Besser informiert mit CoVive – digitale Plattform für das COVID-19-Management

Artikel aus Diagnostik im Dialog (Ausgabe 64)

[Produkte & Services – Interview] Im April brachte "Medicus AI" in Partnerschaft mit Roche eine der ersten als Medizinprodukt zertifizierten digitalen Corona-Lösungen, CoVive, in die Appstores. CoVive ist eine Nutzer-zentrierte Plattform zur Risikostratifizierung, Testanforderung, Interpretation und Monitoring von Symptomen und Vitalparametern. Was CoVive kann, wie es Diagnostiklabore beim Testen unterstützt und wie es zur Partnerschaft zwischen Roche und Medicus AI kam, darüber sprachen Patrick Kammer, Product Manager Digital Diagnostics der Roche Diagnostics Deutschland GmbH, und Rafael Vartian, Head of Business Development DACH bei Medicus AI, im Interview mit der DiD-Redaktion.

CoVive – die umfassende digitale COVID-19-Lösung 

Die modular aufgebaute CoVive-Plattform bietet ihren Anwendern zahlreiche Funktionalitäten und die Flexibilität, diese für künftige Anwendungen noch zu erweitern. 

Merkmale von CoVive:

  • Risikoabschätzung, sich mit SARS-CoV-2 angesteckt zu haben
  • Unterstützung bei der Testbuchung 
  • Interpretation von Testergebnissen
  • Monitoring: Erfassung und Überwachung eines breiten Spektrums hochwertiger medizinischer Daten zur frühzeitigen Erkennung möglicher Komplikationen

DiD:
Herr Vartian, was kann CoVive und inwiefern leistet die Plattform einen Beitrag zum COVID-19-Management?

Vartian:
Wir haben CoVive entwickelt, damit Patienten in der Zeit der Corona-Pandemie besser informieren werden. CoVive schätzt das Infektionsrisiko des Benutzers ein. Besteht die Wahrscheinlichkeit einer Infektion, empfiehlt die App die Durchführung eines Tests. Wenn der Test durchgeführt wurde, bekommt der Anwender den Befund über CoVive zurückgespielt. Das Testergebnis wird basierend auf dem individuellen Profil des Benutzers personalisiert interpretiert – darin unterscheidet sich CoVive von den anderen Anbietern, die eine reine Befundübermittlung anbieten. Dabei ist die Plattform so konzipiert, dass sie modular einsetzbar ist. Das heißt je nach Bedürfnis des Labors oder der kooperierenden Institution kann die gesamte Lösung oder nur einzelne Funktionalitäten genutzt werden. Zudem wird die Plattform kontinuierlich an die sich wandelnden Bedürfnisse in der Pandemie angepasst und um Funktionalitäten erweitert. Beispielsweise erwarten wir im Herbst neben einer zweiten COVID-19-Welle auch ein erhöhtes Infektionsrisiko für Influenza. Viele Menschen werden sich bei Grippe-Symptomen fragen: "Was habe ich denn jetzt? Corona? Influenza? Oder eine normale Erkältung?". Hier kann CoVive dazu beitragen, die Unsicherheit der Patienten zu reduzieren, indem es Menschen hilft ihr Infektionsrisiko einzuschätzen, ihre Testergebnisse besser zu verstehen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Damit leistet die Lösung durch Aufklärung und Risikostratifizierung einen Beitrag zur Entlastung der Gesundheitssysteme. 

DiD:
Wer sollte CoVive in das COVID-19-Management integrieren?

Vartian:
Wir wenden uns mit CoVive in erster Linie an Diagnostiklabore, die Coronatests durchführen. Die Plattform lässt sich schnell und einfach in vorhandene Infrastrukturen integrieren. Der Endanwender kann sich die CoVive-App einfach aufs Handy herunterladen und erhält damit ein Tool zur Selbsteinschätzung, Information und Überwachung. Aber der Einsatz von CoVive ist auch in vielen anderen Einrichtungen sinnvoll, zum Beispiel in Unternehmen, Seniorenheimen, Flughäfen, Fluggesellschaften, Hotels und Restaurants. Gerade bei Superspread-Ereignissen könnte die Anwendung von CoVive helfen, das wahre Ausmaß des Ausbruches frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

DiD:
Wovon profitieren Diagnostiklabore, die CoVive einsetzen?

Kammer:
Diagnostiklabore profitieren auf zwei Ebenen, weil sie sowohl die Kundenerfahrung verbessern, also die ihrer Einsender und Patienten, als auch die logistischen Herausforderungen effizienter lösen. Mit CoVive können Testergebnisse zum Beispiel direkt vom LIS des Labors an den Arzt beziehungsweise den Patienten geschickt werden. Das macht den Prozess weniger fehleranfällig als eine manuelle Übertragung. Vor allem aber werden sämtliche Testergebnisse in Verbindung mit einer personalisierten Interpretation übermittelt. Das heißt: Der Patient wird befähigt, die eigenen Testergebnisse zu verstehen und Handlungen daraus abzuleiten. Diese Handlungsempfehlungen beruhen auf den von den örtlichen Behörden vorgegebenen Schutzmaßnahmen und Richtlinien. Außerdem ist CoVive effizient – das Labor spart durch den hohen Automatisierungsgrad viel Zeit, sei es bei der Erhebung relevanter Patientendaten im Vorfeld, der Koordination der Probenentnahme oder der Authentifizierung von Probanden.

Vartian:
CoVive ist bereits erfolgreich im Einsatz, beispielsweise nutzt die Fluggesellschaft Etihad Airways das Risiko Assessment von CoVive, um Fluggästen eine informierte Entscheidung über ihre geplanten Reisen zu ermöglichen. Bionext, das größte private Diagnostiklabor in Luxemburg, übermittelt täglich 2000 Testergebnisse über die CoVive Plattform. So haben bereits über 8 % der luxemburgischen Bevölkerung ihre Testergebnisse über CoVive erhalten. Negative Testergebnisse auf der CoVive-App werden am Flughafen von Luxemburg als Gesundheitsnachweis genutzt und akzeptiert. Ähnliche Erfolgsgeschichten wollen wir jetzt auch in Deutschland schreiben und suchen interessierte Partner, die diese Herausforderungen gemeinsam mit uns angehen.

DiD:
Wie und wann entstand die strategische Partnerschaft zwischen der Roche Diagnostics Deutschland GmbH und Medicus AI?

Kammer:
Als klar wurde, dass SARS-CoV-2 zu einer weltweiten gesundheitlichen Bedrohung wird, gingen wir auf die Suche nach digitalen Lösungen, die unser Diagnostik-Portfolio ergänzen und einen Beitrag zur weltweiten Aufgabe „Flattening the Curve“ leisten können. Mit der CE-markierten CoVive-Plattform des in Wien ansässigen Unternehmens Medicus AI, das sich auf digitale Konzepte für den Gesundheitsmarkt spezialisiert hat, haben wir eine sehr umfassende Lösung eines bereits etablierten Partners gefunden.

DiD:
Ist CoVive das erste gemeinsame Projekt von Roche und Medicus AI?

Kammer:
Wir durften Medicus AI bereits vor über zwei Jahren als innovatives Unternehmen im Rahmen des Accelerator-Programms STARTUP CREASPHERE kennenlernen. Das Programm ist eine gemeinsame Initiative von Roche, Plug and Play und Sanofi im Raum München. Seither arbeiten wir in mehreren Ländern als strategische Partner zusammen.
Auf der Suche nach einer digitalen Lösung für die Corona-Diagnostik haben wir zu Beginn der Pandemie neben der CoVive-Plattform von Medicus noch etwa 15 weitere digitale COVID-19-Systeme verschiedener Anbieter evaluiert. Wir haben uns für CoVive entschieden, weil es die umfangreichste und modularste Lösung von allen war. Es gibt zahlreiche regionale Einzellösungen für das Management von Gesundheitsdaten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. CoVive umfasst sehr viele Funktionalitäten, erlaubt aber auch die Integration bereits bestehender Lösungen. 

DiD:
Wie arbeiten Roche und Medicus im Rahmen von CoVive zusammen?

Kammer:
Medicus Ai ist der Entwickler und Hersteller der Plattform. Medicus besteht aus einem Team von 120 Mitarbeitenden, darunter Softwareentwickler*innen, KI-Expert*innen, Biolog*innen, Pharmakolog*innen und Ärzt*innen verschiedener Fachrichtungen. Roche stellte Medicus im Rahmen der Partnerschaft sein medizinisches Know-how zu Verfügung und hilft außerdem dabei, Medicus mit verschiedenen Playern im Wirtschaftsraum EMEA-LATAM (Europa, Arabien, Afrika und Lateinamerika) zu vernetzen. Ein direktes kommerzielles Interesse an der Entwicklung und Einführung von CoVive hat Roche nicht. 

DiD:
Planen Sie weitere gemeinsame Projekte?

Vartian:
CoVive ist ein smartes Tool zur Labortest-Anforderung mit einer personalisierten Interpretation des Befundes. Ein solches Tool ist nicht nur beim COVID-19-Management sinnvoll. Wir sind dabei, verschiedene Programme zum smarten Anforderungsmanagement von Labortests sowie der personalisierten Testinterpretation zu entwickeln. Aktuell arbeiten wir außerdem an einem digitalen Schwangerschaftsbegleiter, der die Anwenderin mit dem*der behandelnden Gynäkologen*Gynäkologin, der Klinik und der Hebamme vernetzt, relevante Daten austauscht und KI einsetzt, wo immer es angemessen ist, um alle Akteure*innen sinnvoll zu unterstützen und die Nutzerin in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen. 


Korrespondenzadresse


Patrick Kammer

Patrick Kammer
Roche Diagnostics Deutschland GmbH
Produktmanager Digital Diagnostics
patrick.kammer@roche.com



Korrespondenzadresse


Rafael Vartian

Rafael Vartian
Medicus AI
Head of Business Development DACH
rafael@medicus.ai


 

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