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Meine Arbeit kreiste um Enzyme, Substrate und Reaktionsketten

Gerhard Michal

Gerhard Michal - Biochemical Pathways

Jeder merkt es: Alles um uns herum verändert sich rasend schnell. Die Wissenschaften sind einer der Schrittmacher dieser Entwicklung. Laut Wikipedia verdoppelt sich das Weltwissen alle fünf bis zwölf Jahre. Mit dem Wissen ändern sich die Druckwerke, in denen es aufgeschrieben steht. Ohne laufende Aufdatierung würden Standard­werke von heute morgen nur noch als Türstopper taugen

Ein Standardwerk allerdings erfreut sich schon seit fast 50 Jahren ungebrochener Popularität: Die heutigen Roche Biochemical Pathways fassen auf zwei riesigen Postern die wichtigsten biochemischen Reaktionen zusammen. Dr. Gerhard Michal hat die Pathways 1965 erstmals aufgelegt und immer wieder überarbeitet. Heute hängen sie zwischen Alaska und Neuseeland in fast jedem Forschungsinstitut. Die Arbeit an seinem Lebenswerk haben Michal offenbar jung gehalten, seine 82 Jahre sieht man ihm nicht an. Er wirkt fit und hellwach und ist stolz darauf, mit seinem Werk jungen Leuten einen Einblick in die Wissenschaft ermöglicht zu haben.

Jeder kennt Sie als Vater der Biochemical Pathways, aber was war Ihre eigentliche Aufgabe bei Boehringer Mannheim?

Dr. Gerhard Michal: Zu Beginn meiner Karriere Anfang der 60er-Jahre war ich Gruppenleiter in der Forschung in Tutzing und habe mich mit Fragen der enzymatischen Analyse, auch schon mit Blick auf die Diagnostik, beschäftigt. Meine Arbeit kreiste um Enzyme, Substrate, Reaktionsketten.

Wie kamen die Pathways ins Spiel?

Dr. Gerhard Michal: Die Biochemical Pathways entstanden aus dem Bedürfnis heraus, einen Überblick über den Wissensstand zu bekommen, Wichtiges von Unwichtigem zu selektieren und daraus Schlüsse für die Arbeit abzuleiten. Eine kommerzielle Verwertung war damals nicht geplant.

Die Poster sind ein Meilenstein und weltweit etabliert – wie werden sie in Zukunft aussehen?

Dr. Gerhard Michal: Eine Weiterentwicklung ist sicher das Pathway-Buch, dessen zweite Auflage kürzlich erschienen ist und in dem die in den Postern oberflächlich dargestellten Reaktionsschemata ausführlich erklärt werden. Das Buch ist ein ideales Lernmittel für Schüler und Studenten. Die Zukunft der Pathways liegt vielleicht in den elektronischen Medien, im Internet, aber wie genau das aussieht, ist schwer zu sagen. Das Wissen nimmt immer mehr zu, neben der Auswahl der dargestellten Information wird sicher die Strukturierung immer wichtiger werden.

Welche Eigenschaften braucht man als Autor eines solchen Projekts?

Dr. Gerhard Michal: Überblick, Fähigkeit zur Selektion, Zähigkeit und Geduld sind wichtige Eigenschaften, Kenntnis und Verständnis der Wissenschaft ist obligatorisch.

Was hält sie jung und aktiv?

Dr. Gerhard Michal: Ganz einfach: Ich pflege und lebe meine Interessen, in der Wissenschaft, aber auch in Kunst und Kultur mit Museums- und Konzertbesuchen.