Personalisierte Medizin

Was versteht man unter personalisierter Medizin?

Zwei Patienten mit der auf den ersten Blick gleichen Diagnose können auf dieselbe Therapie ganz unterschiedlich ansprechen. Während ein Medikament dem einen Patienten hilft, stellt sich bei dem anderen der erhoffte Nutzen nicht ein. Dies beruht in erster Linie auf den unterschiedlichen genetischen und biologischen Gegebenheiten der Erkrankung. Ein Beispiel dafür ist Lungenkrebs: Sprach man früher nur von zwei Hauptarten, dem kleinzelligen und nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, weiß man heute: Zahlreiche Genmutationen spielen bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Lungenkrebs eine entscheidende Rolle. 

Dieses Wissen um die Diversität einzelner Erkrankungen nutzt die personalisierte Medizin, bei der Entwicklung von diagnostischen Tests und Arzneimitteln, die sich u. a. zielgerichtet gegen einzelne Genmutationen richten. Denn heute bedeutet personalisierten Medizin: Den richtigen Patienten mit der richtigen Therapie zum richtigen Zeitpunkt zu behandeln.

Personalisierte Medizin

Welchen Nutzen hat die personalisierte Medizin?

Ziel der personalisierten Medizin ist es, die Patienten von vornherein zu identifizieren, die von einer Therapie profitieren, und jene auszuschließen, bei denen die Therapie nicht wirkt. Für den einzelnen Patienten bedeutet dies: Auf Basis eines diagnostischen Tests erhält er die für ihn am besten geeignete Therapie. Damit gehen weitere Vorteile einher:

  • Die personalisierte Medizin erhöht den Behandlungserfolg und verbessert so die Prognose und die Lebensqualität des Patienten.
  • Die personalisierte Medizin trägt dazu bei, die Gesundheitsversorgung kosteneffizienter zu gestalten, da unwirksame Therapien und unnötige Therapiekosten vermieden werden.
  • Die personalisierte Medizin ist ein Treiber für den Fortschritt: Die Erkenntnisse auf dem Gebiet der personalisierten Medizin eröffnen neue Ansatzpunkte für die Entwicklung weiterer zielgerichteter Substanzen.

Was sind die Herausforderungen der personalisierten Medizin?

Die größte Herausforderung ist die Komplexität der Erkrankungen selbst. So haben Wissenschaftler beispielsweise die Tumorzellen von 50 Brustkrebspatientinnen untersucht. Das Ergebnis waren rund 1.700 unterschiedliche Gen-Mutationen, wobei einige dieser Mutationen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Erkrankung spielen. Das Beispiel zeigt, wie wichtig ein tiefes Verständnis der molekularbiologischen Grundlagen einer Erkrankung ist. Voraussetzung für dieses Verständnis ist intensive Forschung – und diese Forschung ist zeitaufwändig und kostenintensiv. Es wird nicht in allen Fällen möglich sein, personalisierte Lösungen zu entwickeln. Roche setzt sich dafür ein, das Potenzial der personalisierten Medizin jedoch für möglichst viele Therapiebereiche auszuschöpfen.

Welche Beispiele für personalisierte Medizin gibt es bereits?

Personalisierte Medizin ist keine Zukunftsmusik – sie findet heute bereits statt. In Deutschland sind über 50 Wirkstoffe zugelassen, die auf eine bestimmte Patientengruppe zugeschnitten sind. Für die überwiegende Mehrheit dieser Wirkstoffe ist ein begleitender diagnostischer Test vorgeschrieben – für die weiteren Wirkstoffe wird ein solcher Test im Vorfeld ausdrücklich empfohlen.1

Wohin entwickelt sich die personalisierte Medizin?

Während die personalisierte Medizin heute den Ansatz verfolgt, eine zielgerichtete Therapie pro Patient zu bieten, werden in Zukunft mehrere Therapieoptionen für den Patienten zur Verfügung stehen. Grundlage dafür ist ein noch besseres Verständnis der molekularen Grundlagen einer Erkrankung. In der Onkologie weiß man heute, dass jeder Tumor eine individuelle DNA mit krebstypischen Genmutationen besitzt. Moderne Verfahren machen es möglich, das Tumorgewebe zu sequenzieren und damit die Genmutationen, die für die Entstehung und Fortschreiten des Krebses verantwortlich sind,  zu entschlüsseln. Aktuell bietet Roche – in Kooperation mit Foundation Medicine Inc. (FMI) – den Service FoundationOne® an. Der Service untersucht Tumor-DNA auf mehr als 300 krebstypische Mutationen. Der behandelnde Onkologe erhält anschließend eine umfassende Genanalyse inklusive einer Auflistung möglicher Therapieoptionen sowie potentieller klinischer Studien, für die sich der jeweilige Patient eignet. Auf Basis dieses Berichtes kann der behandelnde Arzt Therapieoptionen wählen, die für den Patienten und seine Lebensumstände passen. 

Referenzen

  1. Verband forschender Arzneimittelhersteller e. V. (vfa): In Deutschland zugelassene Arzneimittel für die Personalisierte Medizin