Parkinson
Operative Maßnahmen

Insbesondere in der Phase des L-Dopa-
Langzeitsyndroms hat die
so genannte funktionelle Neurochirurgie
ihren Stellenwert in der
Behandlung der Parkinsonschen
Erkrankung. Bei etwa 40 bis 60%
der Parkinson-Patienten kommt es
nach mehrjähriger kontinuierlicher
L-Dopa-Therapie zu Nebenwirkungen
sowie zu einer Minderung
der Wirksamkeit des L-Dopa. Dies
geht für die Patienten mit einem
plötzlichen und unvorhersehbaren
Wirkungsverlust, einer zeitlich verkürzten
Wirkung der Einzeldosis
sowie mit während der On-Phase
nicht kontrollierbaren Hyperkinesien
(Überbeweglichkeit) einher.
Errfahren Sie in
einem kurzen Überblick das Wichtigste
über
neurochirurgischen Strategien in
der Parkinson-Therapie.
Titel der Kategorie
(läsionelle Verfahren)
Allen funktionell neurochirurgischen Eingriffen liegt ein vergleichbares operatives Vorgehen zu Grunde. Dabei wird der Kopf des Patienten in einer speziellen Vorrichtung fixiert und eine ausführliche Bildgebung des betroffenen Hirnbereichs mittels Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt. Auf dem Boden dieser heute sehr hochwertigen und hochauflösenden Bildgebung können die entsprechenden Zielpunkte im Gehirn vorab millimetergenau berechnet werden. Für die eigentliche Durchführung der Operation sind dann nur noch kleine Öffnungen der Schädeldecke (1,5 cm) notwendig, um Sonden oder Elektroden mit einer stereotaktischen Führung unter bildgebender Kontrolle exakt am Zielpunkt zu platzieren.
Basierend auf den Erfahrungen mit der Teststimulation während der beschriebenen läsionellen Operationen wurde Mitte der 1980er Jahre die hochfrequente tiefe Hirnstimulation (TSH = Tiefe Hirn Stimulation) eingeführt. Dabei werden spezielle Stimulationselektroden dauerhaft in die entsprechenden Kerngebiete (Thalamus, Pallidum, N. subthalamicus) implantiert und mit einem ebenfalls unter der Haut platzierten Pulsgenerator verbunden.
Der große Vorteil dieser Methode besteht darin, dass das Ausmaß des Stimulationseffekts auch noch nach der eigentlichen Operation über die Einstellung des Impulsgenerators verändert und somit den klinischen Bedürfnissen angepasst werden kann. In den ersten Jahren der Anwendung wurden vor allem Implantationen in den Thalamus zur Behandlung des Tremors und in den Globus pallidus zur Behandlung des dyskinetischen Parkinson- Syndroms durchgeführt. Heute ist zunehmend ein anderer Hirnbereich in den Mittelpunkt des Interesses gerückt: der Nucleus subthalamicus. Die wesentlichen Vorteile einer beidseitigen Stimulation im N. subthalamicus liegen darin, dass zum einen der Tremor sehr gut verbessert sowie bei vielen Patienten eine 30- bis 50%ige Reduktion der erforderlichen dopaminergen Medikation erreicht werden kann.
Entsprechende Langzeitstudien (bis zu fünf Jahren) belegen, dass der Therapieeffekt anhaltend ist. Dennoch kann durch die Tiefe Hirn Stimulation der Krankheitsprozess, also die Degeneration nigrostriataler Neurone, an sich nicht aufgehalten werden. Beachten Sie bitte auch, dass nach der Operation häufig über einen Zeitraum von mehreren Wochen die Stimulationsparameter und die medikamentöse Dosierung angepasst werden müssen. Der Parkinson- Patient kann in dieser Zeit unter möglichen Nebenwirkungen der Stimulation leiden (bis zu 10%).
Eine Anbindung des Betroffenen an einen erfahrenen Neurologen während dieser Phase der Anpassung ist also unbedingt erforderlich. Die zunehmende Sicherheit im Umgang mit dieser Operationsmethode sowie die zum Teil sehr eindrucksvollen Erfolge haben dazu geführt, dass dieses Verfahren nicht mehr ausschließlich Patienten im absoluten Spätstadium des L-Dopa-Langzeitsyndroms vorbehalten bleibt, sondern immer häufiger auch für Betroffene diskutiert wird, die dadurch ihre beruflichen und privaten Aktivitäten aufrecht erhalten können. Inwieweit dies tatsächlich möglich und realistisch ist, sollte rechtzeitig in einem Zentrum für Tiefe Hirn Stimulation auf individueller Basis geklärt werden.
Aktuelle Fortschritte in der Neuround Stammzellenbiologie haben zur Entwicklung neuartiger restaurativer Therapieansätze auch im Bereich der Parkinsonschen Erkrankung geführt. Dabei sollen verloren gegangene dopaminerge Neurone durch die Implantation neuronaler Vorläufer- oder Stammzellen ersetzt werden, die die Steuerung von dopaminergen Schaltkreisen zumindest teilweise wiederherstellen. Bisherige tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass dopaminerge Transplantate das Zielgebiet (Corpus striatum) wieder regenerieren und entsprechende Verhaltensdefizite verbessern können. In klinischen Transplantationsstudien ließ sich mit Hilfe der funktionellen Bildgebung sowie in Autopsieuntersuchungen belegen, dass die transplantierten dopaminergen Nervenzellen überlebensfähig sind. Insgesammt muss jedoch gesagt werden, dass eine klinische Anwendung vorerst noch nicht absehbar ist.
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