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Therapie des hellen Hautkrebses

Medikamentöse Verfahren

Zu den medikamentösen Behandlungen, auf die Ärzte beim hellen Hautkrebs zurückgreifen, gehörten bislang vornehmlich topische Therapien. Sie werden auch als örtliche oder lokale Behandlung bezeichnet. Cremes, Salben und Gels sind typische Grundlagen dieser Therapieform. Anders als Tabletten oder Infusionen erreichen die Wirkstoffe nur die vom Tumor befallene Hautpartie.

Eine topische Therapie nimmt im Vergleich zu chirurgischen Verfahren zwar mehr Zeit in Anspruch, erzielt aber gute kosmetische Ergebnisse. Gerade großflächig geschädigte Hautareale lassen sich so wirkungsvoll behandeln. Darüber hinaus kommt in seltenen Fällen eine Chemotherapie infrage. Für das fortgeschrittene Basalzellkarzinom ist eine medikamentöse Behandlung in Tablettenform verfügbar: der sogenannte Hedgehog-Signalhemmer.

Diclofenac-Hyaluronsäure-Gel

Der Wirkstoff Diclofenac plus Hyaluronsäure steht in Form eines Gels zur Verfügung und hilft insbesondere Patienten mit flächenhaft auftretenden aktinischen Keratosen. In 80% der Fälle heilt die erkrankte Hautstelle weitgehend ab. Das Gel ist meist gut verträglich und leicht anzuwenden: Betroffene tragen es maximal drei Monate lang zweimal täglich auf.

Ingenolmebutat-Gel

Seit Ende 2012 ist in Deutschland ein Gel mit dem Wirkstoff Ingenolmebutat zugelassen. Er stammt aus der Garten-Wolfsmilch – eine Pflanzenart, die gemeinhin als Unkraut gilt. Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Patienten mit aktinischer Keratose darauf ansprechen. Das Gel ist in verschiedenen Dosierungen erhältlich. Liegt die betroffene Stelle im Gesicht oder auf der Kopfhaut, ist die schwächer dosierte Variante empfehlenswert. Der Patient sollte die Stelle an drei aufeinanderfolgenden Tagen eincremen. Die stärker dosierte Variante eignet sich für Hautpartien unterhalb des Kopfes, etwa den Nacken, die Arme und Beine oder den Rumpf. Die Behandlungszeit beträgt hier nur zwei aufeinanderfolgende Tage.

Ob die Therapie wirkt, kann der Arzt nach etwa acht Wochen beurteilen. Oftmals rötet sich die Haut, sie schuppt oder löst sich an den behandelten Stellen ab. Zudem können sich Blasen, Schorf oder Schwellungen bilden. Diese Nebenwirkungen treten meist kurz nach Therapiebeginn auf und klingen nach zwei bis vier Wochen wieder ab.

5-Fluorouracil-Creme

Cremes mit dem Wirkstoff 5-Fluorouracil, auch 5-FU genannt, sind vor allem bei aktinischen Keratosen, bestimmten Arten des Basalzellkarzinoms und beim Gorlin-Goltz-Syndrom effektiv. 5-FU ist ein zellschädigender Wirkstoff, der im Rahmen von Chemotherapien angewendet wird. Die Behandlung mit einer Creme bezeichnet man als lokale Chemotherapie, weil sie – im Gegensatz zur herkömmlichen Chemotherapie– nicht im gesamten Organismus wirkt, sondern nur an der Körperstelle, an der sie aufgetragen wird.

Die Patienten müssen die Haut zwischen vier und sechs Wochen lang täglich zweimal damit einreiben. Die Creme kann für den Körper belastend sein: Hauptsächlich leiden die Betroffenen unter schmerzhaften Entzündungen, Blasen, Juckreiz und Rötungen.

Imiquimod-Creme

Die Behandlung mit einer Imiquimod- Creme ist eine sogenannte Immuntherapie. Der Wirkstoff Imiquimod aktiviert das körpereigene Immunsystem, die Krebszellen zu bekämpfen. Der Patient trägt die Creme über ein bis vier Monate drei- bis fünfmal wöchentlich auf die betroffenen Stellen auf. Wenn sich die Haut vorübergehend rötet, nässt und anschwillt, wirkt das Medikament: Das Immunsystem beginnt dann spürbar, sich gegen den Krebs zu wehren. Die Entzündung sorgt dafür, dass die Hautveränderung nach und nach vollständig abheilt.

Die Imiquimod-Creme hilft bei aktinischen Keratosen und bestimmten Arten des Basalzellkarzinoms, unter anderem beim Gorlin-Goltz-Syndrom. Sie kann auch Nebenwirkungen verursachen: Die Haut kann sich röten, schuppen, nässen und verkrusten. Damit verbunden sind Juckreiz, Schmerzen und Brennen.

Photodynamische Therapie (PDT)

Die photodynamische Therapie hat sich bei Tumoren bewährt, die nur bis zu einer bestimmten Tiefe in die Haut eingewachsen sind. Da sie gute Behandlungsergebnisse erzielt, gilt sie oftmals als Therapie der Wahl bei aktinischen Keratosen, Morbus Bowen und einigen Basalzellkarzinomen. Das Verfahren ist außerdem von Vorteil, wenn ausgedehnte, flächige Tumoren behandelt werden müssen – oder ein Bereich wie die Nasenspitze, wo ein chirurgischer Eingriff heikel wäre. Patienten mit einem Basalzellkarzinom oder Morbus Bowen wird empfohlen, die Therapie nach einer Woche zu wiederholen.

Der Arzt befreit das befallene Hautareal im Vorfeld der Therapie per Kürettage von Krusten und Schüppchen. Danach trägt er dort eine Creme auf, die einen Stoff enthält, der vor allem die Krebszellen sehr lichtempfindlich macht. Mit einer Folie bedeckt, muss sie nun einige Stunden einziehen. Die Tumorzellen nehmen die Creme in dieser Zeit sehr viel stärker auf als die gesunden Zellen. Anschließend bestrahlt der Mediziner die Stelle, zum Beispiel mit kaltem Rotlicht. Die bösartigen Zellen reagieren darauf und sterben ab.

Im Verlauf der Bestrahlung verspüren viele Patienten Schmerzen, die sie aber größtenteils als problemlos einstufen. Die behandelte Fläche kann sich jedoch röten, nässen und Krusten bilden. Zudem kann die behandelte Haut helle oder dunkle Flecken aufweisen, die üblicherweise innerhalb von sechs Monaten wieder verschwinden.

Chemotherapie

Ärzte greifen auf eine Chemotherapie mit sogenannten Zytostatika zurück, wenn ein Tumor Tochtergeschwülste gebildet hat, etwa in nahe gelegenen Lymphknoten, in benachbarten Knochen oder entfernten Organen wie Lunge oder Leber. Dies ist bei hellem Hautkrebs jedoch selten der Fall und betrifft – wenn überhaupt – das fortgeschrittene Basalzellkarzinom und das fortgeschrittene Plattenepithelkarzinom. Anders als eine Operation oder Cremes und Salben wirken Zytostatika im gesamten Organismus. Mediziner sprechen deshalb hier von einer systemischen Therapie. Ziel ist es, das Wachstum der Tumorzellen zu hemmen und sie im Idealfall zu zerstören.

Die Zytostatika verteilen sich über die Blutbahnen im ganzen Körper. Der Patient erhält sie meist in regelmäßigen Abständen als Infusionen. Eine Behandlung einschließlich der nachfolgenden Pause nennt man Zyklus.

Die Behandlung geht mit teils starken Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und körperlicher Erschöpfung einher. Weiterhin sind die Patienten anfällig für ansteckende Krankheiten, zum Beispiel Erkältungen. Es kann auch zu grippeähnlichen Symptomen, Leberschäden, Blutarmut und Haarausfall kommen. Dem Arzt stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die den Begleiterscheinungen des Patienten vorbeugen oder sie abschwächen können.

Therapie mit einem Hedgehog-Signalhemmer

Basalzellkarzinome können häufig durch einen chirurgischen Eingriff oder durch ein nicht-operatives Verfahren entfernt werden. Manche Karzinome sind jedoch nicht für Operationen oder Bestrahlungen geeignet. Das ist der Fall, wenn die Funktion eines Organs, beispielsweise eines Auges oder Ohrs, verloren gehen könnte. Auch bei einem lange unbehandelten Karzinom, das vermutlich sehr tief in die Haut eingewachsen ist, kommen diese beiden Therapien nicht mehr infrage. Ärzte sprechen dann von einem fortgeschrittenen Basalzellkarzinom. Sie unterscheiden zwei Formen: Beim lokal fortgeschrittenen Basalzellkarzinom hat der Tumor das umliegende Gewebe befallen. Das metastasierte Basalzellkarzinom hat sich dagegen in weiter entfernte Bereiche des Körpers ausgebreitet und Metastasen – etwa in die Lunge – gestreut.

Lange Zeit gab es für Patienten mit einem fortgeschrittenen Basalzellkarzinom keine angemessene Behandlungsform. Seit Juli 2013 steht ein neues Medikament zur Verfügung, der Hedgehog-Signalhemmer. Die Therapie setzt am sogenannten Hedgehog-Signalweg an.

Eigenschaften des Hedgehog-Signalwegs

Der Hedgehog-Signalweg befindet sich in jeder Zelle des menschlichen Körpers, sollte bei Erwachsenen jedoch abgeschaltet sein. Er sorgt während der Entwicklungsphase des Menschen im Mutterleib unter anderem dafür, dass sich verschiedene Gewebearten in der richtigen Größe, Lage und Zusammensetzung bilden. In den Hautzellen ist der Signalweg an der Entwicklung von Haarfollikeln und Talgdrüsen beteiligt.

Der Hedgehog-Signalweg ist bei den meisten Erwachsenen nicht mehr aktiv. Ganz anders sieht es aber bei Patienten mit einem Basalzellkarzinom aus: Bei mehr als 90% ist im Tumorgewebe ein funktionierender Hedgehog-Signalweg nachweisbar. Durch Veränderungen (Mutationen) im Erbgut ist er wieder angeschaltet worden und sendet Signale aus: Als Folge entsteht ein Tumor.

hedgehog bedeutet IgelDas englische Wort „hedgehog“ bedeutet „Igel“.

Übrigens: Das englische Wort „hedgehog“ bedeutet „Igel“. Wissenschaftler hatten den Einfluss des Hedgehog-Signalwegs bei der embryonalen Entwicklung erstmals in der Fruchtfliege entdeckt. Da ihre Larven aufgrund einer Mutation wie Igel aussahen, wurde der daran beteiligte Signalweg „Hedgehog“ getauft.

Funktionsweise des Medikaments

Hedgehog-SignalwegFunktionsweise des Medikaments

Aufgabe des neuen Medikaments ist es, den Hedgehog-Signalweg lahmzulegen, sodass er keine Botschaften mehr weiterleiten kann. Diese Blockade kann dazu führen, dass der Tumor langsamer wächst, kleiner wird oder sogar ganz verschwindet.

Patienten mit einem fortgeschrittenen Basalzellkarzinom nehmen das Medikament einmal pro Tag als Tablette ein. Die Betroffenen sollten die Einnahme nicht beenden, ohne vorher mit ihrem Arzt gesprochen zu haben.

Als Nebenwirkungen des Hedgehog-Signalhemmers können Muskelkrämpfe, Müdigkeit und Haarausfall auftreten. Möglich sind auch Appetitverlust, Gewichtsabnahme, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und eine Veränderung oder der Verlust des Geschmacksempfindens.