Therapie der akuten Promyelozytenleukämie
Wie bei anderen akuten Leukämien auch, werden bei der akuten Promyelozytenleukämie Zytostatika nach einem bestimmten Therapieschema eingesetzt. Allerdings werden damit allein keine sehr hohen Heilungsraten (ca. 25%) erzielt.
Ende der 80er Jahre konnte jedoch gezeigt werden, dass durch Gabe von Vitamin-A-Säure-Abkömmlingen (Retinoiden) eine gezielte Therapie dieser Leukämieform möglich ist. Die Retinoide können durch Eingreifen in den Zellstoffwechsel der Tumorzellen das unkontrollierte Wachstum stoppen. In Kombination mit Zytostatika können durch sie nun Heilungsraten von 70-80% erreicht werden.
Wie greifen Retinoide in den Tumorstoffwechsel ein?
Bei der akuten Promyelozytenleukämie findet sich eine Veränderung an den Chromosomen, den Trägern der Erbsubstanz (Genen), die auch das Wachstum der Körperzellen steuern.
In gesunden Zellen sorgen die Gene auf den Chromosomen für ein exakt gesteuertes Gleichgewicht zwischen Stoffen, die die Reifung der Zellen kontrollieren, und Stoffen, die die Vermehrung der Zellen kontrollieren. Diese Kontrolle ist bei der akuten Promyelozytenleukämie durch eine Chromosomenveränderung verloren gegangen. Blockierende Teilchen lagern sich an das veränderte Erbmaterial an und verhindern dessen Ablesung. Dadurch können bestimmte Stoffe nicht mehr hergestellt werden, die dann im Zellstoffwechsel fehlen. Daraufhin können sich die so veränderten Zellen nicht mehr normal entwickelt und beginnen, sich unkontrolliert zu vermehren. Dies sind die typischen Vorgänge bei der Entstehung eines Tumors.
Die Retinoide lösen die blockierenden Teilchen von den Chromosomen ab, sodass deren Information wieder abgelesen werden kann. Der Zellstoffwechsel in den Zellen normalisiert sich. Die Zellen selbst können ihre ursprüngliche Funktion wieder ausfüllen.
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