Geschichte der Organtransplantation

Von der mutigen Pionierarbeit zum etablierten Verfahren

Cosmas und Damian

Das Beinwunder Ausschnitt Altarbild
Landesmuseum Württemberg

Schon sehr früh haben die Menschen versucht Organverpflanzungen vorzunehmen, doch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts schufen gefäßchirurgische und operationstechnische Fortschritte die Voraussetzungen für wissenschaftlich fundierte Transplantationen. Die Geschichte der Transplantationschirurgie ist eng mit der Geschichte der Immunsuppressiva verbunden, denn erst die medikamentöse Unterdrückung der Abstoßungsreaktion im Körper des Empfängers ermöglichte die guten Erfolgsraten, die heute nach Organverpflanzungen verzeichnet werden.

Die Idee, fehlende Körperteile oder schwer geschädigte Organe durch Transplantation zu ersetzen, übte auf die Menschen seit jeher große Faszination aus. Zahlreiche Sagen, Mythen und Legenden, die bis in das Jahr 500 v. Chr. zurückverfolgt werden können, berichten von Organ- und Gewebeübertragungen. Der Legende nach sollen die beiden Schutzheiligen der Medizin, Cosmas und Damian, im 3. Jahrhundert nach Christus einem weißen Missionar, der sein Bein verloren hatte, erfolgreich das Bein eines Schwarzen verpflanzt haben.

Im 17. und 18. Jahrhundert gab es Versuche, zerstörte menschliche Haut durch Gewebe von Tieren zu ersetzen bzw. Transplantationen von Zähnen, Sehnen etc. durchzuführen. 1863 beschrieb Paul Bert, dass Transplantate häufig abgestoßen werden.

Die eigentliche Entwicklung und klinische Anwendung von Organtransplantationen fand jedoch erst im 20. Jahrhundert statt, nachdem die Narkoseverfahren verbessert und Methoden der Antisepsis (Abtötung krankmachender Keime im Operationsgebiet) eingeführt worden waren.

1902 führte der Chirurg Emmerich Ullmann in Wien die erste technisch gelungene Nierentransplantation bei einem Hund durch. 1908 erwies sich die Transplantation von Eigenorganen bei einem Hund als erfolgreich – das Tier überlebte mehrere Jahre. Alle anderen Experimente, Organe zwischen genetisch unterschiedlichen Tieren zu verpflanzen, misslangen aufgrund der einsetzenden Abstoßungsreaktionen.

1933 wagte der ukrainische Chirurg Voronoy die erste Nierenübertragung von Mensch zu Mensch, die jedoch aufgrund der nicht zu beeinflussenden Gewebeunverträglichkeit scheiterte.

1954 gelang Joseph Murray in Boston die erste erfolgreiche Nierentransplantation zwischen eineiigen Zwillingsbrüdern. Spender und Empfänger wiesen in diesem Fall also identisches Gewebe auf, weshalb der Empfänger nach der Transplantation keinerlei Gesundheitsprobleme hatte. Dieser Fall verdeutlichte, dass eine erfolgreiche Organtransplantation bei unterschiedlichen Gewebsmerkmalen nur durch eine Unterdrückung der Abstoßungsreaktionen möglich ist.

Anfang der 1960-er Jahre wurden medikamentöse und biologische Verfahren zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktion entwickelt. So gelang es 1960 experimentell, mit dem Immunsuppressivum Azathioprin die Abstoßung eines Nierentransplantats zu hemmen. In den Jahren 1962 bis 1982 bildeten Azathioprin und Kortikosteroide (“Kortison”) die Basis der immunsuppressiven Behandlung.

Dr. Christian Barnard

Dr. Christian Barnard

1967 führte Christian Bernard in Kapstadt die erste erfolgreiche und von den Medien viel beachtete Herztransplantation durch. Der Patient überlebte 18 Tage und starb dann an einer schweren Infektion. Im selben Jahr gelang Thomas Starzl die erste erfolgreiche Lebertransplantation.

Mit der Einführung des immunsuppressiven Medikaments Ciclosporin im Jahr 1983 konnte die Transplantationsmedizin einen weiteren Fortschritt verzeichnen.

1985 wurde in den USA erstmals eine gesamte Lunge erfolgreich transplantiert, 1988 führte Rudolf Pichlmayr in Hannover die erste Teilleber-Transplantation (split-liver) in Deutschland durch (Teilung einer Spender-Leber und Übertragung auf zwei Empfänger).

Heute sind Organübertragungen – vor allem die Transplantation von Nieren – etablierte Behandlungsverfahren und moderne Immunsuppressiva wie z.B. Mycophenolatmofetil tragen wesentlich dazu bei, dass das Spenderorgan im Körper des Empfängers über viele Jahre hinweg gut funktionieren kann.