Unsere Zukunft

Dr. Ursula Redeker, Sprecherin der Geschäftsführung der Roche Diagnostics GmbH

Dr. Ursula Redeker (© Mike Meyer Photography)© Mike Meyer Photography

Mein Start bei Roche war 1994. Hatte ich damals darüber nachgedacht, in diesem Unternehmen einmal Mitglied der Geschäftsführung zu werden? Nein, ich hatte ganz andere Ziele, wollte neue Wege in der Forschung gehen. Da war ich wohl ganz Chemikerin. Mittlerweile liegen drei Jahre als Sprecherin der Geschäftsführung von Roche Diagnostics hinter mir. Und wie eine Chemikerin zu denken, kommt mir auch in dieser Funktion enorm zugute. Die Wechselwirkungen zwischen Entscheidungen sind mitunter schwer absehbar. Da hilft es, Hypothesen aufzustellen, jede von ihnen ein kurzer Blick in die Zukunft. Wie diese für Roche aussehen kann? Ein für mich naheliegendes Szenario: Fortschritt entsteht durch fortschreitende Vernetzung.

Gesundheitsversorgung der Zukunft

Das gilt zum Beispiel für die Gesundheitsversorgung. Die Menschen werden nicht nur immer älter, sondern auch zunehmend aktiver. Sie wollen ihre Gesundheit stärker selbst „managen“. Dabei können Diagnostika natürlich eine Schlüsselrolle spielen. Roche Diabetes Care etwa ermöglicht Patienten, dank verschiedener Apps ihre Erkrankung besser zu überwachen. In der Produktion stützt die digitale Vernetzung effizientere Produktionsabläufe, weil komplexe Prozesse automatisiert werden. Und das wiederum sichert eine gleichbleibend hohe Qualität unserer Produkte.

Die Digitalisierung ermöglicht uns zudem eine noch engere Verzahnung unserer Kernbereiche Pharma und Diagnostics, so dass wir derzeit eine neue Stufe der Personalisierten Medizin hin zu einer individualisierten Therapie erreichen. Eine Stufe, deren Fundament durch die Verfügbarkeit großer Datenmengen, zum Beispiel aus Diagnostik, klinischer Forschung und dem medizinischen Alltag, gelegt wird. Technologien wie Next-Generation-Sequencing werden uns die korrekte Identifizierung von Biomarkern ermöglichen.

Und über Auswertungen von digitalisierten Krankenakten und Datenbanken – im Übrigen anonymisiert oder pseudonymisiert – erlangen wir neue Erkenntnisse, die uns unserem Ziel näher bringen, jedem Menschen die Behandlung zu ermöglichen, die auf seine spezifische Erkrankung hin maßgeschneidert ist. Und auch die Prävention von Krankheiten kann mithilfe gesundheitsbezogener Daten auf die nächste Ebene gelangen.

Funktionierende Schnittstellen

Doch neue Durchbrüche erzielen wir nur dann, wenn unsere Mitarbeitenden nicht in althergebrachten Konstrukten verharren. Klassische Zuständigkeiten müssen überdacht werden, crossfunktionale Strukturen gewinnen an Bedeutung. Meine Überzeugung: Ein Projekt sucht sich die Menschen, die es braucht, unabhängig von Hierarchien oder Organisationseinheiten. Wir benötigen eine Struktur, die wie ein neuronales Netz funktioniert.

Dieses verknüpft sich einmal stärker nach links, ein anderes Mal stärker nach rechts. Unsere Mitarbeitenden – sozusagen die Synapsen des Netzes – halten die Verbindungen aufrecht, indem sie Verantwortung übernehmen. Wir schaffen ihnen den Entfaltungsraum dafür – durch eine permanente Qualifizierungsoffensive, Vertrauensarbeitszeit oder lebensnahe Jobmodelle.

So können wir sie auch auf anderen Ebenen beteiligen. An unseren deutschen Standorten kann unsere Belegschaft im Rahmen des sogenannten kontinuierlichen Verbesserungsprogramms Ideen für ein nachhaltiges Arbeitsumfeld beisteuern. Von den gut 3000 Einreichungen im letzten Jahr bezog sich beispielsweise eine große Anzahl auf den Bereich Umwelt. Die Umsetzung neuer Projekte bedeutet hier dann idealerweise neue Verknüpfungen in unserem „neuronalen Netz“. Alle sollen mitgestalten: der leidenschaftliche Umweltexperte genauso wie die nüchterne Chemikerin.