Interview Hagen Pfundner


Auf dem Weg zur Präzisionsmedizin:

Wie Roche digitale Technologien für eine neue Ära in der Krebstherapie nutzt

Denken Sie an drei Menschen, die Ihnen wirklich nahestehen – und an sich selbst. Einer davon wird – zumindest nach heutiger Statistik – an Krebs sterben. Für rund eine halbe Million Menschen, die allein in Deutschland jedes Jahr neu an Krebs erkranken, bedeutet die Diagnose damit vor allem eins: Lebensgefahr. Wahr ist aber auch: Die Krebssterblichkeit ist seit den 90er Jahren um ein Viertel gesunken. Stärkere Prävention, präzisere Diagnostik, wirksamere Medikamente – viele Faktoren haben dazu beigetragen, dass Krebspatienten heute länger und besser leben. Und die Chancen auf weitere Durchbrüche waren nie größer als heute.

Längst nicht mehr nur Chemo

Voraussetzung für die jüngsten Fortschritte in der Krebstherapie ist ein immer tieferes Verständnis der Erkrankung selbst. Die Wissenschaft ist sich heute einig: Jeder Krebs ist anders, jede Krebserkrankung verläuft individuell. So sind mittlerweile mehrere Hundert Genmutationen bekannt, die bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Krebs eine Rolle spielen können. Jede dieser Mutationen ist ein potentielles Angriffsziel für eine zielgerichtete Krebstherapie. Und das Arsenal der Ärzte hat sich längst erweitert: Neben der klassischen Chemotherapie können sie heute immer häufiger auf Arzneimittel zurückgreifen, die hochpräzise genau die Schaltstellen blockieren, die der Krebs für sein Wachstum nutzt, während gesunde Zellen weitgehend verschont bleiben.
Dazu zählen auch Krebsimmuntherapien ( mehr zu Roche in der Krebsimmuntherapie), die seit wenigen Jahren eine ganz neue Behandlungsstrategie eröffnen: Sie aktivieren und nutzen die körpereigene Immunabwehr gegen den Krebs. Und die Therapien werden immer genauer, immer präziser an einzelne Patientengruppen angepasst. Schon liegen erste vielversprechende Ergebnisse zu sogenannten Krebsvakzinen vor – Immuntherapien, die individuell für jeden einzelnen Patienten hergestellt werden. Personalisierte Medizin lautet das Stichwort: Für jeden Patienten die passende Therapie zum richtigen Zeitpunkt.

Vorreiter der Personalisierten Medizin

Die Krebstherapie ist seit Jahren der Vorreiter im Bereich der Personalisierten Medizin. Bislang sind personalisierte Therapien zwar nur für eine Minderheit der Patienten verfügbar, doch der Fortschritt in diesem Bereich gewinnt zunehmend an Tempo. So hat alleine Roche, als führendes Unternehmen in der Onkologie, im laufenden Jahrzehnt sechs personalisierte Krebstherapien eingeführt. Unter anderem gegen spezielle Formen von Brust- und Lungenkrebs. „Und das ist nur der Anfang“, betont Professor Dr. Hagen Pfundner, Vorstand der Roche Pharma AG. „Wenn wir über Branchengrenzen hinweg unser Wissen, unsere diagnostischen, medizinischen und technologischen Möglichkeiten, gemeinsam in die Waagschale werfen, kann eine hochpräzise Therapie in absehbarer Zukunft für die meisten Krebspatienten Realität werden – und das auf einem ganz neuen Level.“

Onkologie wird smart

Der technologische Fortschritt erweitert die Möglichkeiten der Krebsforschung beinahe täglich. Mittels moderner Analyseverfahren, der automatisierten Gensequenzierung, lässt sich heute von jedem einzelnen Tumor innerhalb kürzester Zeit ein individuelles Profil, quasi der Fingerabdruck der Erkrankung, erstellen. Für den einzelnen Patienten können die Ergebnisses eines solchen Tumorprofils, wie es beispielsweise vom Roche-Partner Foundation Medicine angeboten wird, richtungsweisend für die Auswahl einer zielgerichteten Therapie sein. Für die Forschung ist jedes einzelne Tumorprofil ein wertvolles Mosaiksteinchen. Denn digitale Technologien ermöglichen es heute, die Unmengen von Daten aus hunderten oder gar tausenden Tumorprofilen miteinander zu verknüpfen, zu ordnen und somit letztlich smart und nutzbar zu machen. Mit jedem Datensatz wird das Bild von Krebs – in all seinen Facetten – schärfer und es ergeben sich neue Ansatzpunkte für die Erforschung neuer Behandlungsstrategien. „Mit der Kombination aus medizinisch-pharmazeutischer Expertise und modernsten Informationstechnologien haben wir heute die Chance, einen echten Paradigmenwechsel in der Krebstherapie zu erreichen“, so Pfundner. „Wenn wir alle – Ärzte, Wissenschaftler, Kostenträger, Gesetzgeber und die forschenden Pharmaunternehmen – den gemeinsamen Willen aufbringen, können wir heute den Grundstein dafür legen, dass in Zukunft kein Patient mehr an Krebs stirbt.“

Auszug aus: "Zukunft der Krebsmedizin", Verlagsspecial Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Sep. 2018
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