Vorsorgeplanung

So ist´s Recht – und Pflicht

Nur wer ein Risiko erkannt hat, kann es gezielt reduzieren – und mögliche Folgen mildern. Pandemieplanung im Unternehmen ist aber nicht nur eine Frage von gesundem Risikobewusstsein und wirtschaftlichem Kalkül. Auch die Verantwortung gegenüber Investoren beziehungsweise Aktionären spielt eine wichtige Rolle – und hierfür gibt es sogar gesetzliche Vorgaben.

mehr

Gesundheitsrisiken, etwa durch eine drohende Grippe-Pandemie, zählen zu den laut KonTraG (Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich) zu beobachtenden Risiken bzw. den zu treffenden Vorsorgemaßnahmen1 (Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG). Auch beim Rating, das früher vor allem Finanzrisiken erfasste und bewertete, wird von immer mehr Agenturen heute zunehmend auf die ganzheitliche Risikokultur eines Unternehmens geachtet. Dazu gehört die Fähigkeit, Extremereignisse wie IT-Großausfälle, Naturkatastrophen aber eben auch Pandemien zu bewältigen. Ratingagenturen haben sogar eine Herabstufung der Firmen angekündigt, die kein Risiko- oder Krisenmanagement für den Pandemiefall ausgearbeitet haben.2

Business-Continuity

Der Business-Continuity-Plan legt fest, was konkret zu tun ist, um den Notfall zu vermeiden oder seine Folgen zu mildern.

Zu den wichtigsten Herausforderungen gehören Cashflow-Probleme, der Krankenstand, Quarantänevorschriften, Reiserestriktionen, Behinderungen im Warenverkehr und Treibstoffknappheit.

mehr

Natürlich hat jedes Unternehmen sein spezifisches Risikoprofil. Abhängig von der Branche, dem Aktionsradius, der Produktions- oder Dienstleistungsstruktur bestehen ganz unterschiedliche Gefahrenschwerpunkte und Eskalationsschwellen.

Die Schlüsselfragen einer fundierten Pandemieplanung lauten:

  • Welche betrieblichen Risiken sind für das Unternehmen relevant?
  • Wie sind diese Risiken anhand der möglichen Schadenswirkung zu bewerten?
  • Welche Maßnahmen zur Prävention können ergriffen werden?
  • Wie kann der Betrieb notfalls mit einem Minimum an Personal aufrecht erhalten werden?

Impfstoffe und Antivirale Medikamente

Wichtigste Vorsorgemaßnahme ist die jährliche Grippeschutzimpfung. Durch sie erhalten die Mitarbeiter allerdings nur einen Schutz gegen bekannte Viren. Zu Beginn einer Pandemie ist aber noch kein Pandemie-Impfstoff gegen das neues Pandemievirus verfügbar. Bis ein solcher Pandemie-Impfstoff verfügbar ist, können mehrere Monate vergehen. Daher spielen insbesondere zur schnellen Erstreaktion auf eine Pandemie antivirale Medikamente wie die so genannten „Neuraminidase-Hemmer“ eine wichtige Rolle.

mehr

Neuraminidase-Hemmer können bei prophylaktischer Einnahme eine Erkrankung verhindern. Bei bereits erfolgter Infektion stoppen sie die Ausbreitung der Viren im Körper und verkürzen die Krankheitsdauer.
Je früher diese Medikamente nach Auftreten der ersten Symptome eingenommen werden, desto schneller unterbrechen sie den Infektionszyklus der Viren. Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen sind deutlich schwächer ausgeprägt. Das Immunsystem kann die Viren schneller eliminieren und den Patienten geht es schneller wieder besser.
Neuramidase-Hemmer sind während der ersten Pandemiewelle die wichtigste strategische Waffe gegen Personalausfälle, da ein neuer Impfstoff (Entwicklung > 6 Monate), mit dem eine breite Immunisierung in der Bevölkerung erreicht werden muss, erst nach etwa 9 Monaten seine Wirkung entfalten kann.

Die Bevorratung mit antiviralen Medikamenten gehört deshalb zum Standard einer betrieblichen Notfall- beziehungsweise Pandemieplanung.

Schlüsselfunktionen

Neben allgemeinen Hygienemaßnahmen ist es im Pandemiefall vorrangige Aufgabe, das zur Aufrechterhaltung der wichtigsten Funktionen erforderliche Personal vor Ansteckung zu schützen. Zum Vergleich: Im öffentlichen Sektor zählen die Mitarbeiter von Verkehrsunternehmen, der Feuerwehr oder des Gesundheitswesens zu den bevorzugt mit Neuraminidase-Hemmern auszustattenden Personen. Ob in der Produktion, der Qualitätskontrolle oder der IT: In jedem dieser Bereiche gibt es Funktionen, deren Ausfall unmittelbar zum Ausfall ganzer Prozessketten führen würde. Aber nicht nur für die direkt Verantwortlichen, sondern auch für deren Stellvertreter müssen entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

Zulieferer

Ein wichtiger Aspekt ist die Abhängigkeit von Zulieferern in die Planungen einzubeziehen. Es nützt wenig, alles zur Sicherung der eigenen Produktion zu tun, wenn diese auch durch eine Unterbrechung des Nachschubs zum Erliegen kommen kann. Zu einer effektiven Pandemieplanung gehört es daher, auch Lieferanten und Dienstleister zur Risikoprävention anzuhalten oder zu verpflichten.

Vorbildfunktion des Managements

Das Business-Continuity-Management ist im Ernstfall nur dann erfolgreich, wenn es in den Regelbetrieb dauerhaft integriert und praktisch gelebt wird. Dazu gehörten vor allem die pro-aktive Information der Mitarbeiter sowie regelmäßige Systemtests und Simulationen.

Quellen:
  1. Creditreform-Magazin 01/2008 http://www.creditreform-magazin.de/content/_t=dft,_s=397402
  2. Kredit & Rating Praxis 01/2008