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Risikobewertung einer Grippe-Pandemie

In einer weitgehend intakten Welt erscheint die Gefahr einer Katastrophe immer unwirklich. Wie schwer jedoch schon eine verhältnismäßig leichte Pandemie die öffentliche Infrastruktur erschüttern kann, illustriert ein FAZ-Artikel „Warnung vor einer Weltgrippe“ vom 19. Januar 2005: „Als die letzte große Grippe-Epidemie 1968 um die Welt ging, wurden in Berlin die Toten in U-Bahn-Schächten und Kühlhäusern zwischengelagert, weil die Leichenhäuser überfüllt waren.“

Influenza-Pandemien brechen etwa alle 10 bis 40 Jahre aus. Im letzten Jahrhundert forderten drei schwere Pandemien nahezu 100 Millionen Todesopfer. Allein an der Spanischen Grippe von 1918/1919 starben mehr Menschen als im gesamten ersten Weltkrieg1. Seit der letzten Pandemie sind inzwischen genau vier Jahrzehnte vergangen. Schätzungen der WHO zufolge ist das derzeitige Risiko einer Influenza-Pandemie dementsprechend so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Es kann nicht vorhergesagt werden, welcher Virussubtyp eine zukünftige Pandemie hervorrufen oder wann dieser Fall eintreten wird. Sicher ist nur, dass er eintreten wird. Der derzeit wahrscheinlichste Pandemie-Kandidat ist der Erreger der Vogelgrippe, H5N1. Noch ist die Vogelgrippe als Tierseuche klassifiziert, doch das Virus erfüllt bereits zwei von drei Kriterien der WHO für eine Pandemie: Der Erreger ist ein rasch mutierender neuer Subtyp, den das menschliche Immunsystem nicht erkennt und nicht wirksam bekämpfen kann. Aufgrund seiner rasanten Vermehrung im Organismus führt er im Falle einer Infektion beim Menschen zu Sterblichkeitsraten von über 60 Prozent2. Zwar erfüllt H5N1 die dritte Bedingung noch nicht – eine effiziente Übertragung von Mensch zu Mensch ist noch nicht gelungen. Das Virus könnte jedoch – durch sukzessive Anpassungen seines Erbgutes oder schlagartig durch Durchmischung mit der RNA menschlicher Grippeviren – diese Fähigkeit erlangen3.

Mit verheerenden Folgen: Berechnungen des Robert Koch-Instituts zufolge müsste Deutschland bei einer angenommenen Infektionsrate von 30% der Bevölkerung 13 Millionen zusätzliche Arztkonsultationen4 und 360 000 Krankenhauseinweisungen auffangen, bis zu 100 000 Tote werden prognostiziert5. Panikreaktionen und massive Arbeitsausfälle würden zum Zusammenbruch der Infrastruktur und der medizinischen Versorgung sowie zu Engpässen in der Versorgung mit Wasser, Energie und Lebensmitteln führen. Die wirtschaftlichen Folgen wären unabsehbar.

Forschungen in den USA haben ergeben, dass Vogelgrippe-Viren unter bestimmten Umständen auch ohne Genaustausch mit humanen Influenzaviren Pandemien verursachen können. H1N1, der Erreger der bislang schwersten Influenzapandemie – der Spanischen Grippe – enthielt diesen Untersuchungen zufolge keine Abschnitte von humanen Influenzaviren. Das Vogelgrippe-Virus hatte sich genetisch an den Menschen angepasst.


Quelle: Zündorf I. und Dingermann T.:
Die drohende Influenza Pandemie. DAZ Nr. 8, 23.02.2006. S. 57-71

Es ist unumgänglich, die Vorbereitungen auf eine Pandemie auf nationaler und internationaler Ebene rasch voranzubringen. Die derzeit sinnvollste Maßnahme zur Vorsorge sind die jährlichen Grippe-Schutzimpfungen. Nach dem Ausbruch einer Pandemie kommt den so genannten Neuraminidasehemmern eine besondere Rolle zu: Diese können prophylaktisch eingesetzt eine Erkrankung verhindern und bei bereits Infizierten die Krankheitsdauer bis zu 40% verkürzen6. Dies ist insbesondere bei der Bekämpfung der ersten Welle wichtig, da Experten für die Entwicklung und Produktion eines wirksamen Pandemieimpfstoffes mindestens drei bis sechs Monate veranschlagen. Die Bevorratung von antiviralen Medikamenten sollte deshalb Bestandteil jeder betrieblichen Pandemieplanung sein.


1 Walter H. Haas: Influenza – aktuelle Herausforderungen für den Infektionsschutz. Abteilung für Infektionsepidemiologie Robert Koch-Institut, Berlin 03/2005, S. 12
2 Von 385 Infizierten seit 2003 starben 243. | www.who.int, Stand 19.06.08
3 Zündorf I. und Dingermann T.: Die drohende Influenza Pandemie. DAZ Nr. 8, 23.02.2006. S. 57-71
4 Meltzer MI, Cox NJ and Fukuda Kejii: The Economic Impact Pandemic Influenza in the United States: Priorities for Intervention. Emerging Infectious Diseases 1999; 5(5): 659-671
5 Walter H. Haas: Influenza – aktuelle Herausforderungen für den Infektionsschutz. Abteilung für Infektionsepidemiologier Robert Koch-Institut, Berlin 03/2005, S. 17
6 www.medical-tribune.de, September 2008


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Informationen zur Pandemie-Vorsorge: Finden Sie hier hilfreiche Informationen zur Vorsorge einer Influenza-Pandemie.