Unterstützung einfordern?
Die ersten Ansprechpartner in dieser Situation sind oft der Arzt, das Krankenhauspersonal und der Psychoonkologe, dann folgen Partner, Familie und Freunde. Es ist wichtig, dass Betroffene zuerst einen solchen „Schutzraum“ suchen, in dem sie sich ausdrücken können. Dieser Schutzraum kann mit Hilfe des Psychoonkologen entstehen. Ungefähr ein Drittel der Betroffenen nehmen eine solche Hilfestellung wahr. Der Psychologe agiert dabei als Assistent, der Betroffene zum „selbst entdeckenden Lernen“ anleitet. Diese Begleitung kann über den gesamten Prozess erfolgen, bis hin zu Gedanken über Sterben und Tod, aber auch hin zur Entwicklung neuer Pläne und Perspektiven. Auch das Umfeld kann eine große Entlastung für den Betroffenen darstellen. Es hat etwas Positives, wenn der Betroffene auf einmal im Mittelpunkt steht und noch mehr Aufmerksamkeit und Liebe erfährt als sonst. Gerade der Partner oder eine enge vertraute Person und die eigenen Kinder, Familie und Freunde sind oft eine große Quelle der Kraft. Sie können Unterstützung bieten, die vor allen Dingen bedeutet: Da sein! Da sein im Sinne von Nähe, Anerkennung und liebevollem Umgang. Das bedeutet, zu zuhören, ein Gesprächspartner zu sein und die Ängste, Sorgen und Nöte mit auszuhalten und nicht immer sofort mit Ratschlägen zu reagieren.
Ich im Mittelpunkt – auch wenn es nicht immer einfach ist
In der durch die Erkrankung ausgelösten Krisensituation brechen alle gewohnten Rollen weg, alte Verhaltensmuster werden überdacht. Dabei kann es auch passieren, dass das Umfeld zunächst nicht positiv auf diese Veränderungen reagiert. Die Familie, Freunde und Kollegen müssen sich erst einmal daran gewöhnen, dass sich unter Umständen Einstellungen des Betroffenen geändert haben. Häufig haben Patienten Angst davor, ihren Angehörigen oder Freunden vor den Kopf zu stoßen. Sie haben das Gefühl, ihrer Umwelt in dieser Situation schon genug abzuverlangen. Das erzeugt Druck, weil die Patienten nicht als Egoisten dastehen möchten. Sie selbst lernen meist schnell, dass es kein Egoismus ist, sich jetzt erst einmal um die eigenen Dinge zu kümmern, sondern dass es sich um Selbstfürsorge handelt. Im Alltag kann es jedoch zunächst zu Reibereien kommen, weil sich das Umfeld auch erst an die neue Situation gewöhnen muss. Eigene Wünsche zu kennen, bedeutet nicht, Egoist zu sein. Und seine Wünsche zu kennen, bringt nicht automatisch mit sich, sie auch umzusetzen. Darin liegt ein Konfliktpotential: Nicht selten kommt es vor, dass sich Patienten unbewusst oder bewusst darauf verlassen, dass die anderen die eigenen Wünsche und Erwartungen erfüllen, ohne dass sie ausgesprochen wurden. Aber auch um dies zu erkennen ist eine psychologische Betreuung hilfreich.
Partner mit einbeziehen
Manchmal sollte auch der Partner in die Therapie mit einbezogen werden. Besonders, wenn es diesem schwer fällt, psychische oder physische Veränderungen zu akzeptieren und den Betroffenen so anzunehmen. Für den Patienten ist es gut, eigene Veränderungen zu realisieren. Dennoch ist es sinnvoll zu erkennen, woher die Skepsis des anderen kommt. Eine Narbe oder der Haarverlust durch die Chemotherapie macht zum Beispiel die Krankheit deutlich. Hier kann es wichtig sein, eine neutrale Instanz mit einzubeziehen, die das gemeinsame Gespräch moderiert und die Prozesse begleitet.
Selbsthilfegruppen
Weitere Unterstützung können Selbsthilfegruppen bieten. Zu Anfang der Therapie können sich viele Betroffene nicht vorstellen, ihre Ängste, Nöte, Sorgen und Hoffnungen mit anderen Betroffenen zu teilen. Nach einiger Zeit ändert sich das oft. Es gibt eine Art „Solidarisierungsprozess“: „Hier ist jemand, der Ähnliches erlebt hat, der mich versteht.“ Es ist die Erfahrung, nicht alleine zu sein, die helfen kann, mit der eigenen Situation besser umzugehen. Außerdem kann es zusätzliche Kraft spenden, durch die eigenen Erfahrungen anderen eine wertvolle Hilfestellung zu bieten.
Circa 30 Prozent aller Krebskranken schließen sich Selbsthilfegruppen an.
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