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Big Data wird die nächste Generation der personalisierten Medizin einläuten

Dr. Marlene Thomas, International Scientific Director for PHC, Roche 

Die Onkologie steht vor einem Umbruch: Digitalisierung, umfassende Tumordiagnostik und der Einsatz von Big Data gehören aktuell zu den meist diskutierten Themen. Wir haben mit Dr. Marlene Thomas, International Scientific Director für Personalisierte Medizin bei Roche in Basel, über das Potenzial und die Herausforderungen von Big Data in der Onkologie gesprochen.


Welchen Beitrag leistet Big Data in der Krebsmedizin?

Der aktuelle Hype um Big Data hat durchaus seine Berechtigung: Die Digitalisierung wird nicht nur die Behandlung von Krebspatienten, sondern vor allem auch die Forschung revolutionieren. Wir bei Roche sind fest davon überzeugt, dass die sinnvolle Nutzung von Big Data, die nächste Generation der personalisierten Medizin einläuten wird. Allerdings ersetzt Big Data bzw. die Digitalisierung niemals den Arzt  – die aus Daten gewonnen Informationen sind immer nur als Ergänzung zu betrachten. Schließlich kennt der Arzt seinen Patienten und dessen Krankheitsgeschichte am besten.

Wie nutzt Roche Big Data in der Onkologie?

In der Onkologie nutzen wir bereits heute Big Data, die sich u.a. ausneuen diagnostischen Verfahren, wie zum Beispiel der Gensequenzierung ableiten. Ein aktuelles Beispiel ist unser Service FoundationOne®. Dieser testet zunächst eine Tumorprobe auf über 300 Genmutationen, die für die Entstehung des Tumors relevant sein können. Im nächsten Schritt interpretieren hochqualifizierte Bioinformatiker die gefundenen Genmutationen basierend auf der Erfahrung von mehr als 100.000 untersuchten Proben. Sämtliche ermittelten genetischen Veränderungen werden auf der Basis des aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen Kenntnisstands und veröffentlichter klinischer Daten mit zielgerichteten Therapien und klinischen Studienprogrammen abgeglichen und in einem Report für den Arzt zusammengefasst. Diese Informationen unterstützen den Arzt dabei, für seinen Patienten eine individuelle, sprich personalisierte Therapieentscheidung zu treffen.

Wie beeinflusst Big Data die Forschung?

Der Einsatz von Big Data in der Forschung bringt viele Vorteile mit sich. Ein großer Kritikpunkt in der Onkologie ist immer wieder, dass Studiendesigns sich oft von der klinischen Routine bzw. dem echten Leben unterscheiden. Daten aus dem echten Leben, sogenannte „Real World Data“, sind daher eine wertvolle Ergänzung zu klinischen Studien. Zudem sind sie wertvoll für Forschung und frühe Entwicklungsprogramme. Zukünftig werden wir Tumore noch viel präziser beschreiben können, basierend auf molekularen Veränderungen und ihrer Lokalisation. Gleichzeitig werden wir immer besser verstehen, warum Tumore ganz unterschiedlich auf Therapien ansprechen.

Welche Herausforderungen sehen Sie in diesem Feld?

Die Menge digitaler Informationen wächst exponentiell – das ist einerseits gut, andererseits bringt diese Datenflut neue Herausforderungen mit sich. Ziel muss es sein die großen Mengen an unterschiedlichsten Daten zu verstehen und für die klinische Routine anwendbar zu machen, damit Patienten am Ende auch wirklich einen Mehrwert haben. Der Bedarf an IT und Bioinformatik Lösungen ist hierbei nicht zu unterschätzen. Hinzu kommt, dass die Rahmenbedingungen rund um den Datenschutz einen sicheren Umgang mit den Patientendaten gewährleisten müssen.