CMV-Infektion - Bedeutung für transplantierte Patienten

Welche Rolle spielt CMV bei der Organtransplantation?

Um eine Abstoßung des Organtransplantats zu vermeiden, werden Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem hemmen (Immunsuppressiva). Dadurch wird die Infektabwehr des transplantierten Patienten ebenfalls stark reduziert; die Häufigkeit und Schwere von Infektionen steigt. Die CMV-Reaktivierung ist eine der häufigsten infektiösen Komplikationen bei Organtransplantationen und kann unbehandelt zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung führen.

Transplantate von einem CMV-positiven Spender führen bei einem CMV-negativen Organempfänger (S+/E-) zu einem sehr großen CMV-Erkrankungsrisiko. Die anfangs sehr starke immunsuppressive Behandlung führt rasch und häufig zu einer CMV-Reaktivierung. CMV infiziert anschließend, aus dem Transplantat heraus, den Körper des Transplantat-Empfängers. Ohne CMV-Prävention kann es dann zu schweren CMV-Erkrankungen kommen.

Ist der Empfänger bereits CMV-positiv und erhält ein infiziertes Spenderorgan mit einem neuen CMV-Stamm (S+/E+), nennt man dies Superinfektion. Darüber hinaus kann es zur Reaktivierung des CMV-Stammes des Empfängers kommen. Dies kann auch der Fall sein, wenn nur der Empfänger CMV-positiv ist (S-/E+). Sind Organspender und -empfänger beide CMV negativ (S-/E-), ist das CMV-Risiko relativ gering. Dennoch kann es über Blutprodukte oder auf den normalerweise üblichen Wegen zu einer Infektion kommen. Eine Zusammenfassung dieser möglichen Konstellationen und der entsprechenden Risikoabschätzung finden Sie im folgenden Schema:

  Spender Sero-pos.
S+
Spender Sero-neg.
S-
Empfänger Sero-pos.
E+
Sekundärinfektion verläuft weniger schwerwiegend Geringes Risiko, gelegentliche Reaktivierung
Empfänger Sero-neg.
E-
Hohe Wahrscheinlichkeit einer Primärinfektion Günstigste Konstellation, es kann jedoch trotzdem zu einer CMV-Neu-Infektion kommen

Von besonderer Bedeutung ist, dass eine CMV-Erkrankung fast immer das Transplantat einschließt und die Transplantatfunktion verschlechtert. Darüber hinaus kann eine CMV-Erkrankung eine akute Abstoßung, und eine Abstoßungsreaktion wiederum eine CMV-Reaktivierung mit nachfolgender Erkrankung auslösen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit gegen CMV-Erkrankungen vorzubeugen.

Wann ist die Gefahr einer CMV-Erkrankung besonders groß?

In den ersten drei Monaten nach einer Organtransplantation ist die Gefahr einer CMV-Erkrankung besonders groß, weil in dieser Frühphase das Immunsystem besonders stark gehemmt wird, um eine akute Abstoßungsreaktion auszuschließen. Nach dieser Zeit ist die Immunsuppression in der Regel so weit reduziert, dass auch das Risiko für das Auftreten von CMV-Erkrankungen deutlich reduziert ist. Es kommt daher insbesondere in den ersten drei Monaten darauf an, eine effektive CMV-Prävention zu verfolgen.