Gute Gründe

Ein Fall fürs Risikomanagement

Unternehmen haben heute viele Risiken zu managen. Zu den permanenten Risiken gehören auch Grippewellen – und die sollte man nicht unterschätzen. Sowohl saisonale Grippewellen, die alljährlich während der Wintersaison auftreten, als auch pandemische Grippewellen können beträchtliche wirtschaftliche Schäden auslösen.

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Die saisonale Grippewelle im Winter 2004-2005 war durch eine heftige Influenza-Aktivität gekennzeichnet: Nach Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza betrug die Zahl der zusätzlichen, grippe-bedingten Arztbesuche 4,7-6,2 Millionen. Diese Zahl war damit deutlich höher als in der Saison 2003/04 (0,5 bis 1,8 Millionen). Allein innerhalb der arbeitenden Bevölkerung (16 bis < 60 Jahre) wurden zwischen 2,4 und 3,2 Millionen zusätzliche Arztbesuche geschätzt.1
In der Grippesaison 2008-2009, die ebenfalls als heftig eingestuft wurde, betrug die Anzahl der zusätzlichen Arbeitsunfähigkeiten in der Altersgruppe der 15- bis 59-Jährigen etwa 1.687.000 (1.330.000-1.900.000).2

Von der saisonalen Grippe ist die sogenannte pandemische Grippe zu unterscheiden. Sie kann unabhängig von der Wintersaison auftreten und wurde zuletzt 2009 durch ein neues, hoch ansteckendes Grippevirus ausgelöst, das sich sehr schnell durch Mensch-zu-Mensch-Übertragung weltweit verbreitete. Berechnungen des RKI, die auf Basis der drei Grippe-Pandemien des 20. Jahrhunderts erstellt wurden, gehen in einem solchen Fall von einer Infektionsrate von bis zu 50 Prozent der Bevölkerung aus und einem ebenso hohen Anteil an Krankschreibungen. Dieses Szenario bestätigte sich zur allgemeinen Erleichterung bei der Pandemie 2009-10 nicht, denn das neue Virus verbreitet sich zwar schnell und weltweit von Mensch-zu-Mensch, führte aber nicht zu den hohen Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten wie ursprünglich befürchtet. Nach Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch-Instituts (RKI) gab es in der Pandemie-Saison 2009/2010 zwischen 2,5 und 3,4 Millionen zusätzliche Arztbesuche aufgrund einer Influenza-Erkrankung.3

Da der Verlauf einer saisonalen oder pandemischen Grippewelle nicht vorausgesagt werden kann, ist es empfehlenswert sich auf unterschiedliche Szenarien und Konsequenzen vorzubereiten. Ziel ist, eine Einschränkung des Betriebs, der Produktion und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu verhindern, denn je nach finanzieller und personeller Konstitution eines Unternehmens könnte das existenzbedrohend sein. Betriebsunterbrechungen aufgrund von Infektionskrankheiten lassen sich wegen der absehbar hohen Schadensummen in aller Regel nicht versichern.

Mit gezielten Präventions- und Notfallmaßnahmen können jedoch die Auswirkungen einer Pandemie abgefedert werden.

Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen und Hinweise, mit deren Hilfe Sie das Risikoprofil Ihrer Firma besser einschätzen und Voraussetzungen für die Fortführung des Geschäftsbetriebes schaffen können.

Bei weitergehenden Fragen stehen wir Ihnen gern für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Sag niemals nie…

Grippepandemien treten häufiger auf, als man vielleicht meint – und wenn sie auftreten, können ihre Folgen katastrophal sein. Allein in den vergangenen hundert Jahren gab es vier: 1918/19, 1957, 1968 und 2009.

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Die drei Pandemien des 20. Jahrhunderts forderten fast 100 Millionen Todesopfer. Die H1N1-Pandemie (Neue Grippe) in 2009 verlief dagegen sehr mild. Nach Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch-Instituts (RKI) gab es in der Saison 2009/2010 zwischen 2,5 und 3,4 Millionen zusätzliche Arztbesuche aufgrund einer Influenza-Erkrankung.3

Die Ursache war immer die gleiche: Influenza-Viren hatten sich durch Mutationen so verändert, dass neue Erreger entstanden waren, gegen die das menschliche Immunsystem keine Antikörper besaß.

Ein Influenza-Virus, das bisher beim Menschen nicht vorgekommen ist, hat zwangsläufig diesen Effekt. Es kann unter bestimmten Voraussetzungen auch Menschen infizieren und sich durch Genaustausch mit „humanen“ Grippeviren so verändern, dass es auch von Mensch zu Mensch übertragen wird. Dort trifft es auf ein ungeschütztes Immunsystem.

Damit ist die Grundlage für eine schnelle Ausbreitung beziehungsweise eine hohe Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate gelegt.

Zu der Gruppe der sich rasch verändernden, an den Menschen „anpassungsfähigen“ Influenza-Viren gehören das Virus der Neuen Grippe (A/H1N1) und das Vogelgrippe- Virus (A/H5N1). Sie gelten beide noch immer als die wahrscheinlichsten Auslöser einer Pandemie.

Pandemie-Impfstoffe müssen schnell an das neue, zirkulierende Virus angepasst werden. Die Forschung hat mit der Entwicklung von „Musterimpfstoffen“ darauf reagiert. Für Musterimpfstoffe werden bekannte Viren zu Grunde gelegt. Das Produktionsverfahren wird standardisiert. Tritt ein neues Pandemie-Virus auf, wird dieses in das Produktionsverfahren integriert. Die Zulassung für einen Pandemie-Impftstoff kann schneller erteilt werden und damit ist er deutlich schneller verfügbar. So ist es möglich, dass binnen eines halben Jahres nach Auftreten eines neuen Pandemievirus ein Pandemie-Impfstoff produziert werden kann.

Mit dem Schlimmsten rechnen

13 Millionen zusätzliche Arztkonsultationen, ca. 370.000 Krankenhauseinweisungen und 103.000 Influenza-bedingte Todesfälle: Das wären nach einer Modellrechnung des RKI in einem Zeitraum von acht Wochen die Folgen einer Grippepandemie, bei der eine 30%-ige Erkrankungsrate in der Bevölkerung angenommen wird. Diese Berechnung basiert auf Annahmen, die aufgrund der drei Grippepandemien des 20. Jahrhunderts erstellt wurden und für Deutschland von einem moderaten Szenario ausgehen.4

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Unternehmen müssen mit Ausfällen von bis zu einem Drittel ihres Personals rechnen Neben den Krankmeldungen bleiben viele Mitarbeiter ihrem Arbeitsplatz fern, weil sie Angehörige pflegen müssen. Aber auch die Angst, sich am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin anzustecken, lässt die Ausfallquote nach oben schnellen.

Eine pandemische Influenzawelle kann, wie die Erfahrungen mit der "Schweingerippe" aus dem Jahr 2009-10 zeigen, jederzeit während eines Jahres, also auch unabhängig von der Wintersaison auftreten. Darüber hinaus kann eine Pandemie wellenförmig verlaufen, indem nach einer ersten Erkrankungswelle einige Monate später eine erneute Erkrankungswelle auftritt. Die Pandemie ist somit ein lang anhaltender, sich verstärkender Prozess mit potentiell drastischen Folgen. Unternehmen müssen damit rechnen, ihre Produktion oder Dienstleistungskapazitäten zu reduzieren und können dadurch gegebenfalls in die Verlustzone geraten.
Der Ausfalltag eines Mitarbeiters in einem mittelständischen Unternehmen der Metallindustrie wird auf 590 Euro pro Tag beziffert.5 Dieser Berechnung liegt die Annahme zu Grunde, dass bei einer Epidemie zentrale Prozesse noch aufrecht erhalten werden können. Käme es – auch mangels präventiver Maßnahmen – zu einer Stilllegung des gesamten Betriebes, geriete die gesamte finanzielle Struktur ins Wanken: Es könnten Lieferverträge nicht eingehalten, Darlehen nicht mehr bedient und keine neuen Geschäfte angebahnt werden.

Hinzu kämen langfristige Auftragsverluste an Wettbewerber, die für eine solche Situation möglicherweise besser gerüstet wären.

Quellen:
  1. Arbeitsgemeinschaft Influenza. Abschlussbericht der Influenzasaison 2004/05. Berlin, 2005
  2. Arbeitsgemeinschaft Influenza. Abschlussbericht der Influenzasaison 2008/09. Berlin, 2009
  3. Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2009/10 Robert Koch-Institut, Berlin 2010. Hrsg.: Robert Koch-Institut, Berlin. ISBN. 978-3-89606-115-1 www.rki.de
  4. Robert Koch-Institut: Nationaler Pandemieplan Teil III vom 15.05. 2007 http://www.rki.de/cln_109/nn_1960682/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/Influenzapandemieplan.html
  5. TU Dresden: „Kosten-Nutzen-Analyse beim Arbeits-und Gesundheitsschutz“ (PAGS-Monitor 2008) http://mciron.mw.tu-dresden.de/cimtt/pags/Vortrag_Guenther-030408.pdf