B-Zellen & MS: Ihren wissenschaftlichen Stellenwert verstehen

B-Zellen & MS: Ihren wissenschaftlichen Stellenwert verstehen

Wenn B-Zellen in das Zentralnervensystem (ZNS) eingewandert sind, können sie die Pathophysiologie der Multiplen Sklerose (MS) über zahlreiche Funktionen beeinflussen:

  • Antigen-Präsentation 1,2
  • Zytokin-Produktion 3,4
  • Autoantikörper-Produktion 4,6
  • Ektopische lymphoide follikelartige Strukturen 7,8

Antigen-Präsentation

MS - Antigen-Präsentation
  • B-Zellen können Auto-Antigene präsentieren und kostimulatorische Signale zur Aktivierung von T-Zellen aussenden 1,2
  • Eine Fehlfunktion in der Antigen-Präsentation durch B-Zellen kann bei MS-Patienten zu einer übermäßigen T-Zell-Antwort führen

Fremdantigen-Exposition (Tetanustoxoid oder Mumpsviren): B-Zellen von gesunden Kontrollpersonen oder MS-Patienten können eine T-Zell Proliferation gleichermaßen auslösen* 9,10

Foreign antigen exposure
  • APC=Antigen-präsentierende Zellen; CSFE=Carboxyfluoresceinsuccinimidylester.
  • *T-Zellen wurden 5 Tage mit Memory– oder naiven B-Zellen und Mumpsviren oder Tetanustoxoid kultiviert. Die Proliferation wurde quantifiziert, indem die Anzahl der CD4+ T-Zellen in dem CSFE "low gate" durch die Gesamtzahl der T-Zellen in dem "live gate" dividiert wurde. 9
Adaptiert von: Ireland SJ, et al. Autoimmunity 2012;45(5):400–14, reproduziert mit Genehmigung von TAYLOR & FRANCIS LTD via Copyright Clearance Center.

Neuroantigen (Myelin-Oligodendrozytenprotein oder Myelin-Basisprotein)-Exposition: Nur B-Zellen von MS-Patienten lösen eine T-Zell-Proliferation aus† 9,10

Neuroantigen exposure
  • † T-Zellen wurden 5 Tage mit Memory– oder naiven B-Zellen und Myelin-Oligodendrozytenprotein oder Myelin-Basisprotein kultiviert. Die Proliferation wurde quantifiziert, indem die Anzahl der CD4+ T-Zellen in dem CSFE „low gate“ durch die Gesamtzahl der T-Zellen in dem „live gate“ dividiert wurde. 9
Adaptiert von: Ireland SJ, et al. Autoimmunity 2012;45(5):400–14, reproduziert mit Genehmigung von TAYLOR & FRANCIS LTD via Copyright Clearance Center.

Zytokin-Produktion

MS-Zytokinregulation
  • B-Zellen können proinflammatorische Zytokine in größeren relativen Anteilen als protektive Zytokine sezernieren. 11,12
  • Bei MS kann die Zytokin-Produktion durch B-Zellen fehlreguliert sein, was zu übermäßigen Immunantworten anderer Immunzellen führt oder die Fähigkeit reduziert, andere Immunantworten zu regulieren.
  • B-Zellen von MS-Patienten können anormale Zytokin-Antworten auslösen 11


Erhöhte proinflammatorisch Zytokin-Profile bei MS-Patienten 11

Increased proinflammatory cytokine profiles Bar-Or A, et al. Ann Neurol. 2010;67(4):452–61 with permission from John Wiley & Sons.

Erniedrigte antiinflammatorische Zytokin-Profile bei MS Patienten 11

Decreased anti-inflammatory cytokine profiles Bar-Or A, et al. Ann Neurol. 2010;67(4):452–61 with permission from John Wiley & Sons.

Autoantikörper-Produktion

MS - Antikörper-Produktion

B-Zellen können Autoantikörper produzieren, die zu Gewebeschäden und zur Aktivierung von Makrophagen und natürlichen Killerzellen führen können 5,6

Bei > 95% der MS-Patienten finden sich im Zentralnervensystem (ZNS) erhöhte Konzentrationen von Antikörpern.13 Oligoklonale Antikörper, die von einer kleinen Anzahl von B-Zellklonen produziert werden, können in der Zerebrospinalflüssigkeit akkumulieren. 13,14
The presence of oligoclonal bands in the cerebrospinal fluid supports a diagnosis of MS

Der Nachweis oligo­klonaler Banden in der Zerebro­spinal­flüssigkeit unterstützt die Diagnose einer MS 13-15

Oligoklonale Banden stammen aus B-Zellklonen, welche sich aus jeweils einer Antikörper-produzierenden B-Zelle entwickelt haben.3,16
MS - Meningeale lymphoide follikelartige Struktur

B-Zellen können meningeale lymphoide follikelartige Strukturen bilden, die mit der Aktivierung von Mikroglia, lokaler Entzündung und neuronalem Verlust im nahegelegenen Kortex verbunden sind. 7,8



Ectopic follicle-like aggregates are associated with early onset of MS disease progression F-SPMS = Follikel-negative sekundär progrediente Multiple Sklerose; F+SPMS = Follikel-positive sekundär progrediente Multiple Sklerose. Magliozzi R, et al. Brain 2007;130 (pt 4):1089–104 mit Genehmigung von Oxford University Press

Ektopische follikelartige Strukturen sind mit mit einem frühen Beginn der MS-Krankheitsprogression assoziiert 17

CD20 ist ein wichtiges Kennungsmerkmal von B-Zellen 18-21

Während der Entwicklung von B-Zellen werden spezifische Moleküle auf der Zelloberfläche, sogenannte “clusters of differentiation” (CD), in verschiedenen Stadien der B-Zell-Reifung exprimiert.21 Diese Moleküle können eine Rolle bei der B-Zell-Differenzierung, der Signaltransduktion bei der Antigen-Antwort und bei der Regulation der Zytokin-Produktion spielen.

CD20+ B-Zellen sind eine potentielle Zielstruktur zur Behandlung von MS

Forscher untersuchen zurzeit, ob die zielgerichtete Bindung an Oberflächenrezeptoren, die in den unterschiedlichen Stadien der B-Zellreifung exprimiert werden, helfen kann, die spezifischen pathogenen B-Zellen bei MS zu eliminieren. Stages of B-cell maturation CD20 ist ein Antigen, das auf der Zelloberfläche von B-Vorläuferzellen bis zum Plasmablasten-Stadium vorkommt, es wird aber nicht auf B-Stamm- und Pro-B-Zellen sowie Plasmazellen exprimiert.18-20

Referenzen

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