Nie allein auf weiter Flur

Wie behandelt ein Unternehmen seine Mitarbeitenden respektvoll? Was kann es von seinen Angestellten erwarten? Carolina Martinez Echeverria, Leiterin Human Resources bei der Roche Pharma AG, lässt sich bei ihren Antworten nicht zuletzt vom eigenen Büro inspirieren.

Carolina Martinez Echeverria, Leiterin Human Resources bei der Roche Pharma AG,

Grenzen haben einen besonderen Platz in meinem Leben und doch nie eine wirkliche Rolle gespielt. Ich wuchs im baskischen Irún auf, ging jedoch in der französischen Nachbarstadt zur Schule. Von Roche in Spanien zog es mich nach Basel, eine Stadt zwischen drei Ländern, die internationaler kaum sein könnte. Von hier aus wagte ich erneut den Schritt über die Grenze. Einen Steinwurf von Basel entfernt will ich sicherstellen, dass unsere Mitarbeitenden täglich Wertschätzung erfahren. Das heißt vor allem: Ich will Grenzen in den Köpfen der Menschen abbauen oder gar nicht erst entstehen lassen.

Meine Inspiration dafür finde ich jeden Tag in „Bau 10“. Ein hochmodernes, lichtdurchflutetes Gebäude, in dem sich unser Team ein offenes Büro teilt – keine langen Korridore, keine kahlen Räume, keine Mauern. Es steht für einen Wert, der unabdingbar für eine respektvolle Personalführung vorbei an starren hierarchischen Grenzen ist: Transparenz. Dieser Grundsatz bedeutet nicht, dass man Interna preisgibt.

Offene Kommunikation

Transparenz heißt, das Warum einer Entscheidung erklären zu können. Manche Maßnahmen – wie zum Beispiel notwendige Restrukturierungen – erschließen sich nicht von allein. Aber ich habe den Anspruch, die Überlegungen hinter jedem Schritt nachvollziehbar zu vermitteln. Das gilt im Großen ebenso wie in meinem „Mikrokosmos“ in Bau 10.

Hier, im Erdgeschoss, soll sich auch niemand „allein auf weiter Flur“ fühlen. Gibt es Fragen oder Probleme, sind die hilfsbereiten Kollegen nicht weit und verkörpern damit einen weiteren Grundpfeiler von Wertschätzung und Fairness: Partnerschaft. Nehmen Sie etwa das Zusammenspiel mit unserem Betriebsrat: Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung. Allerdings wissen wir um unser gemeinsames Ziel, tragfähige Lösungen zu finden, und hören einander zu. Ich handle nach dem Leitsatz „Fest in der Sache, kollegial im Umgang“. Und über die Jahre habe ich gemerkt, dass unser Betriebsrat dieses Credo ebenso lebt.

Flexible Arbeitszeiten und Kennenlernen

Durch unseren kontinuierlichen Austausch haben wir bereits vieles möglich gemacht: flexible Arbeitszeitmodelle, die sich an Lebenssituationen orientieren, unsere Kita „IdeenReich“, die nach ihrer Gründung 2012 gerade erweitert wird. Aber vielleicht sind es gerade die Initiativen mit weniger zählbaren Effekten, durch die Roche das Partnerschaftliche verkörpert.

Bei unserem „Appetizer“, einer Art Blind Date zum Mittagessen, lerne ich beispielsweise andere Berufsfelder und Bedürfnisse kennen. Zudem ist unser Team regelmäßig bei den Auftaktveranstaltungen der Kollegen im Außendienst. Wenn es meine Zeit erlaubt, begleite ich Fachreferenten zu ihren Fachgesprächen in Arztpraxen. Wir wollen wissen, wer zehntausende Kilometer pro Jahr für Roche unterwegs ist. Und wir wollen wissen, wer in Praxen und Krankenhäusern unsere Ansprechpartner sind. Denn nur, wen wir verstehen, dem können wir ein guter Partner sein.

Bei Feedbackgesprächen Initiative zeigen

Eine neue Initiative für mehr Partnerschaft ist unser Reverse Mentoring, bei dem die Management-Ebene von den Jüngeren lernt. Dadurch öffnen sich den Erfahrenen neue Perspektiven. Ein junger Mensch, der einem Manager offen und auf Augenhöhe begegnet, verkörpert genau das, was wir von unseren Mitarbeitenden erwarten: Verantwortung zu übernehmen. Auch deshalb setzen wir auf Vertrauensarbeitszeit. Die Personalabteilung kann nicht abschätzen, wie viel Zeit ein Produktmanager mindestens für ein Projekt aufwenden muss.

Ebenso wenig wollen wir unseren Kollegen allerdings die Zukunftsplanung abnehmen. Wir haben hier eine lebendige Feedbackkultur, und es geht darum, dass der Vorgesetzte nicht einfach eine Anleitung für den nächsten Karriereschritt gibt – wir wollen, dass auch die Mitarbeitenden stark für sich selbst entscheiden und mitteilen, wo sie gerne hinmöchten. Der eine meint, in seinem aktuellen Job noch nicht fertig zu sein, die andere hat das Gefühl, sie kann in einer neuen Position mehr bewegen. Beide haben den Anspruch, nachhaltig zu gestalten.

Und diesen Anspruch wird Roche immer fördern. Ich spreche aus eigener Erfahrung: Als ich mich damals auf meine aktuelle Stelle bewarb, hatte ich noch keine Erfahrung als HR-Leiterin in einer Länderorganisation. Meine Muttersprache war Spanisch, nicht Deutsch. Doch in Grenzach-Wyhlen glaubte man an mich – und gab mir die Chance, die nächste Grenze hinter mir zu lassen.