Für Sie gelesen: Diagnostik der diastolischen Herzinsuffizienz – neues Konsensuspapier der ESC

Artikel aus Diagnostik im Dialog (Ausgabe 62)

[Medizin – Für Sie gelesen] Der diastolischen Herzinsuffizienz liegt eine Funktionsstörung in der Entspannungsphase des Herzens (Diastole) zugrunde, während seine Pumpfunktion (Systole) nicht oder nur wenig beeinträchtigt ist (engl. heart failure with preserved ejection fraction; HFpEF). Die Diagnostik im klinischen Alltag ist herausfordernd und unzureichend, ihre medizinische Notwendigkeit dagegen hoch.1 Die Heart Failure Association (HFA) innerhalb der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) schlägt jetzt einen aktualisierten, klar strukturierten Algorithmus mit einfachem, integriertem Bewertungsscore vor. Dabei spielen auch die natriuretischen Peptide eine wichtige Rolle.1 

Die HpEF ist eine häufige Erkrankung – typischerweise ausgelöst durch eine Kombination von Risikofaktoren (z.B. Alter, weibliches Geschlecht, Übergewicht) und Komorbiditäten (z.B. Bluthochdruck, Diabetes, Nierenfunktionsstörung, Anämie, Schlaflosigkeit, chronisch obstruktive Lungenerkrankung).1 Ca. fünf Prozent aller Europäer ≥ 60 Jahre sind betroffen und mehr als die Hälfte aller Herzinsuffizienz-bedingten Krankenhauseinweisungen gehen auf ihr Konto. Die präzise Diagnose wird zunehmend wichtiger, sowohl weil die Inzidenz mit steigender Lebenserwartung der Bevölkerung zunimmt, als auch weil neue zielgerichtete Therapien verfügbar werden.1

Die HFA/ESC haben ihre Empfehlungen zur Diagnostik der HFpEF aus dem Jahr 2007 jetzt aktualisiert. Der Algorithmus folgt einem rationalen, stufenweisen Vorgehen (Abb. 1):

  1. Screening von Patienten mit Atemnot („Pretest“)
  2. Umfassende Untersuchung mittels Echokardiographie und natriuretischer Peptide bei den Patienten mit möglicher HFpEF („Echokardiographie“). Bewertung der diagnostischen Ergebnisse mittels HFA-PEFF-Score (s.u.)
  3. Bei unklaren Fällen Bestätigungsdiagnostik mittels Stress-Echokardiographie (Herz-Ultraschall unter Belastung) oder invasiver hämodynamischer Messung („Functional workup“)
  4. Weitere ätiologische Abklärung oder unmittelbare therapeutische Maßnahmen („F2“).

ESC-Algorithmus zur Diagnostik einer HFpEF

Der HFA-PEFF-Score (Abb. 2) integriert funktionelle, morphologische und labordiagnostische Domänen.

  • Innerhalb jeder Domäne werden die Ergebnisse in „major“ (entsprechend zwei Scorepunkten) und „minor“ (entsprechend einem Scorepunkt) klassifiziert und nicht addiert (d.h. ein einziges als „major“ eingestuftes Ergebnis definiert die Domäne, weitere „major“ oder „minor“ Befunde werden nicht dazu gezählt).
  • Jede Domäne enthält Alternativparameter, es müssen nicht jeweils alle Methoden durchgeführt werden. Dies erhöht die Anwendbarkeit im klinischen Alltag.

Der HFA-PEFF-SCORE

Literatur

  1. Pieske B et al: "How to diagnose heart failure with preserved ejection fraction: the HFA-PEFF diagnostic algorithm: a consensus recommendation from the Heart Failure Association (HFA) of the European Society of Cardiology (ESC)": European Heart Journal (2019); 40:3297–3317; https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehz641

Korrespondenzadresse


Dr. Aribert Stief

Dr. Aribert Stief
Director Medical und
Scientific Affairs
0621 759-3046
aribert.stief@roche.com


 


Zurück zur Übersicht