Hepatitis - Infektion

Hepatitis A

Der Erreger

Den Erreger der Hepatitis A, das Hepatitis A-Virus (HAV), haben Wissenschaftler erstmals im Jahr 1973 im Stuhl eines akut Erkrankten mithilfe des Elektronenmikroskops nachweisen können. Es vermehrt sich vermutlich ausschließlich in den Leberzellen (Hepatozyten) des Menschen und wird über den Darm ausgeschieden. Das Hepatitis A-Virus ist ungewöhnlich widerstandsfähig. Im Labor übersteht es beispielsweise die Behandlung mit Säuren und organischen Lösungsmitteln und hält oft über Jahre hinweg extreme Temperaturunterschiede aus.

Ansteckung

In den Körper eines anderen Menschen gelangt das Hepatitis A-Virus vornehmlich über den Mund, beispielsweise mit verunreinigtem Wasser, Getränken oder Nahrungsmitteln. Besonders gefährlich sind Austern und Muscheln aus kontaminierten Gewässern, in denen sich die Viren anreichern. Auch ein enger Kontakt mit infizierten Menschen, etwa das gemeinsame Benutzen von Essbesteck, Geschirr, Handtüchern und Toiletten, begünstigt eine Infektion. Gefährdet sind vor allem Reisende in Länder mit großer Bevölkerungsdichte und schlechten hygienischen und sanitären Verhältnissen.

Vorkommen

In einigen Entwicklungsländern ist die Hepatitis A neben Malaria und Hepatitis B eine der häufigsten Infektionskrankheiten. In den entwickelten Ländern Europas und Nordamerikas mit hohen Hygienestandards ist die Hepatitis A im Laufe der letzten Jahrzehnte immer seltener geworden.

In Deutschland waren noch nach dem Zweiten Weltkrieg 80 bis 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit dem Hepatitis A-Virus infiziert. Heute ist hierzulande etwa jeder zweite Hepatitis A-Fall eine Reisehepatitis – eine Hepatitis A, die während eines Aufenthalts in einem Hepatitis A-verseuchten Gebiet erworben wurde.

Verlauf und Therapie

Eine spezifische Therapie gegen die Hepatitis-A ist nicht erforderlich. Die Hepatitis A heilt nach einer Krankheitsdauer von rund sechs bis acht Wochen in der Regel spontan aus. Nur selten kommt es zu schweren Krankheitsverläufen. Wer einmal eine Hepatitis A hatte, bleibt sein Leben lang immun.

Hepatitis B

Der Erreger

Hepatitis-Virus Schemata
 

  Der Erreger der Hepatitis B, das Hepatitis B-Virus, besteht aus einer äußeren Hülle und einem inneren Kern.

Der Erreger der Hepatitis B, das Hepatitis B-Virus (HBV), schleust sein Erbgut in die menschliche Leberzelle ein und vermehrt sich in ihr. Das Virus besteht aus einer äußeren Hülle und einem inneren Kern. Die Hülle ist aus charakteristischen Proteinen (Hepatitis B- Oberflächenantigene, kurz HBsAg) aufgebaut, der Viruskern wird von so genannten Core-Antigenen (HBcAg) gebildet. Beide Antigene sind wichtig für die Diagnose einer Hepatitis B.

Mittlerweile sind acht verschiedene Typen von HBV bekannt, die sich im Aufbau ihrer Erbsubstanz unterscheiden (Genotypen A bis H). Wie das Hepatitis A-Virus ist auch das Hepatitis B-Virus sehr widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen und Desinfektionsmitteln.

Ansteckung

Eine Ansteckung kann über Blutkontakt und Geschlechtsverkehr erfolgen. Den größten Anteil an den Neuinfektionen hierzulande hat die sexuelle Übertragung.

In der Vergangenheit war das Risiko relativ hoch, bei einer Transfusion von Blut oder Blutprodukten mit HBV infiziert zu werden. Eine sorgfältige Auswahl der Spender, die entsprechenden Antigen- und Antikörpertests und vor allem sehr empfindliche PCR-Testverfahren, die das Erbmaterial des Hepatitis B-Virus sicher nachweisen, haben entscheidend zur Risikominimierung beigetragen.

Vorkommen

Die Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten. Weltweit, schätzt die Weltgesundheitsorganisation, haben rund zwei Milliarden6 Menschen eine HBV-Infektion durchgemacht oder durchlaufen sie gerade, rund 257 Millionen Menschen leben mit einer chronischen HBV-Infektion2. In der afrikanischen Sub-Sahara-Region und Ostasien sind bis zu zehn Prozent der Bevölkerung chronisch infiziert.6 Schätzungsweise 887.000 Menschen starben 2015 an den Folgen einer chronischen Hepatitis B-Infektion.2

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sind in Deutschland mindestens 300.000 Menschen infiziert.8 Männer sind hierzulande häufiger betroffen als Frauen; die meisten männlichen Erkrankten sind zwischen 15 und 19 Jahre alt, bei Frauen ist der Anteil in der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen (Stand 2016) am größten.5

Verlauf einer HBV- Infektion

Für den Infizierten ist es oft nicht möglich, die Erkrankung rechtzeitig zu erkennen: 40 Tage bis sechs Monate können vergehen, bis sich die Infektion mit ersten Symptomen bemerkbar macht. Wie viel Zeit vergeht, ist von der Erregermenge abhängig, die während der Infektion übertragen wurde. Tückisch ist, dass Infizierte einige Woche vor Krankheitsausbruch besonders infektiös sind. In dieser Zeit ist das Risiko, dass sie andere Menschen infizieren, deutlich erhöht. Infizierte können also das Virus weitergeben, ohne zu ahnen, dass sie sich mit HBV angesteckt haben.

Eine HBV-Infektion kann recht unterschiedlich verlaufen. Bei etwa einem Drittel der Infizierten kommt es zu einem akuten Ausbruch der Hepatitis B mit Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen und Gelenkschmerzen, schließlich stellen sich Fieber und eine Gelbsucht (Ikterus) ein. Bei einem weiteren Drittel der Infizierten fehlt das auffälligste Krankheitszeichen, die Gelbsucht. Die Ärzte sprechen von einem „anikterischen“ Verlauf. Ein Drittel der Infektionen verläuft, ohne dass sich irgendwelche Symptome zeigen. Sehr selten – bei weniger als einem Prozent der akuten Fälle – kommt es zu einem fulminanten Verlauf, das heißt, die Hepatitis verläuft besonders schwer und rapide.

Die meisten akuten Hepatitis B-Erkrankungen heilen bei Erwachsenen innerhalb von etwa vier Monaten vollständig aus; die Betroffenen haben in der Regel danach lebenslang nachweisbare, schützende Antikörper. Fünf bis zehn Prozent der Infizierten überwinden den Virusbefall nicht; bei ihnen entwickelt sich eine chronische Verlaufsform, die so genannte chronisch-persistierende Hepatitis. Diese Patienten sind stark gefährdet: Sie erleiden mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Leberzirrhose, bei der Lebergewebe zerstört und durch funktionsloses Narbengewebe ersetzt wird. Die chronische HBV-Infektion erhöht auch das Risiko, an Leberzellkrebs zu erkranken. Pro Jahr rechnet das Robert-Koch-Institut in Berlin mit weltweit bis zu einer Million Todesfälle durch Leberzirrhosen und Leberzellkarzinome, die durch eine Hepatitis B-Infektion bedingt sind.

Hepatitis C

Der Erreger

Die Hepatitisviren A und B wurden erstmals in den 1970er Jahren beschrieben. Dass es noch ein weiteres Virus geben muss, das eine Hepatitis verursacht, vermuteten die Wissenschaftler schon damals. Sie konnten den Erreger jedoch nicht nachweisen. Dies gelang im Jahr 1988 mit molekularbiologischen Methoden. Seither heißt die Krankheit, die es auslöst, Hepatitis C (HCV). Zuvor wurde sie „Non-A-Non-B-Hepatitis“ genannt, anzudeuten, dass weder das Hepatitis A- noch das Hepatitis B-Virus der Erreger war. HCV hat sich als besonders gefährliches Mitglied der Hepatitis-Familie entpuppt. Das Virus vermehrt sich in der Leber und wird von den Leberzellen ins Blut freigesetzt. Mehr noch als Typ B verursacht HCV einen chronischen Krankheitsverlauf: Die Daten belegen, dass 60-80% der HCV-Infizierten chronisch krank werden7, bei Typ B sind es nur 5-10 % der Erwachsenen5. Bei den übrigen 20-40% der HCV-Infizierten heilt die Infektion innerhalb von etwa 6 Monaten ohne Behandlung aus.7 Mittlerweile sind sieben verschiedene genetische Varianten (Genotypen) des Hepatitis C-Virus bekannt.4

Ansteckung

Ähnlich wie das Hepatitis B-Virus wird HCV durch Blut und Körperflüssigkeiten übertragen. Die Hauptinfektionsquelle früherer Jahre ist inzwischen versiegt: Seit Blutkonserven und -produkte mit der PCR-Technik, einer hochempfindlichen Nachweismethode, auf HCV geprüft werden, ist die Gefahr einer Übertragung durch Bluttransfusionen entscheidend minimiert.

Inzwischen wird das Virus in erster Linie durch verseuchte Spritzen bei Drogenmissbrauch, durch Nadelstichverletzungen bei medizinischem Personal oder bei medizinischen Eingriffen übertragen. Auch Sexualkontakte können ansteckend sein. Das Risiko ist jedoch gering, wenn nicht zusätzlich eine Geschlechtskrankheit vorliegt. Bei rund 30 Prozent der Patienten lässt sich der Infektionsweg nicht mehr nachvollziehen.

Vorkommen

Weltweit sind nach Angaben der WHO zirka 71 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis C-Virus infiziert.1 In Europa wird die Zahl der chronisch Infizierten auf rund 14 Millionen geschätzt. In Deutschland sind ca. 204.800 Menschen infiziert (Stand: 2015)3. Es ist davon auszugehen, dass den meisten Betroffenen die Infektion nicht bekannt ist. Sie wird häufig zufällig bei Routinetests, etwa einer Blutspende, festgestellt.

Verlauf

Eine HCV-Infektion äußert sich in der Regel nicht mit auffälligen Krankheitszeichen. Die meisten Patienten bemerken die Infektion überhaupt nicht. Manche Patienten klagen über Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Beschwerden im rechten Oberbauch. Nur bei wenigen tritt eine akute Hepatitis mit Gelbsucht auf.

Bei den meisten Infizierten (bis zu 80 Prozent der Fälle7) nistet sich das Virus als Dauergast in den Leberzellen ein: Die Infektion wird chronisch, das heißt, die Hepatitis C-Viren befallen ständig neue Leberzellen. Es kommt zu einer anhaltenden Entzündung, in deren Verlauf abgestorbene Leberzellen durch Narbengewebe (Bindegewebe) ersetzt werden. Wenn in die Leber „wertloses“ Bindegewebe eingelagert wird und die Funktion der Leber beeinträchtigt ist, sprechen die Mediziner im Frühstadium von einer Fibrose, später von einer Zirrhose. Bei rund 15-30 % der chronisch Infizierten hat sich 20 Jahre nach der Ansteckung eine Zirrhose entwickelt.3,7Sie kann in Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom) übergehen. Besonders gefährdet sind chronisch HCV-infizierte Patienten, die übermäßig Alkohol konsumieren.

 Hepatitis C Kranheitsverlauf

Bei den meisten HCV-Infizierten nistet sich das Virus als Dauergast in den Leberzellen ein. Eine anhaltende Entzündung ist die Folge, die von einer Fibrose über eine Leberzirrhose bis hin zu Leberzellkrebs führen kann. 

Eine Impfung ist nicht möglich.

Referenzen

  1. WHO Global Hepatitis Report, 2017

  2. WHO Fact Sheet Hepatitis B, July 2016

  3. Smith DB 2014 Hepatology vol.59(1) pp.318-27

  4. RKI Epidemiologisches Bulletin, Nr. 31/2017

  5. RKI-Ratgeber – Hepatitis B und D, Mai 2018 (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisB.html)

  6. WHO Fact Sheet Hepatitis C, July 2018

  7. Bundesgesundheitsministerium: “Bis 2030 – Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen“, 2016