Ursachen und Risiken
Das Lungen- oder Bronchialkarzinom gehört mit dem Brustkrebs und dem Prostatakrebs zu den häufigsten Tumorerkrankungen in den westlichen Industrienationen. Nach einer Auswertung des Robert Koch Institutes war das Lungenkarzinom im Jahr 2006 in Deutschland die dritthäufigste Krebsneuerkrankung bei Männern und bei Frauen. Bei Männern tritt das Lungenkarzinom mit einer durchschnittlichen Häufigkeit von 80 pro 100.000, bei Frauen mit 35 pro 100.000 auf. Unabhängig von Risikofaktoren steigt ab dem 35. Lebensjahr die Krankheitstendenz langsam an. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer und Frauen bei etwa 69 Jahren.
Die kontinuierliche Belastung der Bronchien durch das Rauchen steigert das Risiko an einem Lungenkarzinom zu erkranken. Bei Männern sind bis zu 90%, bei Frauen zurzeit bis zu 60% der Lungenkrebserkrankungen auf das aktive Rauchen zurückzuführen. Der Zigarettenrauch bzw. die darin enthaltenen Stoffe schädigen die Schleimhaut und können damit die Entartung der Schleimhautzellen fördern. Rund 16% aller Männer und 9% aller Frauen, die rauchen, erkranken an Lungenkrebs. Das Risiko eines Lungentumors steigt mit der Anzahl der Zigaretten, der Dauer des Rauchens, der Teer- und Nikotinkonzentration der Zigaretten und der Häufigkeit des Passivrauchens. Verdoppelt sich die täglich gerauchte Zigarettenzahl, steigert sich auch das Risiko, an Krebs zu erkranken, auf das Zweifache.
Verdoppeln sich die „gerauchten Jahre“, ist das Risiko fünf- bis sechsfach höher. Die seit den 80er Jahren eingeführten „Light-Zigaretten“ mit reduziertem Teer- und Nikotingehalt haben nicht zur Verminderung des Erkrankungsrisikos beigetragen.
Nikotinabhängige Raucher inhalieren bei diesen Zigaretten zumeist tiefer und rauchen mehr, um die erwünschte Nikotinwirkung zu erreichen.
Passivraucher sind dem sogenannten Hauptstromrauch (die Menge Rauch, die der Rauchende ausatmet) zu ca. 20% und dem Seitenstromrauch (Rauch der qualmenden Zigarette) zu etwa 80% ausgesetzt. Der Seitenstromrauch ist besonders reich an Karzinogenen und toxischen Substanzen.
Neben dem Rauchen können auch Schadstoffe, denen man am Arbeitsplatz ausgesetzt ist (so genannte berufsbedingte Noxen), die Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu erkranken erheblich erhöhen. In Kombination mit Zigarettenrauch steigt das Risiko noch einmal beträchtlich. Vor allem Asbest, Arsen, Chrom, Nickel, Teer und Ruß schädigen die Lunge. Aber auch eine Strahlenbelastung mit beispielsweise Radon, Röntgen- oder Gammastrahlen sowie eine hohe Luftverschmutzung, insbesondere durch Dieselgase, vergrößern das Risiko. Die berufsbedingten Krebsrisiken wurden in den letzten Jahren durch Verbesserungen beim Arbeitsschutz aber wesentlich reduziert.
Zehn bis 15% der Patienten mit Lungenkrebs sind Nichtraucher. Ein familiär bedingter Anstieg des Erkrankungsrisikos ist seit langem bekannt: Verwandte von Lungenkrebspatienten haben ein bis zu vierfach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Dabei spielen verschiedene Faktoren im Erbgut eine Rolle: So kann zum Beispiel eine genetisch verminderte Aktivität bestimmterEnzyme zu verminderter Entgiftung krebserregender Stoffe oder unzureichender Reparatur von Schädigungen der DNS beitragen. Wie bedeutsam genetische Faktoren sind und wie häufig sie tatsächlich die Entwicklung von Lungenkrebs teilhaben, ist allerdings in weiten Teilen noch ungeklärt.
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