Pathogenese des Zervixkarzinoms

Aufbau der Zervix
 

Pathogenese des Zervixkarzinoms

Eine Infektion mit HPV ist die Ursache von Gebärmutterhalskrebs, die Pathogenese dauert
Jahre. In dieser Zeit gilt es die relevanten
Vorstufen frühzeitig und zuverlässig zu erkennen.

Aufbau der Zervix

Die Zervix befindet sich am unteren Ende des Uterus am Übergang zur Vagina und besteht aus fibrösem, muskulärem und elastischem Gewebe. Weiterhin gliedert sich die Zervix in einen von außen sichtbaren Bereich, die Ektozervix, und einen inneren Bereich, die Endozervix. Während die Ektozervix von einem mehrschichtigen Plattenepithel nach außen abgegrenzt wird, liegt bei der Endozervix ein einreihiges drüsiges Zylinderepithel vor.1

Epithel der Zervix

Die Grenze zwischen den beiden zervikalen Epithel­formen wandert in Abhängigkeit von Wachstum, Pubertät und Menopause, indem Zylinder­epithel zunehmend durch Plattenepithel ersetzt wird. Die Grenzregion wird als Transformationszone bezeichnet. Zervikale Dysplasien, welche sich im Laufe der Zeit zu einem Zervixkarzinom entwickeln können, entstehen meist durch persistierende Infektionen mit hochrisiko Humanen Papillomviren (hrHPV) in der Transformationszone. Da dieser Bereich mit dem Alter immer weiter in den zervikalen Kanal wandert, wird es zunehmend schwieriger an geeignetes Zellmaterial für das Zervix-Screening zu gelangen.1

Transformationszone

Pathogenese des Zervixkarzinoms

Über 99% aller Zervixkarzinome sind auf eine Infektion mit hochrisiko Humanen Papillomviren (hrHPV, im Weiteren kurz HPV) zurückzuführen. Gelangt HPV in die Zervix, nutzt das Virus kleine Risse im Zervixepithel, um die Basalzellen zu infizieren. In ca. 90% der Fälle eliminiert das körpereigene Immunsystem die infizierten Zellen. Persistiert die Infektion allerdings, vermehrt sich HPV zunehmend und kann zu krankhaften Veränderungen der Zervix, meist im Bereich der Transformationszone, führen. Über einen längeren Zeitraum hinweg können sich Dysplasien unterschiedlicher Ausprägungen entwickeln (CIN 1-3). In einigen Fällen transformieren die Zellen weiter und die neoplastische Veränderung wandert in das Nachbargewebe ein. Jedoch dauert dieser Prozess oft mehrere Jahre und nicht jede neoplastische Veränderung progrediert zum invasiven Karzinom.2,3

HPV-Infektion und zervikale Transformation (CIN = zervikale intraepitheliale Neoplasie)

Die Progression von Gebärmutterhalskrebs kann Jahre dauern.Die frühzeitige Erkennung einer Vorstufe reduziert das Risiko der Entstehung eines Zervixkarzinoms.

Videos: von der HPV-Infektion zur CIN

Die HPV-Infektion

 
Die HPV-Infektion
  • Aufbau des Zervixepithels
  • Frühe Phase der HPV Infektion 

Von der Infektion zur Erkrankung 

 
Von der HPV-Infektion zur Erkrankung
  • Virus-Replikation
  • Morphologische Veränderungen
  • Zervikale Intraepitheliale Neoplasie (CIN)

Histopathologie des Zervixkarzinoms

Ein invasives Zervixkarzinom wird diagnostiziert, wenn anhand einer Gewebeprobe zu erkennen ist, dass veränderte Zellen das zervikale Epithel durchbrochen haben und ins Bindegewebe invadiert sind.5 Die am häufigsten vorkommende Form eines invasiven Zervixkarzinoms ist das Plattenepithelkarzinom, welches sich im Plattenepithel der Ektozervix entwickelt (ca. 75-80% der Fälle). Entsteht das Karzinom dagegen im Zylinderepithel der Endozervix, handelt es sich um ein Adenokarzinom (ca. 10-20% der Fälle). In seltenen Fällen werden weitere Formen des Zervixkarzinoms, wie Adenokankroide, adenosquamöse oder mukoepidermoide Karzinome, diagnostiziert.6

Referenzen

  1. Canadian Cancer Society: Anatomy and physiology of the cervix. http://www.cancer.ca/en/cancer-information/cancer-type/cervical/anatomy-and-physiology/?region=on (Stand: 05. Dezember 2013)
  2. Centers for Disease Control and Prevention: Human papillomavirus: Epidemiology and prevention of vaccine-preventable diseases.http://www.cdc.gov/vaccines/pubs/pinkbook/hpv.html (Stand: 20. Januar 2015)
  3. Wright. Natural history of HPV infections. J Fam Pract 2009; 9 (58 Suppl HPV): S3-7.
  4. Hillemanns P. Das Zervixkarzinom. 20. Repetitorium für Gynäkologie und Geburtshilfe. Charité Universitätsmedizin Berlin. 31. Oktober 2015
  5. Woodman et al. The natural history of cervical HPV infection: unresolved issues. Nat Rev Cancer 2007; 7 (1):11-22.
  6. Datamonitor Healthcare: Cervical cancer epidemiology.  https://service.datamonitorhealthcare.com/epidemiology/oncology/?page=therapytopic®ion=7mm&articleId=70920 (Stand: 30. März 2015), Registrierung erforderlich.
    Datamonitor Healthcare: http://www.datamonitorhealthcare.com/