Was kann ich tun?
Die anfängliche Verzweiflung, die die Diagnose Krebs auslöst, ist nur allzu verständlich, bringt sie doch die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod mit sich. Diese Gedanken drücken die Trauer aus, dass die Zeit, im Kreise der Familie sowie die Zeit für Reisen, Hobbies und die berufliche Weiterentwicklung vielleicht gezählt ist. Auch gesunde Menschen wissen, dass sie einmal sterben müssen. Jedoch ist dieser Gedanke nicht täglich präsent und so erschüttert es die Betroffenen sehr stark , auf diese Weise mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert zu werden. Sich diesem Gedanken zu stellen oder ihm ausweichen – beides stellt eine große Herausforderung dar.
Auf die Frage „Warum gerade ich?“ finden viele Patienten, je mehr sie sich im Laufe ihrer Erkrankung mit sich selbst auseinandersetzen, ihre ganz persönliche Antwort. Sie kann Aspekte wie gesundheitsschädliches Verhalten, Umwelteinflüsse, Stress, Strafe oder Schicksal beinhalten. Die Theorie von der „Krebspersönlichkeit“ hat sich als unhaltbar erwiesen. Dennoch hält sie sich hartnäckig – vor allem, da sie eine sehr menschliche Antwort auf eine Frage bietet, die sonst unbeantwortet bliebe.
Neue Blickwinkel
Die Fragen nach der Endlichkeit und nach dem „Wie und Warum“ können ein Umdenken bewirken, was das eigene Leben betrifft. Viele Betroffene berichten, dass sie unter dem Aspekt der Todesbedrohung ihr Leben neu bewerten. Die Angst vor dem Tod kann ein Auslöser für persönliche Veränderungen sein, die bisher auf die langeBank geschoben wurden. „Was ist mir wichtig, falls mir nicht mehr so viel Zeit bleibt? Was möchte ich noch erleben/erreichen?“ „Welche Dinge möchte ich grundsätzlich gerne ändern?“ „Welche Entscheidungen schiebe ich schon lange vor mir her?“
Vieles ist plötzlich nicht mehr, wie es einmal war. Die Rollen im sozialen Umfeld sind eventuell auf einmal völlig neu verteilt. Diese Ausnahmesituation bietet auch Chancen, denn jetzt sind neue Entwicklungen möglich. Betroffene erhalten in der Regel mehr Unterstützung vom Partner, von Familie und Freunden, die sie dafür nutzen können. Nicht zu vergessen die Beratung durch einen Psychoonkologen, die die Patienten wahrnehmen können. Dieser kann die Betroffenen durch die schwierige Zeit begleiten und ihnen in gemeinsamen Gesprächen die Möglichkeit geben, die eigenen Gedanken und Gefühle auszudrücken, zu sortieren und zu verstehen. Geschieht dies, wird es einfacher zu beurteilen, was hilfreich ist und Erleichterung schaffen kann.
Auf die innere Stimme hören
Nur selten sind die Bedingungen für eine Besinnung auf sich selbst „so günstig“, wie im Rahmen einer Krebserkrankung, da das Umfeld in der Regel sehr viel Rücksicht nimmt und dem Betroffenen mehr persönlichen Spielraum zubilligt, in dem er sich ausbreiten darf. Betroffene können ihren ganz eigenen Weg entwickeln, der ihnen viel Selbstvertrauen und auch Kraft schenken kann.
Ein oft gehörter Satz, den viele Betroffene aus ihrem Umfeld hören, lautet: „Du musst positiv denken!“. Dieser Ratschlag, wenn auch gut gemeint, kann einen hohen Druck auf den Betroffenen ausüben und der Genesung eher im Wege stehen als zu helfen. Nicht positiv denken zu können, führt häufig zu einem schlechten Gewissen, das zusätzlich belastet. Meistens sind Betroffenen andere Fragen viel näher: „Was habe ich überhaupt für Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen und wie ist meine innere Einstellung zu der jetzigen Situation?“ Auf sich selbst zu hören, kann sich viel positiver auswirken als eine vorgegeben Denkweise.. Nur der Patient selbst weiß, was gut für ihn ist, daher ist es ratsamer auf die eigene innere Stimme zu hören, um herauszufinden, wie er/sie mit dieser Krise umgehen möchte.
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