Wie kommt es zur Blutarmut?
Vorab und kurz geantwortet: Man weiß es nicht genau. Oft findet sich jedenfalls keine andere Erklärung als die der Tumorerkrankung selbst. Allerdings gibt es charakteristische Merkmale, die auch bei anderen Anämieformen chronischer Erkrankungen gefunden werden:- Verminderte Eisenverwertung.
- Reduzierte Empfindlichkeit des blutbildenden Systems auf das hierfür wichtigste Hormon, das Erythropoietin.
- Relativer Erythropoietinmangel.
- Verkürzte Lebensdauer der roten Blutkörperchen (Erythrozyten).
Diese Störungen laufen allerdings auf so verschiedenen Ebenen
ab, dass sie von der Forschung nur schwer auf einen gemeinsamen
Nenner zu bringen sind. Es ist derzeit weitgehend ungeklärt,
auf welche Weise die chronische Tumoranämie im Rahmen einer
bösartigen Erkrankung ausgelöst und aufrechterhalten
wird. Im Augenblick ist es deshalb sinnvoll, lediglich von möglichen
Gründen zu sprechen, die zu einer Tumoranämie beitragen
können.
Diese Faktoren sind im einzelnen:
- Dieautoimmunbedingte Hämolyse (die Zellen, die normalerweise für den Abbau alter Erythrozyten verantwortlich sind, zerstören intakte rote Blutkörperchen - wohl aufgrund eines allgemein aktivierten Immunsystems - und das herausgelöste Eisen wird nicht im üblichen Maße wiederverwendet).
- Verborgene Blutungen, meist im Magen-Darmtrakt.
- Die Störung der normalen Blutbildung durch die Ausbreitung von Tumorzellen bis ins Knochenmark.
- Die verminderte Nierenfunktion - die Nieren sind der Hauptbildungsort des Erythropoietins.
- Die Auswirkungen einer Chemotherapie, z.B. mit platinhaltigen Zytostatika.
- EinFolsäure- und/oderVitamin B12-Mangel - beide Vitamine sind unerlässlich für die Blutbildung.
- Ein Eisenmangel
Hierbei kommt der unkontrollierten Aktivierung desImmunsystems
- nach heutigem Kenntnisstand - wohl die größte Bedeutung
zu. Die Häufigkeit einer tumorbedingten Anämie beträgt
in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Tumorerkrankung,
dem Krankheitsstadium und der Krankheitsdauer bis zu 60 %. Besonders
häufig sind Patienten und Patientinnen mit einem
Plasmozytom,
bestimmten Formen des Gebärmutterkrebses, Lungenkrebs, Hodenkrebs
und Non-Hodgkin-Lymphom
betroffen. Aber auch insgesamt betrachtet stellt die Tumoranämie
eine Begleiterkrankung bei Tumoren dar, die in ihrer Tragweite,
einschließlich der beeinträchtigten Lebensqualität
der Patienten, oft nicht entsprechend gewürdigt wird.
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