Aids

Prävention

Da es bislang nicht möglich ist, gegen das HI-Virus zu impfen, kommt der Prävention mit anderen Methoden besondere Bedeutung zu. Das Virus wird hauptsächlich auf zwei Wegen übertragen: über ungeschützten Geschlechtsverkehr und über das Einbringen von virushaltigem Blut in die Blutbahn. Daraus ergeben sich die wichtigsten Maßnahmen zur Prävention, dem Schutz vor einer Infektion.

Die wohl wichtigste Maßnahme ist das Verwenden von Kondomen, insbesondere bei neuen oder wechselnden Sexualpartnern. Bluttransfusionen in Ländern, in denen Kontrollen nicht oder nicht lückenlos erfolgen, sollten gemieden werden. Das gilt auch für jede andere medizinische Behandlung, bei der es zu Blutkontakt kommt. Drogenabhängige, die Drogen ins Blut spritzen, sollten Einmalspritzen verwenden. Schwangere Frauen, die mit HIV infiziert sind, sollten via Kaiserschnitt entbinden und auf das Stillen des Neugeborenen verzichten.

Im Hinblick darauf, das drei Viertel der Neuinfizierten in Afrika und Asien Mädchen und Frauen sind, sind spezifische Präventionsmethoden für die Betroffenengruppe wichtig. Ein viel versprechender Ansatz scheint die Entwicklung von Mikrobiziden zu sein, chemische Substanzen, die Frauen vaginal oder rektal anwenden können, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen.

Die Virusvermehrung hemmen

Vor 20 Jahren gab es ein einziges Medikament gegen HIV, heute sind mehr als 16 Einzelsubstanzen (www.rki.de) aus vier Medikamentenklassen verfügbar. Die Wirkstoffe setzen an verschiedenen Stellen des Vermehrungszyklus des Virus an. Kombiniert verabreicht, können sie die Viruskonzentration im Blut unter die Nachweisgrenze senken, die Zahl der T-Helferzellen steigt wieder an und die durch HIV verursachten Symptome verschwinden größtenteils wieder. Nach dem derzeitigen Stand des Wissens ist es notwendig, die Medikamente lebenslang einzunehmen. Die Medikamente können die Viren zurückdrängen – heilen können sie die HIV-Erkrankung nicht. Sie tragen allerdings dazu bei, eine HIV-Infektion zu einer behandelbaren Krankheit zu machen.

Die Vier Medikamentenklassen

Medikamentenwirkung HIV; Nr. 301

Um sich in der Zelle vermehren zu können, dockt das HI-Virus an eine T-Helferzelle, die ein wichtiger Teil des menschlichen Immunsystems ist. So genannte „Fusionshemmer“ können die Verbindung des Virus mit den Korezeptoren oder den Hüllproteinen der Zelle blockieren. Bildquelle: Roche

Der erste Wirkstoff gegen HIV, Azidothymidin, kurz AZT, wurde im Jahr 1987 zugelassen. Es zählt zur Klasse der Nukleosidanaloga und hemmt die Reverse Transkriptase, ein Enzym, ohne das sich die Viren nicht in der menschlichen Zelle einnisten können. Bis Mitte der 1990er Jahre waren ausschließlich Substanzen aus dieser Medikamentenklasse verfügbar; sie wurden einzeln oder in Zweierkombinationen zur Therapie verwendet. Die Anzahl der Viren im Blut ließ sich auf diese Weise vorübergehend senken, für die Patienten bedeutete dies eine Lebensverlängerung von ein bis drei Jahren. Weil die Vermehrung der Viren aber nur unvollständig unterbunden werden konnte, kam es rasch zu Resistenzen: Die Viren entwickelten Mechanismen, mit denen sie der Wirkung der Medikamente widerstehen und sich weiterhin vermehren können.


Medikamentenwirkung HIV; Nr. 302

In der Zelle muss die Virus-RNS, die dessen Erbanlagen trägt, in DNS übersetzt werden, damit die Wirtszelle die Virusgene in ihrem Zellkern vermehren kann. Dies erledigt die Reverse Transkriptase. Bestimmte Wirkstoffe verhindern nun entweder diese Übersetzung oder das Eindringen der DNS in den Zellkern. Bildquelle: Roche

Im Jahr 1995 wurde der erste Vertreter einer neuen Medikamentenklasse, der Proteaseinhibitoren, zugelassen. Proteaseinhibitoren hemmen (inhibieren) ein weiteres Enzym des Virus, die Protease. Damit wurde das bis heute gebräuchliche Konzept der „hochaktiven antiretroviralen Therapie“, kurz HAART, möglich. Bei dieser Behandlungsstrategie werden drei oder mehr Einzelsubstanzen aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen gleichzeitig verabreicht. Das Ziel ist, die Vermehrung der Viren möglichst vollständig zu unterdrücken. Denn je wirksamer dies gelingt, desto geringer ist die Gefahr, dass sich die Viren genetisch verändern, auf diese Weise Resistenzen entwickeln und der Medikamentenwirkung entgehen.


Mittlerweile gibt es für die Kombinationstherapie noch zwei weitere Medikamentenklassen. Die so genannten Nicht-Nukleosidanaloga hemmen ebenfalls das Enzym Reverse Transkriptase, benutzen dazu jedoch einen anderen Weg. Die Fusionshemmer greifen das Virus an, bevor es menschliche Zellen befällt. Sie setzen somit am frühesten Punkt des Lebenszyklus eines HI-Virus an und hindern es daran, in die Zelle einzudringen, mit ihr zu fusionieren.

Therapieerfolge

Das Ziel der Kombinationstherapie ist, die Virusmehrung weitgehend zu unterbinden und möglichst lange zu verhindern, dass die Viren gegen die Medikamente resistent werden. Dazu wird während der Therapie in regelmäßigen Abständen bestimmt, wie hoch die Viruskonzentration im Blut ist und wie viele T-Helferzellen vorhanden sind. Verläuft die medikamentöse Behandlung erfolgreich, geht die Viruskonzentration im Blut drastisch zurück, die Anzahl der T-Helferzellen steigt und die durch HIV verursachten Symptome verschwinden weitestgehend.

Medikamemtenwirkung HIV; Nr. 303

Das Enzym Protease sorgt dafür, dass die Einzelteile der neu entstandenen Viren zusammengesetzt werden. Nur dann können die Viren aus ihrer Wirtszelle ausknospen. Hier setzen die Proteasehemmer an: Sie blockieren die Proteasen und damit den Zusammenbau intakter HI-Viren. Bildquelle: Roche

Dazu ist es notwendig, die Medikamente konsequent und regelmäßig einzunehmen. Experten gehen davon aus, dass die Lebensdauer von HIV-infizierten Menschen mit den heute verfügbaren Medikamenten sowie den neuen Wirkstoffen, die derzeit entwickelt werden, an die Lebensdauer von Nicht-Infizierten angeglichen und den Betroffenen ein fast normales Leben ermöglicht werden kann.

Die Behandlung und Betreuung HIV-infizierter Menschen gehört in die Hand spezialisierter Ärzte. In den meisten deutschen Großstädten gibt es heute HIV-Klinikambulanzen oder -Schwerpunktpraxen.


Forschungsschwerpunkte

An zusätzlichen Medikamenten, mit denen aufkommende Resistenzen der Viren überwunden werden können, die eine einfachere Behandlung mit weniger Tabletten ermöglichen und weniger Nebenwirkungen haben, wird derzeit gearbeitet. Die Wirkstoffe gehören zum Teil den bekannten Medikamentenklassen an, wirken aber effektiver und haben ein besseres Resistenzprofil.

Auch Medikamente mit gänzlich neuen Wirkmechanismen werden erforscht. Als interessantes neues Angriffsziel gilt beispielsweise der HIV-Korezeptor CCR5. Um in die menschliche Zelle einzudringen, nutzt das HI-Virus so genannte CD4-Rezeptor auf den T-Helferzellen des Immunsystems. Damit das Virus erfolgreich an den CD4-Rezeptor binden kann, ist es jedoch quasi auf Schlüssel angewiesen, die ihm die Tür öffnen. Diese Schlüssel werden wissenschaftlich „Korezeptoren“ genannt. Zu ihnen zählt der Korezeptor CCR5. Schon lange ist bekannt, dass Menschen, die aufgrund einer genetischen Besonderheit keine CCR5-Korezeptoren auf ihren Zellen ausbilden, widerstandsfähiger gegen das HI-Virus sind. Diese Beobachtung nutzen Wissenschaftler, um neue Wirkstoffe gegen HIV zu entwickeln. Derzeit wird geprüft, ob die Substanzen tatsächlich imstande sind, CCR5-Korezeptoren und weitere „Schlüssel“, mit denen sich HIV Zutritt zu den Zellen verschafft, zu blockieren.

Die Forscher hoffen außerdem auf „Integrase-Inhibitoren“, die den Einbau – die Integration – des Viruserbguts in die menschliche Erbsubstanz unterdrücken sollen.

Erforscht wird derzeit nicht nur, wie die Viruslast im Körper gesenkt werden kann, sondern auch, ob sich das menschliche Immunsystem gezielt so anregen lässt, dass es imstande ist, dem Überfall der Viren besser standzuhalten.