Therapie

Dank Antibiotika heilbar

Die Tuberkulose ist behandelbar, und sie ist heilbar. Dies setzt voraus, dass die Erkrankung früh erkannt und die Therapie konsequent bis zum Ende durchgeführt wird. Bis in die 1950er Jahre hinein wurden Tuberkulosekranke vor allem mit Liegekuren behandelt, wodurch das Immunsystem gestärkt und so in die Lage versetzt werden sollte, eigenständig gegen die Erreger vorzugehen. Erst mit Einführung der Antibiotika standen wirksame Medikamente zur Verfügung.

Medikamente gegen Tuberkulose
Heute werden drei, meist vier Medikamente, die sich speziell gegen Tuberkulosebakterien richten, so genannte Antituberkulotika, gleichzeitig eingesetzt. Die Kombination ist erforderlich, weil sich die Tuberkuloseerreger nur sehr langsam vermehren und in den Tuberkeln lange inaktiv ausharren können. Die Gefahr, dass die Bakterien im Laufe der Zeit erfolgreiche Strategien entwickeln, um der Wirkung der Medikamente zu widerstehen, ist deshalb besonders hoch. Die unterschiedlich wirkenden Standardmedikamente heißen Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP) und Pyrazinamid (PZA); als viertes Medikament wird Ethambutol (EMB) oder Streptomycin (SM) verabreicht. Sie greifen verschiedene Lebensformen des Tuberkuloseerregers an. Eine Tuberkulosebehandlung, auch „Kurzzeitchemotherapie“ genannt, dauert in der Regel sechs Monate. Werden die ärztlichen Empfehlungen konsequent und ausdauernd befolgt, besteht eine über 90%ige Heilungschance.

Kontrollierte Medikamenteneinnahme
Oftmals nehmen die Patienten die Medikamente nur unregelmäßig ein oder brechen die Behandlung verfrüht ab, weil sie sich schon nach einigen Wochen wieder gesund fühlen oder unter Nebenwirkungen leiden. Wenn die Therapie aber nicht konsequent zu Ende geführt wird, bleiben die zähesten Erreger am Leben, verursachen einen Rückfall und haben zudem Gelegenheit, auf ein anderes Ansteckungsopfer überzugehen. Um die Tuberkulosebehandlung zu verbessern, hat die Weltgesundheitsorganisation Anfang der 1990er Jahre die DOTS-Strategie eingeführt. „DOTS“ steht für „Directly Observed Treatment Short Course“ und bedeutet, dass die Patienten ihre Medikamente bis zur Gesundung unter Aufsicht von medizinischem Personal einnehmen. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge wird weltweit heute erst einer von vier Tuberkulosepatienten in derart kontrollierter Weise behandelt. In den Regionen, in denen die Tuberkulose-Diagnostik funktioniert und in denen Erreger, die gegen die gängigen Medikamente resistent geworden sind, nur selten vorkommen, hat sich die DOTS-Strategie, als sehr erfolgreich erwiesen. Sie ist das Herzstück der weltweiten „Stopp Tb“- Initiative der Weltgesundheitsorganisation,

Gefürchtete Mehrfach-Resistenzen
In Besorgnis erregender Weise hat in den letzten Jahren die „MDR-Tuberkulose“ zugenommen. Davon sprechen die Experten, wenn Tuberkulosebakterien den beiden wichtigsten Standardantibiotika Isoniazid und Rifampicin widerstehen, also „resistent“ geworden sind (MDR = engl. Multi Drug Resistant = multiarzneimittelresistente Tuberkulose). Die Behandlung kann dann nur noch mit Medikamenten aus der „zweiten Reihe“ erfolgen, deren Nebenwirkungen stärker, deren Heilungsquoten aber geringer sind. Ein Patient, der mit multiresistenten Tuberkulosebakterien infiziert ist, muss bis zu 30 Tabletten pro Tag über einen Zeitraum von zwei Jahren einnehmen. 14 der 20 Länder mit den höchsten MDR-TB-Raten liegen in Europa und Zentralasien. In Kasachstan soll jeder zweite Tuberkulosekranke mit multiresistenten Bakterien infiziert sein. Noch beängstigender ist, dass die „XDR-Tuberkulose“ (engl. Extensively Drug Resistant) – die extrem arzneimittelresistente Tuberkulose – zunimmt. Die Heilungsaussichten bei dieser Form der Tuberkulose liegen nur noch bei etwa 30% Prozent, die Krankheit verläuft häufig sehr schwer. Statt über Jahre hinweg schleichend fortzuschreiten, können resistente Formen innerhalb weniger Wochen zum Tod des Patienten führen. Nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation vom Sommer 2007 sind hochresistente Tuberkulosestämme in 38 Ländern der Erde aufgetaucht sind, vor allem in Entwicklungsländern, vereinzelt auch in den Vereinigten Staaten und in europäischen Ländern. Die Weltgesundheitsorganisation hat die XDR-Tuberkulosebakterien als ebenso gefährlich eingestuft wie das H5N1-Virus, den Erreger der Vogelgrippe.