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Relevante Vorhaben im Gesundheitsbereich auf EU-Ebene

Neben der Wahl langfristiger Schwerpunkte, koordiniert und leitet der Vorsitz des EU-Rats die Beratungen zu laufenden und neuen gesetzgeberischen sowie nicht-gesetzgeberischen EU-Vorhaben in den Gremien auf EU-Ebene.  Hier greifen wir relevante Meldungen zu aktuellen Arbeitsprozessen auf.

Nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie wurde im Mai das Arbeitsprogramm der EU-Kommission für das Jahr 2020 neu angepasst. Dieses hat inhaltlich wichtige Auswirkungen auf die deutsche EU-Ratspräsidentschaft. Es enthält die Ankündigung eines Europäischen Plans zur Krebsbekämpfung (Europe’s Beating Cancer Plan) und einer EU-Pharmastrategie (Pharmaceutical Strategy). Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) wird den bereits begonnenen Erarbeitungsprozess des Krebsplans sowie die Ausarbeitung der langfristigen EU-Pharmastrategie während der deutschen Ratspräsidentschaft konstruktiv begleiten und unterstützen. Auch Roche unterstützt die Prozesse mit eigenen Stellungnahmen. 

Hier finden Sie konkreten Positionen von Roche zu den gesundheitspolitischen Arbeitsprozessen des aktuellen Ratsprogramms. Darüber hinaus greifen wir wissenswerte Neuigkeiten aus der deutschen EU-Ratspräsidentschaft für Sie auf. 

Testen Sie Ihr Wissen! Quiz zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft

EU4Health 2021 -2027: Eine Vision für eine gesündere Europäische Union

EU-Kommission

Das EU-Gesundheitsprogramm EU4Health wird ab 2021 Maßnahmen von EU-Ländern, Gesundheitsorganisationen und Nichtregierungsorganisationen finanzieren, die die Gesundheitsversorgung innerhalb der Europäischen Union verbessern.

Das Programm soll einen wesentlichen Beitrag zur Erholung nach der COVID-19-Pandemie leisten, indem insbesondere die Belastbarkeit der Gesundheitssysteme und Innovationen im Gesundheitssektor gefördert werden.

Neben der Krisenvorsorge und der Krisenreaktion soll das Gesundheitsprogramm auch langfristige Herausforderungen für die Gesundheitssysteme angehen.

Mit EU4Health werden drei allgemeine Ziele verfolgt:

1. Verbesserung der Krisenmanagementkapazitäten: Menschen in der EU sollen besser vor schweren grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren geschützt werden.

2. Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von Arzneimitteln ausbauen: Dies schließt Medizinprodukte und anderen krisenrelevante Produkte, sowie die Förderung von Innovationen ein.

3. Stärkung der Gesundheitssysteme und des Personals im Gesundheitswesen: Unter anderem durch Investitionen in die öffentliche Gesundheit, z. B. über Programme zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention und zur Verbesserung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung.

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Roche Stellungnahme zur Pharmastrategie der EU-Kommission

Pharmastrategie

Die Lösungen der Gesundheitsbranche werden immer individueller und integrierter mit zunehmendem Heilungspotenzial. Um sicherzustellen, dass Europa von diesem Fortschritt profitiert, müssen wir den erheblich verschärften Wettbewerb um Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion im Bereich der Biowissenschaften sowie die Bedeutung der Sicherung des Zugangs zu Innovationen erkennen und darauf reagieren. Heute geben die USA und China mit speziellen Programmen das Tempo vor, um innovative personalisierte und integrierte Pilotprojekte für Gesundheitslösungen zu fördern, Investitionen anzuziehen und die Bereitschaft für den Zugang der Patienten zu gewährleisten. Darüber hinaus haben beschleunigte US-Regulierungspfade in Verbindung mit frühzeitigen Deckungsmechanismen die Kluft zwischen den USA und der EU in Bezug auf den Patientenzugang vergrößert. 

Wir begrüßen zwar die starke Konzentration der Kommission auf die Gesundheit, schlagen aber vor, diese wachsenden Probleme durch eine ehrgeizige gemeinsame Vision anzugehen: "Europa bis zum Ende des Jahrzehnts wieder zu einem globalen medizinischen Innovationsmotor zu machen, der den Patienten in der EU mehr Nutzen für die Gesundheit bringt und gleichzeitig die Gesamtkosten für die Gesellschaft senkt und die Wirtschaft stärkt".

Die Verwirklichung dieser Vision erfordert, dass wir uns die neuesten Erkenntnisse zu eigen machen und die derzeitige Pharmastrategie zu einer langfristigen Innovationsstrategie für die Gesundheitsversorgung ausbauen, die Systeme über Krisen hinaus zukunftssicher macht, kontinuierliche Forschungsinvestitionen anzieht und medizinische Innovation belohnt.

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Europäische Gesundheitsversorgung und EU-Pharmastrategie: Interview mit Professor Dr. Hagen Pfundner

Prf. Dr. Pfundner

Hagen Pfundner ist Vorstand der Roche Pharma AG. Er ist Mitglied des Präsidiums des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) sowie Honorarprofessor der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau.

Im Interview spricht er über seine Vision für die europäische Gesundheitsversorgung, die Pharmastrategie der Europäischen Union (EU) und die Chancen und Hürden, die es für die EU zu meistern gilt.

Die Covid-19 Pandemie hat einige Grenzen unseres Gesundheitssystems aufgezeigt. Herr Professor Pfundner, was sind nach Ihrer Meinung die wichtigsten Erkenntnisse aus der Krise?

Eine wichtige Erkenntnis ist zunächst einmal, dass wir in Deutschland ein robustes Gesundheitssystem haben und dass vieles möglich ist, wenn alle Beteiligten - die zuständigen Behörden, die Politik, die Ärzteschaft, die Kliniken, die Labore und die industrielle Gesundheitswirtschaft - an einem Strang ziehen.      

Gleichzeitig hat uns die Pandemie die Bedeutung des “Dreiklangs” aus Diagnostik, medikamentöser Behandlung und datengestützter Medizin als Grundlage einer modernen Gesundheitsversorgung vor Augen geführt. Man könnte sogar sagen, dass COVID-19 ein Turbo für die oft als bedrohlich wirkende Digitalisierung in Deutschland und Europa werden könnte - und hiermit meine ich nicht nur die Corona-Warn-App:

Die Zeit, die ein Arzt jetzt benötigt, um ein Bild von einer mit COVID-19 erkrankten Lunge zu erhalten, ist mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) von 30 auf fünf Minuten gesenkt worden. Intelligente Software unterstützt mittlerweile die Ärzte oftmals fachübergreifend im Kontext von Fallbesprechungen und so genannte „Clinical Decision Support Apps“ unterstützen die therapeutische Entscheidungsfindung für den individuellen Patienten.

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