Ein Goldgräber im Laborkittel

Mehr als 200.000 Patienten in Deutschland ermitteln mit Hilfe von Roche CoaguChek ihre Gerinnungswerte selbst. Das ist denkbar einfach: ein kleiner Pieks in die Fingerkuppe genügt. Wohl kein anderer hat sich so um die Verbesserung der Produktionsprozesse des für die Patienten so wichtigen Teststreifen verdient gemacht wie Jürgen Schwab. Seine Arbeit vergleicht er dabei mit der eines Goldgräbers.

Direkter Einkauf

Bei der Verbesserung der Produktionsprozesse gilt es an vielen Stellschrauben zu drehen.

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Jürgen Schwab ist ein freundlicher Mann, der die leisen Töne bevorzugt. Wenn er spricht, wirkt er zurückhaltend, fast ein bisschen verhalten. Doch was er sagt, hat Gewicht. Kein Wunder: Seiner Arbeit ist es maßgeblich mit zu verdanken, dass es die Diagnostics-Produktion in den vergangenen Jahren geschafft hat, die Herstellkosten der CoaguChek-Teststreifen zur Gerinnungsmessung um fast 80 Prozent zu senken. Die Wertschätzung, die ihm seine Kollegen heute entgegenbringen, hat sich Jürgen hart erarbeitet. „Als ich 2009 aus der Entwicklungsabteilung in die Produktion gewechselt bin, schlug mir erst einmal ein gewisses Mißtrauen entgegen“, erinnert er sich. „Läuft doch alles, wieso kommt da jetzt einer, der die Dinge verändern will“, hieß es häufig. Erstes Vertrauen gewinnt er, als es ihm und seinem Team gelingt, die Geschwindigkeit des bei der Streifenproduktion eingesetzten Beschichtungsprozesses ohne Qualitätsverluste fast zu verdoppeln und als bei der systematischen Beseitigung der Anlagenstörungen die ersten deutlichen Kostenreduzierungen bei der Herstellung sichtbar wurden.

Maximilian Nitsch am PC

Bereits seit über 30 Jahren arbeitet Jürgen Schwab bei Roche.

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Seitdem hat der akribische Arbeiter rund 20 Projekte zur Verbesserung des Produktionsprozesses umgesetzt und die Material-Ausbeute von knapp 43 Prozent fast verdoppelt. Allein die dadurch eingesparten Materialkosten belaufen sich auf jährlich rund 15 Millionen Euro, schätzt Jürgen Schwab. Vor allem eine von ihm etablierte Effizienzrunde erweist sich schnell als Schlüssel zum Erfolg. Die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Unternehmensbereichen sammeln Ideen, priorisieren sie und entwickeln unter seiner Anleitung Konzepte, die die Voraussetzungen und Auswirkungen der einzelnen Verbesserungsvorschläge abbilden. Denn: Eine Veränderung will gut durchdacht sein, wirkt sie sich doch häufig auf den ganzen Produktionsprozess aus.

Reagenzien-Produktion
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Innerhalb von drei Tagen kann eine Anlage 1,8 Millionen Teststreifen produzieren – das entspricht einer Charge. Dafür, dass alle Blutproben gleichmäßig schnell vom Teststreifen aufgenommen werden können, sorgt eine beschichtete Folie mit hydrophiler Oberfläche, an deren Entwicklung Jürgen Schwab und sein Team - vom ersten Entwurf bis zur Einsatzreife - maßgeblich beteiligt waren.

Reagenzien-Produktion

Jürgen Schwab und sein Team tragen Sorge dafür, dass die Patienten die Messungen in gewohnter Qualität durchführen können.

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Eine Idee, die zwar Kosten spart, aber die Qualität beeinträchtigt, ist zum Scheitern verurteilt. Seine Verbesserungsvorschläge sind nicht immer von Erfolg gekrönt. Eher im Gegenteil. „Man macht den Job nicht lange, wenn man keine Enttäuschung wegstecken kann“, sagt er. Man dürfe sich eben nicht entmutigen lassen. Die Teststreifen-Produktion vergleicht er schmunzelnd mit einem Fluss: „Die verwendeten Materialien, – das sind die Quellen, die Anlagen und die Prozesse der Fluss-Verlauf. Die Untiefen, Schmalstellen und Strudel sind die Schwachstellen, die wir mit unseren Ideen und unserem Können verbessern. Und das Meer, in das der Fluss mündet – das ist der Markt, den wir mit unseren Produkten mit definierter Qualität beliefern.“

Enzymproduktion

Jürgen Schwab präsentiert im Labor das fertige Produkt – einen CoaguCheck-Teststreifen.

Jürgen Schwabs Erfolgsrezept für die Lösung komplexer Probleme ist kein Hexenwerk: „An kniffligen Ideen lasse ich am liebsten mein Unterbewusstsein arbeiten“, sagt er. „Oft fallen mir Lösungsansätze in ruhigen Momenten ein, beim Lesen eines Buches oder beim Wandern.“ Diese Ansätze entwickelt er dann weiter, holt sich im Austausch mit anderen neue Perspektiven. Bis sie schließlich reif für die Umsetzung sind.

Manufacturing

In seiner Freizeit tauscht Jürgen Schwab den Laborkittel mit dem Golfschläger.

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Entspannung findet der gebürtige Heidelberger auch beim Golfspielen, dem er spätestens seit einem berufsbedingten mehrjährigen Aufenthalt in den USA verfallen ist. Dass das Roche-Urgestein mit seinen über 30 Berufsjahren demnächst das Flipchart komplett durch den Golfschläger ersetzt, steht nicht zu befürchten. Und das ist gut so – denn die nächste Kostensenkungsrunde läuft. Eine Aufgabe, zu der Jürgen Schwab wieder seinen Beitrag leisten wird. Für die nächste Generation der Bessermacher wünscht er sich vor allem eines: das man Vertrauen in sie hat und ihnen Zeit gibt. Denn auch wenn nach elf Jahren die „verborgenen Goldadern“ im Unternehmen weniger geworden sind – es gibt sie nach wie vor. Dank der Arbeit von Jürgen Schwab sind sie aber sicherlich etwas schwieriger zu finden.

Die Suche nach Mitstreitern ist bis heute die Grundlage von Jürgen Schwabs Tätigkeit. „Ich brauche Menschen, die überhaupt erst einmal ein Problembewusstsein haben und eine Goldgräber-Mentalität entwickeln“, erzählt er.

Der Diplom-Ingenieur für Verfahrenstechnik, hat während des Studiums quasi nebenbei ein zweites Diplom in technischer Informatik erworben.

Der Ort des Geschehens – die Produktion: Grelles Licht der Neonröhren spiegelt sich im Edelstahl-Look der auf Hochglanz polierten Produktionsanlagen, die leise im Hintergrund summen. Ein klobiger kleiner Kasten, der in Form und Größe entfernt einem kleinen Bus ähnelt füllt den Raum aus. In seinem hochkomplexen Inneren werden in genau kontrollierten Abläufen die einzelnen Bestandteile des CoaguChek-Teststreifens miteinander verbunden.

Bei Optimierungsprozessen stehen Jürgen Schwab und seine Mitstreiter stets vor zwei zentralen Herausforderungen. Erstens: fast immer geschehen die Veränderungen bei laufendem Produktionsbetrieb. Zweitens: die Qualität des Produkts ist heilig. Der Supergau – ein Rückruf des Produkts – wird gefürchtet wie der Teufel das Weihwasser.

„Als ich 1998 geschäftlich in Kalifornien war, lud mich ein Kollege zum Mittagessen ein. Er kenne eine gute Location‘, die sich als das Clubhaus eines parkähnlichen, riesigen Golfplatzes herausstellte. Dort bekamen wir einen großen Hamburger, eine Dose Cola und 100 Bälle für die Driving Ranch – für fünf Dollar. Das wäre in Deutschland undenkbar.“

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