Ein rundum guter Gesamteindruck

Jasmin Dietsche (© Mike Meyer Photography)© Mike Meyer Photography

Bevor Roche untersuchte, ob es auch in puncto Nachhaltigkeit die Anforderungen an einen modernen Forschungs- und Produktionsstandort erfüllt, hatte das Unternehmen seine wirtschaftliche Bedeutung für Deutschland ermittelt. Die Ergebnisse zeigen einen Leistungsträger, der nicht nur seine eigene Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärkt.

Ihren ersten Tag in Grenzach-Wyhlen bezeichnet Jasmin Dietsche als „kompletten Kulturschock“. Mit dem kleinen öffentlichen Forschungsinstitut, aus dem sie zu Roche gewechselt war, hatten die Strukturen des Großkonzerns wenig gemein. „Allein diese vielen Abkürzungen: Wie könnte ein Mensch damit etwas anfangen?“ In den nächsten Minuten wird sie selbst nicht mit Akronymen geizen – schließlich gehören sie in der kurzformlastigen Welt des Controllings zum festen Sprachgebrauch.

„Ich liebe meinen Job, weil ich mich hier komplett selbst organisieren kann“, betont sie. „Mein Chef fördert das. Er macht mir keine strikten Vorgaben zur Arbeitsweise, sondern möchte die richtigen Ergebnisse sehen.“ Die liefert Jasmin Dietsche seit nunmehr knapp sieben Jahren verlässlich. Im Medical- und Produkt-Marketing kam sie das erste Mal mit Kostenstellen, Forecastplanung und Umsätzen in Berührung. „Die damalige Leiterin unseres Business-Unit-Controllings fragte mich, ob ich mir nicht einen Quereinstieg vorstellen könnte, und legte mir die CA controller akademie nahe.“

Direkte ökonomische Effekte

Hier lernte Jasmin Dietsche die Grundlagen – den Großteil ihres Wissens aber erarbeitete sie sich „on the Job“. 2010 nahm sie sich dann des großen volkswirtschaftlichen Zusammenhangs an, in dem ihr Arbeitgeber operiert. Roche hatte das unabhängige Forschungsinstitut WifOR damit beauftragt, den „ökonomischen Fußabdruck“ des Unternehmens zu ermitteln. Die Fragen: Wie stärkt ein forschender Arzneimittelund Diagnostikhersteller seine eigene Wettbewerbsfähigkeit?

Welchen Beitrag leistet das Unternehmen für die Volkswirtschaft sowie für Bund, Land und Kommunen? Zahlenbelege waren gefragt. Jasmin Dietsche war maßgeblich an der aufwändigen Datensammlung beteiligt – gemeinsam mit ihren Mannheimer Kollegen Frank Kurzschenkel und Frank Lutz. Selbst Lutz, Leiter der Abteilung Company Controlling bei Roche Diagnostics und bereits seit 1991 am Standort an der Sandhofer Straße beschäftigt, betrat hier Neuland. „Wir sind im Wesentlichen verantwortlich für Management-Accounting- und Transfer-Pricing-Themen, internes und Group-Reporting.

Insofern haben wir mit vielen Finanzkennzahlen zu tun, doch einen derart ganzheitlichen Eindruck von unserer Geschäftstätigkeit und deren Bedeutung für die Gesamtgesellschaft in Deutschland hatten wir bisher nicht im Fokus.“ Zunächst ging es um die direkten Effekte, die das Unternehmen auf die deutsche Volkswirtschaft hat. „Relevant waren hier Daten zu unseren Beschäftigtenzahlen, unseren Steuerabgaben oder unserem Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt, die sogenannte Bruttowertschöpfung“, so Lutz. Anhand Letzterer – 2014 immerhin 2 Milliarden Euro – ließ sich feststellen, wie nachhaltig Roche wirtschaftet. Beispielsweise, indem man den Anteil berechnete, den Investitionen haben. Wer investiert, denkt an die Zukunft. Daher steht eine hohe Quote für Nachhaltigkeit. Bei Roche ist die Investitionsintensität überdurchschnittlich hoch.

Indirekte ökonomische Effekte

Doch wirtschaftliche Nachhaltigkeit zeigt sich ebenso am Einfluss, den ein Unternehmen auf andere hat. Frank Lutz erklärt: „Wenn etwa die Rede von indirekten ökonomischen Effekten ist, dann schauen wir auf unsere Lieferanten. Wie hoch ist die Bruttowertschöpfung, die unsere Auftragsvergabe bei unseren Dienstleistern erzeugt? Wie viele Arbeitsplätze hängen von der Zusammenarbeit mit uns ab?“ Gerade im Rhein-Neckar-Raum gilt Roche nicht nur als ein Fixpunkt für Forschungsinstitutionen, sondern auch für eine Vielzahl von Zulieferern unterschiedlicher Branchen.

Das zeigt der Bau des „Modular Production Buildings Mannheim“, an dem circa 160 Unternehmen beteiligt waren, viele von ihnen aus der hiesigen Region. Insgesamt kamen 2014 zu den 1,3 Milliarden Euro an direkten Arbeitnehmerentgelten an den deutschen Standorten noch einmal 570 Millionen Euro für die Angestellten von Lieferanten hinzu, deren Arbeit von einer Partnerschaft mit Roche- Geschäftsbereichen abhängt.

Induzierte ökonomische Effekte

Womit ein weiterer Schwerpunkt, die sogenannten induzierten Effekte, näher beleuchtet wird. „Unsere Kollegen und die Mitarbeiter unserer Dienstleister investieren natürlich einen Teil ihres Einkommens“, sagt Frank Kurzschenkel. „Dadurch nehmen sie positiv Einfluss auf die Bruttowertschöpfung und die Arbeitsplätze in Supermärkten, Restaurants oder auch Sportclubs – kurz gesagt, in Unternehmen, die kein Teil der Roche-Lieferkette sind“, so Kurzschenkel. „Und wie Roche und seine Dienstleister führen diese Unternehmen Steuern an den deutschen Staat ab – die Gesellschaft profitiert also ebenfalls.“ Wer bei Roche in Grenzach-Wyhlen sein Geld verdient, muss nur wenige Meter laufen, um induzierte Effekte zu erleben. Das Premio Autohaus Kaufmann entstand einst mit dem Hintergedanken, den Mitarbeitern von Roche schnelle Kfz-Reparaturen zu ermöglichen. Jasmin Dietsche hat hier noch nie angehalten. „Ich fahre fast jeden Tag mit der Bahn nach Grenzach-Wyhlen.“ Seit mehr als zehn Jahren. Auch eine Möglichkeit, induzierte Effekte auszulösen.