Aids

Wie viele Menschen sind in Deutschland mit HIV infiziert?

Nach aktuellen Schätzungen des Robert Koch-Instituts in Berlin lebten Ende 2008 in Deutschland zwischen 60.000 und 67.000 Menschen mit HIV/AIDS. Für das Jahr 2008 wurden insgesamt 2.806 neu diagnostizierte HIV-Infektionen gemeldet, davon 11 Kinder. Überwiegend betroffen sind junge Erwachsene in der Altersgruppe von 25-40 Jahren. Auch in Deutschland sterben trotz der seit 1996 deutlich verbesserten Therapie noch immer alljährlich rund 600 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem HI-Virus. Weltweit sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation 33 Millionen Menschen (Stand: Ende 2007) mit HIV infiziert.

Wie ansteckend ist die Krankheit?

Ein Mensch, der mit HIV infiziert ist, ist sein Leben lang ansteckungsfähig. Besonders hoch ist das Ansteckungsrisiko in den ersten Wochen nach der Infektion. Auch wenn das Virus eine erfolgreiche Therapie im Blut nicht mehr nachzuweisen ist, ist ein HIV-infizierter Mensch noch ansteckend.

Was sind die wichtigsten Übertragungswege von HIV?

HIV wird hauptsächlich auf zwei Wegen übertragen:

  • Über Schleimhautkontakte mit virushaltigen Körperflüssigkeiten bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr
  • Über das Einbringen von virushaltigem Blut in die Blutbahn.

Ein deutlich erhöhtes Risiko, sich mit HIV anzustecken, haben – den Übertragungswegen entsprechend – Personen, die ungeschützten Sex mit einem HIV-infizierten Partner haben, und Personen, die ihre Sexualpartner häufig wechseln. Dabei birgt der Analverkehr ein höheres Risiko als der Vaginalverkehr. Ist der Partner zusätzlich mit anderen sexuell übertragbaren Erregern infiziert, kann die sexuelle Übertragung von HIV begünstigt werden.

Früher galten vor allem Männern, die Sex mit Männern haben, als besonders infektionsgefährdet; es sind jedoch alle Personen, auch Bi- und Heterosexuelle, von einer Ansteckung mit HIV bedroht, wenn sie ungeschützt Sex haben. In Deutschland und auch überall sonst auf der Welt wird HIV am häufigsten durch sexuelle Kontakte übertragen. Die wichtigste präventive Maßnahme ist deshalb die Verwendung von Kondomen.

Von einer Übertragung von HIV über die Blutbahn sind heute vor allem drogenabhängige Menschen betroffen, die sich die Drogen in die Blutbahn spritzen. Das Risiko steigt erheblich, wenn Injektionsutensilien wie Spritzen und Kanülen von mehreren Personen benutzt werden. In Deutschland konnte das Übertragungsrisiko von HIV in dieser Personengruppe deutlich durch den freien Zugang zu sterilen Einmalspritzen und -kanülen reduziert werden.

Weltweit sind nahezu die Hälfte aller von HIV/Aids betroffenen Menschen Mädchen und Frauen. Wie erklärt sich das?

Biologisch gesehen haben Frauen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Mann haben, ein höheres Infektionsrisiko als Männer, die ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Frau haben. Hinzu kommt, dass Frauen in vielen Ländern nicht die gesellschaftliche Stellung haben, um die Bedingungen zu bestimmen, unter denen Sexualverkehr stattfinden soll, insbesondere darauf zu bestehen, dass Männer ein Kondom benutzen. Auch sexuelle Gewalt in Kriegs- und Konfliktsituationen erhöht das HIV-Infektionsrisiko für Frauen. Die UN-Initiative „The Global Coalition on Women and Aids“ hat sich zum Ziel gesetzt, über die besondere Situation von Frauen aufzuklären und die Gefahr einer Aids-Erkrankung für Frauen und Mädchen weltweit zu verringern.

Kann man sich beim alltäglichen Umgang mit HIV-infizierten Personen anstecken?

Bei alltäglichen sozialen Kontakten mit HIV-Infizierten, beispielsweise in Kindergarten und Schule oder am Arbeitsplatz, ist eine Ansteckung nicht zu befürchten. Dies gilt vom Händeschütteln über das gemeinsame Benutzen von Besteck, Geschirr und Gläsern bis hin zum gemeinsamen Schwimmbad- oder Saunabesuch. Auch durch Anhusten oder Anniesen, wie für Erkältungs- und Grippeviren typisch, ist eine Ansteckung mit HIV nicht möglich.

Kann man sich bei einer Bluttransfusion mit HIV anstecken?

Bei einer medizinischen Behandlung, die es notwendig macht, Blut oder Blutprodukte zu verwenden, bestand in der Vergangenheit auch in Deutschland die Gefahr, sich mit HIV zu infizieren. Seit 1985 müssen alle Blutspenden auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen HIV untersucht werden. Im Jahr 2004 hat es der Gesetzgeber zur Pflicht gemacht, Blutspenden auch auf das Vorhandensein von HIV-Erbmaterial zu testen.

Diese auf hochempfindlichen molekularen Verfahren aufbauenden PCR-Tests erlauben es, eine HIV-Infektion sehr früh nachzuweisen. Bereits in den Jahren vor 2004 hatten die Blutspendedienste den direkten Nachweis von Viren-Erbmaterial nach und nach eingeführt. Dank dieser Maßnahmen kann die Übertragung von HIV durch Bluttransfusionen heute nahezu ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion durch Bluttransfusionen liegt bei 1 zu 1 Million. Das gilt auch für Blutplasma und daraus hergestellte Produkte, etwa Gerinnungsfaktoren für Bluterkranke.

Vorsicht bei der Übertragung von Blut oder Blutprodukten ist jedoch weiterhin in Ländern geboten, in denen keine oder unzureichende Kontrollen erfolgen.

Kann eine schwangere Frau, die mit HIV infiziert ist, ihr Kind anstecken?

Kinder können von ihren infizierten Müttern im Mutterleib, während der Geburt und beim Stillen angesteckt werden. Eine Übertragung von HIV kann jedoch verhindert werden, wenn in den letzten Wochen der Schwangerschaft eine konsequente antiretrovirale Therapie eingehalten wird, die Entbindung per Kaiserschnitt erfolgt, das Kind nicht gestillt wird und der Säugling zwei bis sechs Wochen vorsorglich mit Medikamenten gegen HIV behandelt wird. Mithilfe dieser medizinischen Maßnahmen kann die Rate der Mutter-Kind-Übertragungen auf unter zwei Prozent gesenkt werden. Ohne risikovermindernde Maßnahmen stecken sich 20 bis 40 Prozent der Kinder bei ihren HIV-positiven Müttern an.

Was ist zu tun, wenn man befürchtet, sich mit HIV infiziert zu haben?

Ob ein Ansteckungsrisiko bestanden hat, lässt sich am besten in einem Gespräch mit einem Arzt, beim Gesundheitsamt oder einer Aids-Beratungsstelle klären. Im Zweifelsfall kann nur ein HIV-Test endgültige Gewissheit geben.

Ein HIV-Test darf nicht ohne das Wissen und das Einverständnis des zu Testenden durchgeführt werden, erfolgt also immer auf freiwilliger Basis. Niemand darf einen anderen Menschen zu einem Test zwingen. In den Beratungsstellen der Gesundheitsämter besteht die Möglichkeit, einen anonymen HIV-Test durchführen zu lassen. Der Befund wird außer dem Testenden niemand anderem mitgeteilt und auch in keiner Patientenakte eingetragen.

Das Wissen um eine HIV-Infektion ermöglicht den rechtzeitigen Zugang zu wirksamen Behandlungsmöglichkeiten.

Wie kann man sich vor einer Ansteckung mit HIV schützen?

  1. Kondome verwenden, insbesondere bei neuen oder wechselnden Sexualpartnern.
  2. Bluttransfusionen in Ländern, in denen Kontrollen nicht oder nicht lückenlos erfolgen, meiden. Das gilt auch für jede medizinische Versorgung, die mit Blut oder dem Einsatz von Spritzen zusammenhängt. Wenn möglich, die Behandlung erst zu Hause vornehmen lassen.
  3. Drogenabhängige Menschen, die Drogen ins Blut spritzen, sollten Einmalspritzen verwenden, die in jeder größeren Stadt kostenlos abgeben werden.
  4. Schwangere Frauen, die mit HIV infiziert sind, sollten via Kaiserschnitt entbinden und auf das Stillen des Neugeborenen verzichten.

Was sind Mikrobizide?

Mikrobizide sind chemische Substanzen, die Frauen vaginal oder rektal anwenden können, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Sie sollen wie chemische Barrieren zwischen den HI-Viren und den Schleimhäuten wirken; einige Mikrobizide enthalten zusätzlich antiretrovirale Substanzen. Rund 50 verschiedene Mikrobizide werden derzeit in (vor)klinischen Studien weltweit getestet.

Wann wird es einen Impfstoff gegen Aids geben?

Einen Impfstoff (Vakzine) gegen HIV zu entwickeln, ist sehr schwierig, weil sich die Viren außerordentlich rasch verändern. Die Experten gehen derzeit nicht davon aus, dass ein Impfstoff in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen wird.

Kann man HIV/Aids bald heilen?

Die Aussichten, HIV in absehbarer Zeit aus dem Körper zu eliminieren – die Infektion also zu heilen – sind nach Ansicht der Experten gering. Sämtliche Ansätze zielen derzeit auf eine lebenslange Therapie, wobei es künftig verstärkt darauf ankommen wird, die Nebenwirkungen zu verringern, Therapien zu vereinfachen und die Resistenzentwicklung durch eine qualifizierte Therapieüberwachung zu verhindern.