Infektion und Krankheitsverlauf
Toxoplasmose-Erreger Toxoplasma Gondii
Bildquelle: medicalpicture GmbH
Einzelliger Parasit
Toxoplasma gondii ist weltweit verbreitet. Es handelt sich um einen Einzeller, der im Innern von Zellen schmarotzt und einen komplizierten Entwicklungszyklus mit ungeschlechtlichen und geschlechtlichen Vermehrungsphasen in verschiedenen Wirten durchläuft. In der Hauskatze, dem Endwirt, findet die geschlechtliche Vermehrung in den Dünndarmzellen statt. Dabei entstehen so genannte Oozysten, die mit dem Katzenkot ausgeschieden werden. Nach einer Reifungsphase von zwei bis vier Tagen sind im Innern der Oozysten infektiöse Erregerformen entstanden.
Werden die reifen Oozysten von Zwischenwirten (Rind, Schaf, Schwein, Hund, Katze, Wildtiere, Vögel, Mensch) aufgenommen, werden die infektiösen Erreger im Darm frei, dringen in kernhaltige Zellen der Muskeln oder des Nervensystems ihrer Zwischenwirte ein und entwickeln sich dort auf ungeschlechtlichem Wege weiter. Dabei entstehen Zysten; diese Dauerstadien sind viele Jahre lebensfähig. Menschen infizieren sich vor allem auf zwei Wegen:
- sie nehmen Oozysten entweder beim Kontakt mit dem Erdboden auf (beispielsweise bei der Gartenarbeit), oder wenn sie eine Katzentoilette reinigen,
- sie essen rohes oder ungenügend erhitztes Fleisch, das von Tieren stammt, in deren Gewebe Zysten eingelagert sind.
Das Robert Koch Institut in Berlin geht davon aus, dass rund 50% Prozent der Bevölkerung in Deutschland mit Toxoplasma gondii infiziert sind. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Durchseuchungsrate: Bei den über 50-Jährigen erreicht sie nahezu 70% Prozent.
Grippeähnliche Krankheitszeichen
Beim Menschen unterscheiden die Ärzte die postnatale (nach der Geburt erworbene) und die pränatale oder konnatale (vor der Geburt erworbene) Toxoplasmose.
Infektion eines Erwachsenen
Hat sich ein Mensch postnatal – also nach der Geburt irgendwann im Lauf seines Lebens – infiziert, zeigen sich in den meisten Fällen keine Symptome: 80-90% bemerken die Infektion überhaupt nicht. Bei den Übrigen kommt es zu grippeähnlichen Krankheitszeichen mit Fieber, die Lymphknoten schwellen an, vorwiegend im Kopf- und Halsbereich, gelegentlich auch am ganzen Körper. Die Symptome verschwinden wieder, die Infektion aber bleibt offenbar lebenslang bestehen. Die Ärzte sprechen von einer ruhenden oder latenten chronischen Infektion
Infektion eines immungeschwächten Menschen
Bei einem immungeschwächten Menschen hingegen, etwa bei Aids-Patienten oder bei Patienten, die nach einer Transplantation immunhemmende Medikamente einnehmen müssen, kann sich eine schwere Form der Toxoplasmose entwickeln. Zumeist handelt es sich dabei um eine reaktivierte latente Infektion: Das geschwächte Immunsystem ist nicht mehr in der Lage, die zuvor ruhiggestellten Parasiten zu beherrschen. Die schwere Form der Toxoplasmose äußert sich am häufigsten als Gehirnentzündung. Bei Aids-Patienten kann es zu zahlreichen weiteren Gesundheitsproblemen kommen.
Infektion einer Schwangeren
Eine Infektion des ungeborenen Kindes im Mutterleib kann erfolgen, wenn eine Frau während der Schwangerschaft erstmalig in ihrem Leben mit dem Erreger Toxoplasma gondii in Kontakt kommt. Der in ihren Körper gelangte Erreger kann über die Plazenta auf das werdende Kind übergehen. Wenn eine Frau zum Zeitpunkt ihrer Schwangerschaft bereits infiziert ist und ihr Immunsystem Antikörper gegen den Erreger gebildet hat, ist auch das Ungeborene geschützt. Wie stark das Kind von dem Erreger gefährdet wird, hängt vom Zeitpunkt ab, zu dem die Infektion erfolgt, von der Erregerdosis und dessen Fähigkeit, einen Organismus zu infizieren (Virulenz). Findet die Infektion im ersten Drittel der Schwangerschaft statt und bleibt sie unbehandelt, kann der Embryo so schwer geschädigt werden, dass eine Totgeburt erfolgt. Infiziert sich die Mutter im zweiten oder dritten Drittel der Schwangerschaft erstmalig, kann das Ungeborene einen Wasserkopf, schwere Entzündungen des Auges oder Verkalkungen des Gehirns erleiden. Schätzungsweise 10-30 Fälle von pränataler Toxoplasmose kommen in Mitteleuropa unter 10.000 Lebendgeburten vor. In Deutschland gab es im Jahr 2007 20 Fälle von konnataler Toxoplasmose, 2008 waren es 23 (Quelle: RKI). Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind infiziert wird und desto weniger schwerwiegend sind die Schädigungen.
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