Hochsensitiver Mykobakterien-Nachweis

Artikel aus Diagnostik im Dialog (Ausgabe 59)

[Produkte & Services] Mykobakterien aus dem sog. Mycobacterium tuberculosis-Komplex sind die Verursacher der Lungentuberkulose – einer der weltweit häufigsten Infektionskrankheiten. Bei insgesamt geringen Fallzahlen in Deutschland stieg die Inzidenz der Erkrankung mit der großen Anzahl Geflüchteter im Jahr 2015 auf einen vorläufigen Höchststand und lag nach den Erhebungen des Robert Koch Instituts auch 2017 noch auf einem höheren Niveau verglichen mit den Jahren vor 2015.1 Wegen der großen Ansteckungsgefahr der offenen Tuberkulose sollten infizierte Patienten möglichst frühzeitig diagnostiziert, isoliert und therapiert werden. Seit Ende 2018 ist auf den cobas® 6800 und 8800 Systemen ein hochsensitiver MTB-Test verfügbar.

Der qualitative cobas® MTB Test detektiert auf Basis der Real-Time-PCR die DNA von Mykobakterien, die zum Mycobacterium tuberculosis-Komplex gehören (10 Mitglieder). Für den Nachweis eignen sich respiratorische Humanproben wie NALC-NaOH-behandeltes Sputum bzw. Bronchiallavage sowie unbehandeltes Sputum.2

Das Verfahren des cobas® MTB Testes erreicht mit einer Nachweisgrenze von 0,9–8,8 CFU/ml (abhängig von Spezies und Probenmaterial) eine sehr hohe Sensitivität.2 Grundlagen dafür sind der chemische, enzymatische und physikalische Aufschluss von Mykobakterien und Probenmatrix sowie die selektive Dual-Target-Amplifikation der 16S-rRNA- und der multicopy esx-Gene. Diese hohe Sensitivität ist ein deutlicher Vorteil gegenüber dem zwar schnellen, aber recht insensitiven Färbenachweis im Mikroskop mit der Gefahr falsch negativer Ergebnisse.

In einem Panel von 178 Bakterien, Pilzen und Viren führte keiner der Organismen zu einem falsch positiven Ergebnis, die analytische Spezifität des cobas® MTB Testes ist damit ebenfalls sehr hoch.2

Während bei Kulturansätzen die Wartezeit auf das Ergebnis bis zu mehreren Wochen dauern kann, liefert die vollautomatisierte Analyse auf den cobas® 6800/8800 Systemen bereits nach ca. drei Stunden den mittels diverser Kontrollen validierten PCR-Befund.2

Zwei zukünftige Mykobakterien-Tests, ebenfalls für die cobas® 6800/8800 Systeme, bieten weitere Möglichkeiten zur vollautomatisierten Tuberkulosediagnostik:

  • Nachweis von mykobakteriellen Resistenzen gegen die Antibiotika Rifampicin und Isonicotinsäurehydrazid (Isoniazid)
  • Nachweis von atypischen Mykobakterien als Verursacher tuberkuloseähnlicher Mykobakteriosen.

Glossar

  • CFU/ml (Colony forming unit/ml): Größe für die Quantifizierung von Bakterien, wenn die Zahl teilungsfähiger Zellen im Ausgangsmaterial über die Menge in Kultur gewachsener Kolonien bestimmt wird.
  • NALC-NaOH (N-Acetyl-L-cystein/NaOH): Lösung zur Verflüssigung des Probematerials und Abtötung der darin enthaltenen Bakterienflora. Mykobakterien überleben diesen Prozess.
  • 16S-rRNA-Gen: codiert für die kleine Untereinheit des prokaryotischen Ribosoms. Die Gene enthalten neben hochkonservierten auch hypervariable Regionen, mit denen Bakterien Spezies-spezifisch identifiziert werden können.
  • esx-Gene: liegen als Genfamilie in vielfacher Kopienzahl im Genom vor (multicopy). Die codierten Proteine werden sezerniert und schützen das Mykobakterium vor dem Immunsystem.
  • Mycobacterium tuberculosis-Komplex: Gruppe eng verwandter Spezies, die bei Menschen und Tieren krankheitserregend sind und überwiegend zur Lungentuberkulose führen.
  • Offene Tuberkulose: Entzündungsherd in der Lunge, den das Immunsystem im Gegensatz zur latenten Tuberkulose nicht vollständig unter Kontrolle bringen kann. Infizierte Personen setzen die Erreger beim Husten frei und gelten als hoch ansteckend.

 

Quellen

  1. Robert Koch Institut: Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2017. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/T/Tuberkulose/Archiv_Berichte_TB_in_Dtl_tab.html
  2. Packungsbeilage cobas® MTB Test 2018

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