Claire Pesterfield ; Bild: Nr. 205

Wir haben eine Warteliste von über drei Jahren. Darauf stehen auch Kinder mit Typ-1-Diabetes.


Claire Guest
Geschäftsführerin Medical Detection Dogs

Immer der Nase nach

Die Freude war tierisch gross, als Roche Pharma UK ihre Charity of the Year – Medical Detection Dogs – offiziell vorstellte. Die britische Hilfsorganisation bildet Hunde aus, die Krankheiten am Geruch von Menschen aufspüren.

Anlässlich der Auftaktveranstaltung am Sitz von Roche Pharma in Welwyn Garden City hatten Mitarbeitende Gelegenheit, einige der lebensrettenden Hunde kennenzulernen und mehr über deren Arbeit zu erfahren. Im Rahmen einer Town Hall für die britischen Mitarbeitenden von Roche bedankte sich Claire Guest, Geschäftsführerin von Medical Detection Dogs, für die wertvolle Unterstützung.

«Wir haben zurzeit 48 Hunde, die Menschen mit verschiedenen Erkrankungen im Alltag partnerschaftlich unterstützen. Es gibt aber eine Liste von fast 50 Menschen, die ebenfalls auf die Hilfe eines Hundes warten», erklärte sie. Claire Guest berichtete über ihre persönlichen Erfahrungen mit Brustkrebs und wie Daisy, ein ausgebildeter Krebsspürhund, sie auf ihren Tumor aufmerksam gemacht habe. Ohne Daisys hartnäckiges Stupsen, so Claire Guest, hätte sie den Knoten vielleicht nicht bemerkt und ihre Krebserkrankung wäre wahrscheinlich erst viel später entdeckt worden.

Ein Arzt sagte ihr, dass sich ihre Prognose dank Daisys Verhalten verbessert habe. An der Präsentation nahm auch Magic teil, ein medizinischer Spürhund für Claire Pesterfield, die seit 30 Jahren an Typ-1-Diabetes leidet. Sie berichtete, wie Magic sie jeden Tag aufs Neue unterstützt. «Wenn ich meine Medikamente nicht nehme oder der Blutzuckerspiegel schwankt, springt Magic an mir hoch» erläuterte sie Roche-Mitarbeitenden. «Ignoriere ich ihn, lässt er nicht locker. Er hat mich sicher Hunderte Male gewarnt – meistens liegt er richtig.»

Wie Roche hilft

Die Ausbildung eines Hundes kostet im Schnitt etwa 10’000 britische Pfund (rund 12’000 Euro). Die Roche-Mitarbeitenden haben bereits über 3000 britische Pfund gesammelt. Für dieses Jahr sind diverse Aktivitäten wie eine Quiznacht, ein Büchertag, ein Trimmrad-Wettbewerb und mehr geplant. Das von Roche gesammelte Geld wird für die Ausbildung von medizinischen Spürhunden eingesetzt, damit mehr Patienten die dringend benötigte Hilfe erhalten können.

«Wir haben eine Warteliste von über drei Jahren», betont Claire Guest. «Auf ihr stehen auch einige Kleinkinder mit sehr labilem (instabilem) Typ-1-Diabetes.» Die meisten Hunde, die zu einem der gefragten medizinischen Spürhunde ausgebildet werden, stammen aus Tierheimen oder waren ursprünglich als Blindenführhunde vorgesehen. «Ein guter Blindenführhund muss sich stark auf die visuelle Wahrnehmung konzentrieren und ständig die Umgebung beobachten», so Claire Guest. «Wenn der Hund zu sehr auf Gerüche in seiner Umgebung fixiert ist, wird er kein guter Blindenführhund.

Aber stattdessen hat er vielleicht genau das, was wir brauchen.» Etwa 80 Prozent der als Anwärter angenommenen Hunde schaff en die Ausbildung zum medizinischen Spürhund. Für die Krebserkennung sind Jagdhunderassen (Spaniel, Retriever und Setter) hervorragend geeignet. Für andere medizinische Spüraufgaben kommen alle Rassen mit gutem Spürsinn und der Neigung zu einer engen Beziehung zu ihrem Halter in Frage. Bei der Ausbildung lernt der Hund, einen Geruch mit einer bestimmten Krankheit zu verbinden oder eine biochemische Veränderung am veränderten Geruch der betreffenden Person zu erkennen.

«Die Ausbildung von Krebsspürhunden ist schwieriger, weil man ja nicht einfach Urin- und Atemproben wie bei der Ausbildung von Diabetiker-Warnhunden verwenden kann», so Claire Guest. «Wir wissen nicht, wie Krebs für Hunde riecht, aber je länger sie trainieren, desto besser werden sie. Daisy zum Beispiel erkennt Blasenkrebs mit einer Trefferquote von etwa 93 Prozent.» Anders als das Seh- und Hörvermögen scheint der Geruchssinn von Hunden mit fortschreitendem Alter nicht nachzulassen, weshalb medizinische Spürhunde lebenslange Begleiter und Helfer sein können.

Wissenschaftler erkennen immer mehr, dass sie längst nicht alles wissen über den aussergewöhnlichen Geruchssinn von Hunden. «Wir wissen, dass Hunde 300 Millionen Sinnesrezeptoren in der Nase haben und in der Lage sind, ein Molekül unter Millionen anderen zu erschnüffeln» sagt Claire Guest. «Hunde spüren Substanzen schon in winzigen Konzentrationen auf.»