Lungenkrebs
Der menschliche Körper besteht aus vielen verschiedenen Zelltypen. Normalerweise wachsen bzw. teilen sich die Zellen nur dann, wenn dies für den Körper sinnvoll ist, zum Beispiel beim Wachstum oder bei der Wundheilung. Dieser Vorgang – auch Regeneration genannt – läuft stetig ab und dient der Gesunderhaltung des Körpers. Wenn die Zellteilung erfolgt, obwohl keine neuen Zellen benötigt werden, kommt es zu einer übermäßigen Neubildung von Gewebe. Dieses Zuviel an Gewebe bildet eine Geschwulst, die man Tumor nennt. Das so entstandene überschüssige Gewebe kann gutartig oder bösartig sein.
Bei gutartigem Gewebe dringen die Zellen nicht in benachbarte Gewebe ein und breiten sich nicht in anderen Teilen des Körpers aus. Bösartiges Gewebe dagegen ist Krebsgewebe, dessen Zellen unkontrolliert wachsen. Sie können in benachbartes gesundes Gewebe eindringen und es zerstören. Ebenso ist es möglich, dass sich Krebszellen aus dem ursprünglichen Tumor herauslösen und in den Blutstrom und das Lymphsystem eindringen. Auf diese Weise breitet sich der Krebs von dem primären Tumor aus und bildet neue Tumore in anderen Körperteilen, dieser Vorgang wird auch Metastasierung genannt.

Auch Tumorerkrankungen der Lunge können gut- oder bösartig sein – gutartige Geschwülste treten allerdings sehr viel seltener auf als bösartige. Gutartige Tumore der Lunge wachsen in der Regel langsam. Sie verdrängen dabei gesundes Gewebe, zerstören es aber nicht. Obwohl sie nur selten Beschwerden verursachen, werden sie in der Regel durch eine Operation entfernt, um die Gutartigkeit sicherzustellen und einer eventuellen Entartung zum bösartigen Tumor vorzubeugen. In über 90 Prozent der Fälle sind Geschwülste der Lunge bösartig. Lungenkrebs, in der Fachsprache auch Lungenkarzinom oder Bronchialkarzinom genannt, kann in allen Lungenabschnitten entstehen. Mehr als 50 Prozent der Tumore entwickeln sich in den oberen Teilen der Lungenflügel, insbesondere in den Bronchien. Das hängt damit zusammen, dass diese Lungenbereiche bei der Atmung stärker belüftet werden und somit auch schädigenden Substanzen in stärkerem Maße ausgesetzt sind. Von diesen Bereichen aus kann sich der Krebs dann in das umgebene Lungengewebe ausbreiten und im weiteren Verlauf auch auf andere Organe übergreifen.
Der Lungenkrebs gehört mit dem Brustkrebs und dem Prostatakrebs zu den häufigsten Tumorerkrankungen in den westlichen Industrienationen. 2006 starben in Deutschland 28.898 Männer und 11.873 Frauen an Lungenkrebs. Somit ist Lungenkrebs in Deutschland die häufigste tumorbedingte Todesursache bei Männern und die dritthäufigste (nach Brust- und Darmkrebs) bei Frauen. Im Vergleich aller Todesursachen steht der Lungenkrebs bei Männern an dritter Stelle und bei Frauen an siebter. Es erkranken etwa dreimal so viele Männer wie Frauen, meistens zwischen dem 55. und 70. Lebensjahr. Während bei Männern seit Mitte der 70er Jahre die Anzahl der Neuerkrankungen leicht zurückgeht, steigt sie bei Frauen dagegen an. Die Zunahme von Lungenkrebs bei Frauen wird mit deren ansteigendem Zigarettenkonsum seit den 80er Jahren in Verbindung gebracht.
* Quelle: Krebs in Deutschland 2005-2006. Häufigkeiten und Trends. Robert Koch Institut (Hrsg.) Berlin 2010
Drucken
Bookmark
