Humane Katastrophe
Grippepandemien sind wiederkehrende Ereignisse. Im vergangenen Jahrhundert waren es allein drei: 1918/19, 1957 und 1968. Sie forderten fast 100 Millionen Todesopfer. Die H1N1-Pandemie (Neue Grippe) in 2009 verlief dagegen sehr mild. Nach Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch-Instituts (RKI) gab es in der Saison 2009/2010 zwischen 2,5 und 3,4 Millionen zusätzliche Arztbesuche aufgrund einer Influenza-Erkrankung.1
Die Ursache war immer die gleiche: Influenza-Viren hatten sich durch Mutationen so verändert, dass neue Erreger entstanden waren, gegen die das menschliche Immunsystem keine Antikörper besaß.
Ein Influenza-Virus, das bisher beim Menschen nicht vorgekommen ist, hat zwangsläufig diesen Effekt. Es kann unter bestimmten Voraussetzungen auch Menschen infizieren und sich durch Genaustausch mit „humanen“ Grippeviren so verändern, dass es auch von Mensch zu Mensch übertragen wird. Dort trifft es auf ein ungeschütztes Immunsystem.
Damit ist die Grundlage für eine schnelle Ausbreitung beziehungsweise eine hohe Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate gelegt.
Zu der Gruppe der sich rasch verändernden, an den Menschen „anpassungsfähigen“ Influenza-Viren gehören das Virus der Neuen Grippe (A/H1N1) und das Vogelgrippe-Virus (A/H5N1). Sie gelten beide noch immer als die wahrscheinlichsten Auslöser einer Pandemie.
Impfstoffe müssen an das zirkulierende Virus angepasst werden. Die Forschung hat mit der Entwicklung von „Musterimpfstoffen“ darauf reagiert. Für Musterimpfstoffe werden bekannte Viren zu Grunde gelegt. Das Produktionsverfahren wird standardisiert. Tritt ein neues, unbekanntes Grippe-Virus auf, wird dieses in das Produktionsverfahren integriert. Die Zulassung für diesen Impfstoff kann schneller erteilt werden und damit ist er deutlich schneller verfügbar. So ist es möglich, dass binnen eines halben Jahres nach Auftreten einer neuen Grippevirus-Variante ein Impfstoff produziert werden kann.
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