Chlamydien

Ansteckung durch ungeschützten Geschlechtsverkehr

Chlamydien werden bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen. Für eine Ansteckung ist ein direkter Kontakt der empfänglichen Schleimhaut mit dem infektiösen Sekret erforderlich. Eine Ansteckung ist deshalb bei allen sexuellen Praktiken möglich, bei denen Schleimhaut mit Schleimhaut Kontakt hat. Neugeborene können sich während der Geburt beim Durchtritt durch die mütterliche Scheide anstecken.

Männer mit einer Chlamydien-Infektion verbreiten die Krankheit zwar weiter, erleiden durch die Infektion aber selbst nur äußerst selten langwierige Gesundheitsprobleme. Frauen dagegen haben ein hohes Risiko, von Chlamydien-Infektionen langfristig geschädigt zu werden, wobei die Unfruchtbarkeit die gravierendste Folge ist.

Da Chlamydien bei 70 Prozent der Frauen und 90 Prozent der Männer keine auffälligen Schmerzen oder andere Symptome auslösen, bleibt eine Infektion in der Regel völlig unbemerkt. Zu den in Einzelfällen beobachteten Symptomen gehört bei Männern eine Entzündung der Harnröhre: Es juckt oder brennt beim Wasserlassen. Frauen bemerken in seltenen Fällen vermehrten Ausfluss, Juckreiz oder Brennen während des Wasserlassens.

Immunreaktion schadet dem eigenen Körper

Chlamydien setzen keine Gifte frei, sondern dringen in Schleimhautzellen ein, wobei sie ihrer Vernichtung durch körpereigene Enzyme geschickt getarnt entgehen. In den Zellen nisten sie sich als Schmarotzer ein, die vom Stoffwechsel ihrer Wirtszelle profitieren. Dagegen wehrt sich das menschliche Immunsystem mit einer heftigen Entzündungsreaktion – und zerstört damit auch gesundes Gewebe, das daraufhin vernarbt. So wird die eigentlich sinnvolle Gegenwehr des Körpers zur hauptsächlichen Ursache bleibender Schäden.

Verlauf Chlamydien; Nr. 309

Eine unbehandelte Chlamydien-Infektion kann dazu führen, dass der Eileiter vernarbt. Befruchtete Eizellen gelangen dann nicht mehr in die Gebärmutter. Es drohen Eileiterschwangerschaft oder Unfruchtbarkeit. Bildquelle: Roche

Unbemerkte Entzündung verklebt Eileiter

Chlamydien sind vor allem für sehr junge Frauen gefährlich, denn deren Genitaltrakt weist vermehrt zylindrisch geformte Zellen auf, die die Bakterien bevorzugen. Auch sind die lokalen Abwehrkräfte in der Scheide noch unvollständig ausgebildet, besonders bei jungen Raucherinnen. So können die Chlamydien in die Gebärmutter wandern und dort eine Entzündung auslösen.

Bleibt die Entzündung unbemerkt und unbehandelt, gelangen die Erreger weiter hinauf in die Eileiter. Im Laufe von Jahren verkleben und vernarben sie dort schlimmstenfalls Abschnitte der Eileiter, die die Eizellen auf ihrem Weg aus dem Eierstock in die Gebärmutter passieren müssen. Dies hat Schätzungen zu Folge allein in Deutschland vermutlich bereits 100.000 Frauen unfruchtbar gemacht. Auch chronische Unterleibsschmerzen und Bauchhöhlenschwangerschaften gehen auf das Konto der „chlam“-heimlich eingewanderten Keime. Denn wenn einem bereits befruchteten Ei – für die winzigen Spermien bleibt der Eileiter oft passierbar – der Weg vom Eierstock in die Gebärmutter blockiert ist, kann es unter Umständen in die Bauchhöhle entweichen und sich dort unter der Bauchdecke anheften.

Risiko für schwangere Frauen

Wenn sich trotz einer Infektion mit Chlamydien bei einer Frau eine normale Schwangerschaft entwickelt, dann trägt sie dennoch ein erhöhtes Risiko, durch den Eintritt vorzeitiger Wehen und eines vorzeitigen Blasensprungs eine Frühgeburt zu erleiden. Zudem steckt sich ein Großteil der Neugeborenen bei ihren infizierten Müttern während der Geburt mit Chlamydien an. Bindehaut- und Lungenentzündungen können die Folge sein. Deshalb werden in Deutschland bereits seit 1995 alle Schwangeren – als Kassenleistung – auf Chlamydien untersucht

.