Sepsis

Schnell die richtigen Antibiotika geben

Menschen mit schwerer Sepsis oder septischem Schock sind schwer krank und müssen fast immer auf der Intensivstation behandelt werden. Der Zeitpunkt der Diagnose und der früheste mögliche Beginn einer zielgerichteten, effektiven Therapie sind entscheidend für das Überleben eines Sepsis-Patienten. Jede Stunde zählt, wenn es darum geht, die Ausbreitung von Bakterien oder Pilzen im Körper zu stoppen.

Die rechtzeitige Behandlung mit den richtigen Antibiotika ist die Basis jeder erfolgreichen Sepsis-Therapie. Beim Verdacht auf eine Sepsis schickt der Intensivmediziner deshalb so schnell wie möglich Blut zur Untersuchung an das mikrobiologische Labor. Die Untersuchung des Blutes dauert häufig mehrere Tage.

In der Zwischenzeit beginnt der Arzt mit einer antibiotischen Therapie, die auf Erfahrungswerte gestützt ist. Der die Sepsis verursachende Erreger ist zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht bekannt.

Bevorzugt werden in diesem Fall Breitband-Antibiotika angewendet, durch die eine Vielzahl von verschiedenen Erregern bekämpft werden kann. Bei einer solchen Behandlung besteht allerdings die Gefahr, dass der eigentliche Erreger nicht auf die Behandlung anspricht, da er nicht im Wirkungsspektrum des Medikaments liegt.

Statistisch gesehen ist deshalb mehr als ein Viertel dieser empirischen Therapieentscheidungen falsch. Das kann dramatische Auswirkungen haben: Mehrere Studien zeigen, dass das Sterblichkeitsrisiko schwer kranker Intensivpatienten deutlich höher ist, wenn sie zu Beginn der Therapie mit einem unwirksamen Antibiotikum behandelt wurden.

Infektionsherd beseitigen und Kreislauf stabilisieren

Die Lokalisierung und Beseitigung des Infektionsherdes verlangt oft einen schnellen chirurgischen Eingriff. Denn was hilft das beste Antibiotikum, wenn die Quelle, aus der die Erreger „sprudeln“, nicht stillgelegt wird? Das gilt besonders dann, wenn die Infektionen im Bauch oder Becken ihren Ursprung haben. Aber auch Zahnentzündungen und Hautvereiterungen müssen rasch vollständig beseitigt werden. In etwa 20 Prozent aller Sepsisfälle gelingt es trotz aller Bemühungen aber nicht, den Ursprungsort der Infektion ausfindig zu machen.

Sofortmaßnahmen zur Stabilisierung des Kreislaufs sind unerlässlich, um Patienten mit einer schweren Sepsis zu retten. Dazu gehören die Behandlung mit Blutdruck steigernden Substanzen und die Flüssigkeitszufuhr durch einen intravenösen Katheter. Über diesen kann auch Nahrung zugeführt werden.

Die Organe vor dem Versagen retten

Die Unterstützung der Lungenfunktion durch künstliche Beatmung sowie die Sicherstellung der Nierenfunktion durch ständige Filtration des Blutes gehören zum intensivmedizinischen Standardrepertoire, um schwer kranke Sepsis-Patienten zu retten. Auch die oft notwendige Gabe von Schmerz- und Beruhigungsmitteln ist hier zu nennen.

Die Behandlungsmöglichkeiten weiter entwickeln

Ein Medikament, das die Überreaktion des Immunsystems bei der Sepsis gezielt unterbindet, gibt es noch nicht. Ein kürzlich zugelassenes Medikament eröffnet jedoch neue Perspektiven der Sepsistherapie. Es ist das aktivierte Protein C, eine körpereigene Substanz, die die lebensbedrohliche Blutgerinnung im septischen Schock hemmt. In ein vielversprechendes Stadium eingetreten sind nach Angaben der Deutschen Sepsis-Gesellschaft auch klinische Prüfungen mit niedrig dosiertem Hydrocortison und mit einem Selenium-Präparat.