Für Angehörige – so können Sie helfen
Ihr Partner oder Angehöriger hat ein Non-Hodgkin-Lymphom. Dabei handelt es sich um eine Krebserkrankung, und diese Nachricht erschüttert nicht nur den Betroffenen – die Belastung wirkt sich auch auf all diejenigen aus, die dem Patienten nahe stehen. Deshalb heißt es auch, dass Krebs eine „Familienkrankheit“ ist.
Wahrscheinlich müssen Sie sich mit starken Gefühlen wie Angst, Verzweiflung, Trauer, Wut oder Unsicherheit auseinander setzen. Oder Sie wissen nicht genau, wie Sie sich Ihrem erkrankten Partner gegenüber am besten verhalten sollen. Wir möchten Ihnen in dieser schwierigen Situation mit einigen Informationen und Tipps zur Seite stehen.
Krebs – Ihr Partner fühlt sich bedroht
Die Diagnose „Krebs“ stellt für die meisten Menschen eine so große Bedrohung dar, dass sie Strategien entwickeln müssen, um mit der seelischen Belastung irgendwie fertig zu werden. Manche Patienten ziehen sich ganz in sich zurück, meiden Gespräche über die Erkrankung oder verleugnen die Krankheit und ihre Symptome. Andere geben am liebsten alle Verantwortung ab und verhalten sich passiv und hilflos. Und schließlich gibt es Krebspatienten, die gereizt und wütend reagieren oder die Schuld für ihre Erkrankung bei anderen suchen.
Diese Verhaltensweisen helfen dem Betroffenen, die bedrohliche Situation zu verarbeiten – für Sie als Partner können diese Bewältigunsstrategien allerdings ganz schön strapaziös sein. Machen Sie sich klar, dass sich das Verhalten des Erkrankten nicht gegen Sie persönlich richtet, sondern Ausdruck seiner Angst und Hilflosigkeit ist. Reagieren Sie möglichst nicht gekränkt oder wütend und lassen Sie Ihrem Partner Zeit. Wenn er sich sicherer fühlt, lassen auch seine negativen Gefühlsäußerungen nach.
Unterstützen Sie Ihren Partner dabei, Informationen über seine Erkrankung und die in Frage kommenden Behandlungsmöglichkeiten zu sammeln. Begleiten Sie ihn zu Arztterminen, wenn er dies wünscht, und notieren Sie gemeinsam Fragen, die Sie dem Arzt stellen möchten. Schreiben Sie die genaue Diagnose Ihres Angehörigen auf – so können Sie sich z. B. im Internet, in Bibliotheken oder Krebsberatungseinrichtungen ganz gezielt über das Krankheitsbild informieren. Sprechen Sie mit Ihrem Partner und den Ärzten über die Behandlungsmöglichkeiten – die Entscheidung über die Therapie muss der Betroffene nach gründlicher Information aber selbst treffen. Tragen Sie seine Entscheidung mit, das hilft ihm durch die Behandlung.
Nicht alle Non-Hodgkin-Lymphome müssen sofort nach Diagnosestellung behandelt werden. In manchen Fällen schreitet die Erkrankung so langsam voran, dass eine Therapie zunächst nicht hilfreich wäre, sondern den Patienten nur mit Nebenwirkungen belasten würde. Wenn Ihr Partner also nicht gleich eine Therapie bekommt, heißt das keinesfalls, dass die Erkrankung „aussichtslos“ ist – im Gegenteil. Allerdings sollte sich Ihr Partner regelmäßig vom Arzt untersuchen lassen, damit die Therapie bei Bedarf umgehend eingeleitet werden kann.
Wird eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich, braucht Ihr Angehöriger Ihre Unterstützung ganz besonders. Achten Sie aber auf die Bedürfnisse Ihres Partners und fragen Sie nach, wie oft und wie lange er besucht werden möchte. Häufig brauchen Krebspatienten viel Schlaf und Ruhe, um wieder zu Kräften zu kommen. Informieren Sie weitere Familienmitglieder und Freunde darüber, ob Ihr Partner sich über Besuche und Anrufe freut oder ob ihn das momentan zu sehr anstrengt.
Erkundigen Sie sich, über welche Mitbringsel sich Ihr Partner freuen würde. Blumen sind auf hämatologisch-onkologischen Stationen wegen der möglichen Infektionsgefahr oft nicht erlaubt. Doch wie wäre es mit einer interessanten Zeitschrift, einem Hörbuch oder auch etwas Leckerem zu essen? Chemotherapie-Patienten kann ein schickes Tuch oder eine pfiffige Mütze Freude bereiten – fragen Sie am besten nach.
Wieder zu Hause – entlasten, aber nicht alles abnehmen
Durch die Krankheit und die Behandlung ist Ihr Partner wahrscheinlich geschwächt. Auch wenn er immer sehr aktiv war, wird er jetzt Ihre tatkräftige Hilfe benötigen. Übernehmen Sie Aufgaben für ihn, die er im Moment nicht selbst erledigen kann. Doch überprüfen Sie ab und zu kritisch, ob Sie vielleicht überfürsorglich sind. Sobald es Ihrem Angehörigen besser geht, möchte er sicher wieder Pflichten übernehmen und nicht mehr als Kranker behandelt werden. Das Gefühl, wieder einen Teil der Haus- und Familienarbeit leisten zu können, stärkt sein Selbstwertgefühl ganz entscheidend.
Wie gehen wir mit unseren Ängsten um?
Eine Krebserkrankung verändert das Denken und Fühlen aller Beteiligten. Es ist ganz klar, dass sich Ihr Partner nach einer so schweren Krankheit immer wieder mit Ängsten auseinander setzen muss. Manchen fällt es leichter, darüber zu reden, andere machen eher alles mit sich selbst ab. Entwickeln Sie ein Gespür dafür, was Ihr Partner gerade braucht, oder fragen Sie ihn danach. Vermeiden Sie es, ständig gute Ratschläge zu geben, nach dem Motto „Du musst jetzt unbedingt positiv denken“ oder „Hör auf, dich verrückt zu machen“. Oft ist es besser, einfach nur aufmerksam zuzuhören, ohne gleich Lösungen anzubieten.
Versuchen Sie auch nicht, Ihre eigenen Ängste krampfhaft zu verbergen und immer „stark“ zu sein. Es ist sinnvoll, wenn der Betroffene erfährt, dass Sie sich ebenfalls immer wieder Sorgen machen. Es kann zu großer Nähe und einem starken Wir-Gefühl führen, wenn Sie auch mal gemeinsam weinen.
Ihr Partner hat sich verändert
Durch die Krebserkrankung hat sich Ihr Angehöriger als sehr verletzlich erlebt oder sogar eine existenzielle Krise durchlaufen. Die Hoffnung auf körperliche Genesung ist durchaus realistisch – aber erwarten Sie nicht, dass Ihr Partner in seelischer Hinsicht wieder genau so sein wird wie vor der Krankheit. Eine derart einschneidende Lebenserfahrung prägt uns auch für die Zukunft.
Natürlich werden die Ängste nachlassen und die Lebensfreude zunehmen, wenn die Therapie erfolgreich verlaufen ist, die Kräfte zurückkehren und die Nachsorgeuntersuchungen gut ausfallen. Doch viele Menschen betrachten nach einer Krebserkrankung die Welt mit anderen Augen, verändern ihre persönliche Werteskala und setzen neue Prioritäten.
Seien Sie nicht gekränkt, wenn Ihr Partner jetzt kaum sexuelle Bedürfnisse hat. Er braucht seine Kräfte, um sich mit der Erkrankung auseinander zu setzen und die Therapie gut durchzustehen. Auch nach der Behandlung zeigen viele Betroffene eine Zeit lang nur geringes oder gar kein sexuelles Interesse, weil sie sich zunächst mit körperlichen und seelischen Veränderungen arrangieren müssen, weil sie befürchten, für den Partner nicht mehr so attraktiv zu sein oder auch, weil die Behandlung zu entsprechenden Nebenwirkungen geführt hat.
Für viele Patienten ist die körperliche Nähe und Zärtlichkeit des Partners nach der Diagnosestellung und während der Behandlung wichtiger als Sex. Oft nehmen die sexuellen Bedürfnisse wieder zu, wenn die Therapie abgeschlossen ist und Ihr Partner sich nach und nach besser fühlt. Fragen Sie einfühlsam und ohne Druck auszuüben, wie viel Nähe und Zärtlichkeit sich Ihr Partner wünscht und fühlen Sie sich durch seine Antworten nicht zurückgewiesen. Geben Sie sich Zeit – es kann etwas dauern, bis die körperlichen Bedürfnisse beider Partner nach der Erkrankung wieder aufeinander abgestimmt sind.
Gönnen Sie sich etwas Schönes!
Menschen, die einen krebskranken Angehörigen betreuen, stellen eigene Wünsche oft völlig in den Hintergrund. Doch die körperlichen und seelischen Belastungen einer solchen Betreuung sind oft langwierig und groß. Sie werden diese Aufgabe mit Sicherheit besser meistern, wenn Sie sich selbst ab und zu etwas Gutes tun. Nehmen Sie die Hilfe von Freunden und weiteren Familienmitgliedern in Anspruch und gönnen Sie sich etwas: Planen Sie eine Wanderung in schöner Natur, gehen Sie mit Freunden essen oder ins Konzert. Nur wenn Sie selbst physisch und psychisch bei Kräften bleiben, können Sie Ihrem Partner die Unterstützung geben, die er braucht.
- Zeigen Sie Verständnis für die Situation Ihres Partners und informieren Sie sich über seine Erkrankung.
- Unterstützen Sie Ihren Partner nach Kräften, aber nehmen Sie ihm nicht alles ab.
- Lassen Sie Raum für Ängste - die Ihres Partners wie Ihre eigenen – und versuchen Sie, offen damit umzugehen.
- Akzeptieren Sie, dass Ihr Partner sich durch die Erkrankung verändert hat.
- Gönnen Sie sich auch selbst einmal etwas Schönes – nur so können Sie Ihrem Partner auf Dauer die Unterstützung geben, die er braucht.
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