Chlamydien

Überblick

Chlamydien Diagnose

Generell gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, Chlamydien-Infektionen direkt in Abstrichen vom Gebärmutterhals, im Urin oder in Gewebeproben nachzuweisen: Zellkulturen, immunologische Methoden und den Nachweis der bakteriellen Erbinformation.

Der indirekte Erregernachweis über die Bestimmung von Antikörpern ist insbesondere bei akuten Infektionen ungeeignet, da es bis zu einigen Wochen dauert, bis das Immunsystem detektierbare Antikörper gebildet hat. Diese Antikörper bleiben auch Jahre nach einer überwundenen Infektion nachweisbar. Daher sind sie für die Diagnose einer akuten Chlamydien-Infektion wenig hilfreich. Sie können aber dazu beitragen, Chlamydien als Spätfolgen einer Infektion (Eileiterverschluss, Unfruchtbarkeit) zu erkennen. In diesen Fällen lassen sich die Chlamydien oft selbst nicht mehr nachweisen, wohl aber ihre Antikörper.

Für die Güte eines Nachweisverfahrens spielen Sensitivität (Empfindlichkeit) und Spezifität (Genauigkeit) der Methode eine wichtige Rolle. Eine hohe Sensitivität stellt sicher, dass alle positiven Proben vom Test auch tatsächlich als positiv erkannt werden. Eine hohe Spezifität bedeutet, dass der Test auch nur die Proben als positiv erkennt, die tatsächlich von Infizierten stammen. Alle anderen Testergebnisse müssen bei hochspezifischen Tests negativ sein.

Zellkulturen

Zu den Nachteilen des Verfahrens gehört die Empfindlichkeit der Zellen Umwelteinflüssen gegenüber. So müssen die Zellen auf dem Weg vom Arzt ins Labor unter bestimmten Temperaturbedingungen (4°C) transportiert werden und innerhalb von 24 Stunden kultiviert werden – ansonsten sterben sie ab. In diesem Fall sind in der Zellkultur keine Chlamydien nachweisbar, obwohl eine Infektion vorhanden ist („falsch-negative“ Resultate), denn in der Zellkultur können nur lebende Zellen angezüchtet werden. Darüber hinaus ist die Testdurchführung verglichen mit anderen Verfahren zeitaufwändig – bis zu einem Ergebnis vergehen mindestens vier bis fünf Tage. Die Zellkultur war früher die wichtigste Methode zum Nachweis einer Chlamydien-Infektion. Dabei wird der infizierten Frau ein Zellabstrich aus dem Gebärmutterhals entnommen, der anschließend in einer Zellkultur – ein Gemisch aus Nährstoffen und Zellen – angezüchtet wird. Nach frühestens vier Tagen können die Zellen mit spezifischen Farbstoffen angefärbt und mikroskopisch nachgewiesen werden. Die Zellkultur zeichnet sich durch ihre hohe Spezifität (Genauigkeit) aus: Sie beträgt 100 Prozent. Ein positives Testergebnis bedeutet demzufolge immer, dass die Probe von einer infizierten Frau stammt. Es gibt also keine „falsch-positiven“ Befunde.

Immunologische Methoden

Direkte fluoreszierende Antikörpertests (DFA) und Enzymimmunotests (EIA) weisen Antigene – spezielle Oberflächenstrukturen der Chlamydien – nach, auf die der menschliche Körper mit der Bildung von Antikörpern reagiert.

Bei DFAs wird ein Gebärmutterhalsabstrich auf einem Glasplättchen ausgestrichen, die darin enthaltenen Chlamydien mit Hilfe von fluoreszierenden Antikörpern markiert und mikroskopisch nachgewiesen. Das Testverfahren hat eine vergleichsweise geringe Sensitivität, da DFAs bei ungeübten Untersuchern zu falsch-negativen Ergebnissen führen können. Außerdem ist es nicht möglich, sie zu automatisieren. Auf der anderen Seite ist die Methode im Gegensatz zur Zellkultur auch mit bereits abgestorbenen Chlamydien-Zellen durchführbar.

EIAs sind immunologische Nachweisverfahren, die auf einer enzymatischen Farbreaktion basieren. Hierbei werden spezifische, mit einem Enzym markierte Antikörper verwendet. Finden diese Antikörper spezielle Oberflächenstrukturen (Antigene) von Chlamydien im Untersuchungsmaterial (Abstrich, Urin, Gewebsprobe), wird eine chemische Reaktion ausgelöst. Diese dient als Nachweis für das Vorhandensein der Erreger in der Probe. EIAs haben sich als kostengünstige Tests für den erhöhten Probendurchsatz etabliert. Ihre Sensitivität und Spezifität sind allerdings nicht optimal, so dass ein nicht unwesentlicher Anteil der Infektionen übersehen werden kann.

Nachweis der bakteriellen Erbinformation

Für den direkten Nachweis der Erbinformation von Chlamydien in Abstrichen oder in Urinproben stehen heute mehrere Methoden zur Verfügung (Amplifikationsverfahren und Hybridisierungsverfahren). Zur Methode der Wahl hat sich der DNA-Nachweis auf Basis des PCR-Verfahrens entwickelt, weil er unabhängig vom Untersuchungsmaterial eine sehr hohe Sensitivität (rund 98 Prozent) und Spezifität (100 Prozent) besitzt. Bei diesem Test wird die Chlamydien-Erbinformation stark vermehrt und dann gemessen.

Sensitivität Chlamydien; Nr. 312

Die Polymerase-Kettenreaktion erlaubt eine sichere und schnelle Diagnose. Bildquelle: Roche

Liegt ein Verdacht auf eine Chlamydien-Infektion vor, ist es wichtig, stets auch den jeweiligen Sexualpartner mit zu untersuchen – und gegebenenfalls zu behandeln.