Wie behandeln?

„Wait and see“ – erst einmal abwarten
Strahlentherapie
Chemotherapie
Antikörpertherapie
Zytokintherapie
Stammzelltransplantation
Das Wichtigste auf einen Blick

Die Therapie von Non-Hodgkin-Lymphomen richtet sich nach Art, Ausbreitungsgrad und Aggressivität der Erkrankung. Wir möchten Ihnen im Folgenden die Grundzüge der Behandlung darstellen. Oft werden verschiedene Therapieformen miteinander kombiniert, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Für jeden Lymphomtyp wird diese Kombination individuell angepasst – es gibt also keine einheitliche, für alle NHL-Formen gültige Standardtherapie.


„Wait and see“ – erst einmal abwarten

Manche Lymphomtypen verursachen keine Beschwerden und schreiten auch ohne Behandlung nur sehr langsam oder auch gar nicht voran. In einem solchen Fall würde eine frühzeitige Therapie keine Vorteile im Vergleich zu einem verzögerten Behandlungsbeginn bringen, sondern den Patienten nur den Nebenwirkungen der Behandlung aussetzen. Wenn Ihr Arzt Ihnen empfiehlt, zunächst ohne Therapie abzuwarten, ist das als positives Zeichen zu werten und kein Indiz dafür, dass die Erkrankung „aussichtslos“ wäre! Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen stellt der Arzt fest, zu welchem späteren Zeitpunkt eine Behandlung eingeleitet werden sollte.

Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie werden so genannte ionisierende Strahlen auf die betroffenen Körperregionen gelenkt und zerstören so die Lymphomzellen. Speziell in frühen Stadien bestimmter Lymphomtypen kann die Strahlentherapie zur Heilung führen. Oft wird die Strahlentherapie auch nach einer Chemotherapie angewendet, um den Therapieerfolg zu erhöhen.

Bei der häufigsten Art der Strahlentherapie erhält der Patient über etwa drei bis vier Wochen pro Tag nur einen Teil der Strahlung. Diese Methode ist wirkungsvoller und schont gesunde Körperzellen besser als eine einmalige Bestrahlung mit der Gesamtdosis. Die Strahlentherapie kann in der Regel ambulant erfolgen. Von den Strahlen selbst spürt der Patient während der Behandlung nichts.

Trotz sorgfältiger Therapieplanung lassen sich Nebenwirkungen der Strahlentherapie nicht immer vermeiden. Zu den häufigsten unerwünschten Begleiterscheinungen zählen Störungen im Magen-Darm-Trakt wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, „Strahlenkater“ mit Müdigkeit und grippeartigen Beschwerden sowie Geschmacksstörungen oder erhöhte Infektanfälligkeit.

Chemotherapie

Ziel der Chemotherapie ist es, Krebszellen nicht nur an umschriebenen Stellen, sondern im gesamten Körper abzutöten. Dazu werden so genannte Zytostatika verabreicht, die über die Blutbahn in alle Regionen des Körpers gelangen und dort ihre Wirkungen entfalten. Zytostatika verhindern die Zellteilung der Krebszellen, oder sie beeinflussen den Stoffwechsel der Krebszellen, so dass diese zugrunde gehen. Weil sich Krebszellen oft rasch und unkontrolliert teilen und vermehren, sind sie besonders anfällig für solche Zellgifte.

Oft werden Zytostatika in Kombination angewendet, um ihre therapeutische Wirkung zu verstärken und gleichzeitig ihre Nebenwirkungen möglichst gering zu halten. Dennoch lassen sich unerwünschte Begleiterscheinungen der Chemotherapie nicht immer vermeiden, und es kommt beispielsweise zu Übelkeit, Durchfall, Haarausfall oder Infektanfälligkeit.

Antikörpertherapie

Auf der Außenseite der meisten Körperzellen finden sich typische Oberflächenstrukturen, so genannte CD-Marker. Auch Krebszellen weisen diese Merkmale auf. Nach langjähriger Forschung ist es gelungen, Wirkstoffe (Antikörper) herzustellen, die spezifisch an bestimmte Oberflächenstrukturen binden und letztendlich zur gezielten Zerstörung der betreffenden Krebszellen führen. Das Prinzip kann man sich vorstellen wie bei einem Schlüssel, der nur zu einem ganz bestimmten Schloss passt: Ein Antikörper bindet nur an eine zu ihm passende Oberflächenstruktur.

Gerade in der Lymphombehandlung spielt die Antikörpertherapie heutzutage eine wichtige Rolle. Antikörper wie Rituximab können in unterschiedlichen Situationen eingesetzt werden: für die Erstbehandlung nach Diagnosestellung, für die Rezidiv-(Rückfall)therapie sowie für die Erhaltungstherapie.

Antikörper werden in der Regel mit einer Chemotherapie kombiniert, was die Behandlungsergebnisse deutlich verbessert.

Da eine Antikörpertherapie überwiegend durch die Kraft des körpereigenen Immunsystems wirkt, ist sie – im Vergleich zu einer Chemotherapie – gut verträglich. Gelegentlich kann es jedoch zu Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder Kopfschmerzen kommen. Über die speziellen Nebenwirkungen einzelner Medikamente sollte Sie jedoch in jedem Fall Ihren behandelnden Arzt befragen.

Zytokintherapie

Zytokine sind Signalstoffe, die die Zusammenarbeit der verschiedenen Abwehrzellen des Immunsystems regeln. Zu ihnen gehört beispielsweise Interferon, ein Wirkstoff, der das Immunsystem gezielt gegen Krebszellen aktivieren kann.

Nebenwirkungen wie grippeartige Beschwerden, Knochenschmerzen, Stimmungsschwankungen und Blutbildveränderungen treten unter der Interferontherapie relativ häufig auf, weil sich die verschiedenen Botenstoffe des Immunsystems auf komplizierte Weise beeinflussen.

Stammzelltransplantation

Durch die Gabe sehr hoch dosierter Zytostatika, die teilweise noch mit einer Ganzkörperbestrahlung kombiniert werden, können bestimmte Lymphomerkrankungen noch wirksamer behandelt werden. Da das blutbildende Knochenmark bei einer solchen Hochdosistherapie stark geschädigt wird, werden bereits vor der Behandlung Stammzellen des Patienten aus dem Blut oder Knochenmark entnommen und nach Abschluss der Behandlung wieder zurückgegeben.

In selteneren Fällen erhält der Patient Stammzellen von einem Familien- oder Fremdspender. Wichtig ist in diesem Fall, dass die Gewebemerkmale des Spenders gut mit denjenigen des Empfängers übereinstimmen, damit es nicht zu starken Abwehrreaktionen kommt.

Die Stammzelltransplantation ist belastend und mit gewissen Risiken verbunden. Deshalb wird das Verfahren eher bei jüngeren Patienten angewandt, die sich in einem guten gesundheitlichen Allgemeinzustand befinden.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Die Behandlung muss für jeden Lymphomtyp individuell zusammengestellt werden.
  • Häufig werden verschiedene Therapieverfahren miteinander kombiniert.
  • Die Antikörpertherapie spielt heute in der Behandlung von Lymphomen eine wichtige Rolle.