Trichomonas vaginalis und Mycoplasma genitalium - vergleichende Evaluierung des cobas® TV/MG Tests

Artikel aus Diagnostik im Dialog (Ausgabe 56)

[Produkte & Services] Infektionen mit Trichomonas vaginalis (TV) bzw. Mycoplasma genitalium (MG) sind häufige sexuell übertragbare Krankheiten (STI), deren Behandlung an Bedeutung gewinnt. Im Rahmen einer umfangreichen Studie wurde ein neuer Assay, der cobas TV/MG Test, mit anderen Nukleinsäure-Tests verglichen.1,2 Dabei kamen diverse Probenmaterialien mit breiter geografischer Abdeckung zum Einsatz. Die sehr guten Leistungsdaten weisen den cobas TV/MG Test als attraktive Möglichkeit für eine optimierte Diagnostik von TV- und MG-Infektionen aus.

Die Probennahme

Gematchte Probensets von 424 männlichen und 412 weiblichen Probanden aus den USA, Deutschland und der Ukraine wurden in verschiedenen Labors mit bis zu vier unterschiedlichen Nukleinsäureassays pro Zielorganismus auf eine Infektion mit TV bzw. MG getestet (Tab. 1).

Die amerikanischen Proben stammten von unselektierten Patienten einer Kinderwunschklinik. Die Probanden aus Deutschland und der Ukraine zeigten mögliche, unspezifische Anzeichen einer STI. Weitere Einschlusskriterien waren: generell ≥ 18 Jahre und für Frauen aktuell keine Schwangerschaft sowie keine Gebärmutterentfernung.

Die Sets beinhalteten

  • Urine von Männern und Frauen
  • vaginale, endozervikale und zervikale Abstriche (gewonnen im Anschluss an die Urinprobe)
  • Penisabstriche (gewonnen vor der Urinprobe)

Die Abstrichproben wurden sowohl durch Ärzte als auch durch die Probanden selbst entnommen und in vergleichbarer Anzahl in die Studie eingeschlossen. Weiterhin wurden Proben gleicher anatomischer Herkunft nacheinander gewonnen und in unterschiedlicher Reihenfolge in die verschiedenen Transportmedien der Nukleinsäuretests überführt, um Einflüsse auf das Testergebnis zu minimieren.

Die Vergleichsuntersuchung umfasste vier verschiedene kommerziell verfügbare und drei laboreigene Methoden (Tab. 1). Als Sammel- und Transportmedien der Proben kamen bei den kommerziellen Tests die jeweils spezifizierten Gefäße nach Gebrauchsanleitung zum Einsatz. Die Proben für die LTD (lab developed tests; verschiedene laboreigene Methoden) wurden in den Transportmedien des cobas-Testes (cobas PCR Medium bzw. PreservCyt – je nach Probenart) prozessiert.

Labore und Tests der Evaluierungsstudie

Die Testung

Jede individuelle Probe wurde – soweit möglich – mit vier verschiedenen Tests für TV und/oder MG analysiert (Tab. 2). Dabei wurde der cobas TV/MG Test gegen drei weitere Assays verglichen, sein Ergebnis galt dann als richtig positiv bzw. richtig negativ, wenn mindestens zwei der drei Vergleichstests ein übereinstimmend positives bzw. negatives Testergebnis zeigten. Aus diesen Konkordanzen wurden Sensitivität und Spezifität des cobas TV/MG Tests relativ zu den anderen Methoden ermittelt.

Extraktion und Analyse mit den kommerziell verfügbaren Assays (Tab. 1) folgten den Angaben der Hersteller. Die laboreigenen Methoden (LDT) wurden nach automatisierter DNA-Extraktion wie folgt durchgeführt:

  • LDT1 nach Anleitung des S-DiaMGTV™ Tests (Diagenode Diagnostics) unter Nutzung des LightCycler 480 Systems
  • LDT2 verwendete einen selbst entworfenen Reaktionsmix und für die Amplifikation ebenfalls das LightCycler 480 System
  • LDT3 setzte auf dem cobas 6800/8800 System die generischen Reagenzien für den cobas omni Utility channel zusammen mit individuellen Oligonukleotiden zur Detektion von TV und MG ein.

Alle verwendeten Assays richten sich gegen unterschiedliche Zielregionen im Genom von TV und MG.

Zur Auswertung kamen nur Probensets, für die Resultate aller Tests in allen gesammelten Proben vollständig vorlagen (Tab. 2).

Übersicht über die pro Methode verwendeten Probenmaterialien und Tests

Ergebnisse

  • Für beide Erregernachweise gilt: Der cobas TV/MG Test zeigt relativ zu den Ergebnissen der anderen untersuchten Assays eine hohe Sensitivität und Spezifität (Tab. 3).
  • Es zeigten sich keine statistischen Unterschiede zwischen Proben, die von einer medizinischen Fachkraft oder vom Probanden selbst gesammelt wurden.
  • Exklusiv basierend auf den Ergebnissen des cobas TV/MG Tests ergab sich eine Prävalenz für TV von 7,5 % bei Frauen und 5,2 % bei Männern. Unter Berücksichtigung übereinstimmender Ergebnisse von mindestens zwei anderen Tests lagen die Raten mit 6,6 % bei Frauen bzw. 2.1 % bei Männern etwas niedriger.
  • Die analogen Betrachtungen für MG ergaben Prävalenzen von 9,0 % bei Frauen und 10,6 % bei Männern (nur cobas TV/MG Test) bzw. von 8,3 % bei Frauen und 9,7 % bei Männern (zwei andere Tests positiv).

Performance des cobas TV/MG Tests relativ zum Gesamtergebnis der anderen verwendeten Tests

Überraschend stellten sich die Ergebnisse in Abhängigkeit von den Probenmaterialien bzw. den anatomischen Lokalisationen dar (Abb. 1):

  • Abb. 1a zeigt für TV eine statistisch gleichwertige Detektion in allen Probentypen von Frauen, unabhängig davon, ob das Resultat des cobas TV/MG Tests allein oder die Gesamtheit der verwendeten Assays betrachtet wurde.
  • Im Unterschied zu TV fand sich für MG testunabhängig eine klare Tendenz (Abb. 1b): Der Erreger lässt sich bei Frauen am häufigsten im Urin nachweisen, gefolgt vom Vaginalabstrich. Dieser Unterschied war jedoch nur für den cobas TV/MG Test statistisch signifikant. Die Ergebnisse könnten einen Sensitivitätsvorteil von Urinproben andeuten, was aber weiter belegt werden muss.
  • Bei Proben von Männern ist, unabhängig vom eingesetzten Assay, die Zahl der Detektionen von TV in Penisabstrichen gegenüber Urin deutlich erhöht (Abb. 1c).3
  • Der umgekehrte Fall ist bei MG zu beobachten, hier wurde der Erreger in Urinen statistisch relevant häufiger nachgewiesen (Abb. 1d).

Detektion von TV und MG durch den cobas TV/MG Test bzw. durch mindestens zwei andere Tests in verschiedenen Probentypen.

Das Fazit

  • Der cobas TV/MG Test zeigte in Proben von Frauen und Männern sehr gute Leistungsdaten im Hinblick auf Sensitivität und Spezifität (Tab. 3).
  • Der cobas TV/MG Test bietet eine akkurate Testung in diversen Probenmaterialien (Abb. 1). Urin eignet sich nach den Erkenntnissen dieser Untersuchung insgesamt gut als Ausgangsmaterial: Er weist nicht nur gute Detektionsraten für beide Zielorganismen in beiden Geschlechtern auf, sondern ist auch einfach und „kostengünstig“ in der Probengewinnung.
  • Das Studiendesign erlaubte auch eine Einschätzung der Prävalenz von TV und MG im untersuchten Kollektiv. Mit einer Prävalenz von bis zu 11 % unterstreicht die vorliegende Untersuchung die Relevanz dieser STI.
  • Aufgrund des kleinen Studienkollektivs bedarf es weiterer Studien, um Unterschiede in der Sensitivität der verschiedenen Probenmaterialien zu bestätigen. Die Möglichkeit der flexiblen Probennahme und insbesondere der einfachen Probengewinnung von Urin wäre eine gute Basis für eine verbesserte Diagnostik.

Der cobas TV/MG Test erwies sich in der umfangreichen Validierungsstudie als sehr gutes Nachweisverfahren, um die Diagnostik von TV- und MG-Infektionen zu optimieren.

Quellen

  1. Marlowe E, Gohl P, Steidle M, Arcenas R, Schneider T, Lötscher P, Bier C: "Trichomonas vaginalis detection in female specimens with the cobas® TV/MG test for use on the cobas® 6800/8800 systems", Eccmid 2018, Madrid, Poster 3084
  2. Interne Studiendaten, bisher nicht publiziert
  3. Dize L et al: Sex. Transm. Infect. (2013); 89:305–307

Autoren


Dr. Peter Gohl
Bioscentia
Institut für Medizinische Diagnostik, Ingelheim

Dr. Michael Steidle
Laborärzte Sindelfingen, Sindelfingen

Prof. Dr. Udo Reischl und Dr. Andreas Hiergeist
Universitätsklinikum Regensburg
Institut für Mikrobiologie und Hygiene

Dr. Tanja Schneider
Roche Molecular Diagnostics, Rotkreuz (CH)

Dr. Carolin Bier
Roche Diagnostics International AG, Rotkreuz (CH)


Bildquelle Teaser: shutterstock/alekso94


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