Rückenmark und Gehirn können befallen sein.
- Das Quartärstadium wird nach 2-3 Jahrzehnten erreicht. Nervenscheiden, Nervenwurzeln und Nervenknoten sind dann zerstört, es kommt zur so genannten Rückenmarksschwindsucht (Tabes dorsalis) und Gehirnerweichung (Paralyse) mit fortschreitenden Lähmungen, Schmerzanfällen, Empfindungsstörungen und Reflexausfällen. Das letzte Stadium führt zu Demenz und Tod.
- Wird der Fötus während der Schwangerschaft mit dem Syphilis-Erreger infiziert, kommt es zur angeborenen Syphilis (Lues connata). Je nach Schweregrad der Infektion kann das Kind tot oder schwer krank zur Welt kommen. Körperliche Schäden wie Schwerhörigkeit oder Missbildungen innerer Organe können sich auch während der ersten Lebensjahre zeigen. In Deutschland werden Schwangere regelmäßig auf eine Infektion mit Syphilis-Erregern untersucht. Eine angeborene Syphilis ist deshalb bei uns selten. Im Jahr 2007 wurden in Deutschland 3 Fälle registriert.
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