Wie wird Magenkrebs diagnostiziert?

Die Diagnose von Magenkrebs oder eines Übergangtumors wird in der Regel durch die Magenspiegelung, medizinisch Gastroskopie genannt, gestellt. Dabei verwendet der Arzt ein spezielles Gerät, durch dessen beweglichen Schlauch per Video-Optik die Bilder vom Organinneren auf einen Monitor übertragen werden.

Wird ein Tumor gesehen, entnimmt der Arzt Gewebeproben und leitet sie zur feingeweblichen Untersuchung weiter. Im Rahmen dieser Untersuchung kann auch geprüft werden, ob der Tumor an seiner Oberfläche ein bestimmtes Merkmal (HER2) aufweist. Tumoren mit diesem Merkmal können durch eine gezielte Antikörpertherapie behandelt werden.

Um optimal behandeln zu können, untersucht der Arzt anschließend genau, wie weit sich der Magenkrebs möglicherweise schon im Körper ausgebreitet hat. Dies geschieht in der Regel mit einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraums, Röntgenaufnahmen der Lunge sowie einer Computertomographie (CT) von Bauch und Becken.

Je nach Größe und Lage des Tumors erfolgt dann eine Einteilung in verschiedene Stadien. In Abhängigkeit davon wird über die weiteren Therapieschritte entschieden.

Magenspiegelung

Die wichtigste Untersuchung bei Verdacht auf Magenkrebs ist die Magenspiegelung (Gastroskopie) mit einem speziellen Untersuchungsinstrument, dem so genannten Gastroskop.1 Das Gastroskop ist ein optisches Gerät in Form eines biegsamen, flexiblen Kunststoffschlauchs, in dem mehrere Arbeitskanäle verlaufen. In einem Kanal befindet sich eine Videooptik, die Bilder aus dem Körperinneren auf einen Monitor überträgt. Dadurch können mehrere Personen gleichzeitig die Untersuchung verfolgen (Video-Endoskopie).

Der Arzt führt das Gastroskop in den Mund des Patienten ein und schiebt es durch die Speiseröhre (Ösophagus) und über den Magen meist bis in den Zwölffingerdarm vor. Beim langsamen Zurückziehen kann dann die Schleimhautoberfläche des Zwölffingerdarms und des Magens begutachtet werden. An verdächtigen Stellen entnimmt der Arzt mit Hilfe einer kleinen Zange Gewebeproben (Biopsie), die anschließend feingeweblich (histologisch) untersucht werden.

Die Gastroskopie dauert ca. 15 Minuten und kann ambulant bei einem Facharzt für Magen-Darm-Krankheiten (Gastroenterologe) durchgeführt werden. Der Magen sollte möglichst entleert sein, bitte erkundigen Sie sich bei der Terminplanung, wie lange Sie vorher nichts essen dürfen.1

Damit das Einführen des Gastroskops keinen Würgereiz verursacht, kann der Rachen mit einem speziellen Spray vorher betäubt werden. Einige Patienten lassen die Untersuchung mit einem leichten Beruhigungsmittel oder in einer Kurznarkose durchführen, die in einen schlafähnlichen Zustand versetzt. In diesem Fall sollten Sie sich nach der Untersuchung abholen lassen und nicht mehr selber Auto fahren. Die Gastroskopie selbst ist schmerzlos.

Feingewebliche Untersuchung

Die bei der Gastroskopie entnommenen Gewebeproben werden vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht und festgestellt, ob Krebszellen vorhanden sind. Auch eine eventuelle Infektion mit dem Krankheitserreger Helicobacter pylori lässt sich mit der feingeweblichen Untersuchung nachweisen. Zudem können bestimmte Oberflächenmerkmale des Tumors bestimmt werden, die später wichtig für die Therapie sind. Zu diesen wichtigen Oberflächenmerkmalen gehört das HER2-Eiweiß.

Was ist HER2?

Verschiedene Faktoren beeinflussen über Rezeptoren Wachstum und Teilung von Zellen, das gilt auch für Krebszellen. Die Rezeptoren, die wie Empfangsantennen an der Zelloberfläche sitzen, leiten Wachstumssignale an den Zellkern weiter.

HER2-Rezeptoren

Miteinander verbundene HER2-Rezeptoren an der Oberfläche von Krebszellen senden verstärkt Wachstumssignale an den Zellkern.

Auch das HER2-Eiweiß ist ein solcher Rezeptor, der sowohl auf der Oberfläche von gesunden Zellen als auch auf Krebszellen vorkommt. HER2 ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "human epidermal growth factor receptor 2".

Eine normale, gesunde Zelle besitzt nur eine relativ geringe Menge an HER2-Rezeptoren. Das bedeutet: Die Zellteilung verläuft normal langsam und kontrolliert.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bei verschiedenen Krebsarten die Anzahl solcher HER2-Rezeptoren auf der Oberfläche der Krebszellen stark erhöht ist. Man spricht von einer HER2-Überexpression und einem HER2-positiven Tumor. Dazu gehören vor allem Brustkrebs und Magenkrebs: Bei etwa 20% der Magentumore findet sich eine solche HER2-Überexpression.

Wenn sich die übermäßig vielen HER2-Rezeptoren miteinander verbinden, überfluten sie den Zellkern mit Wachstumssignalen. Die Folge: Die Krebszellen teilen und vermehren sich unkontrolliert.

Um dem entgegenzuwirken, wurde ein HER2-Antikörper entwickelt. Durch diese zielgerichtete Antikörper-Therapie können die Wachstumssignale nicht mehr gesendet werden und die Krebszellen sich nicht weiter teilen. 

Die HER2-Antikörpertherapie kann aber nur dann wirken, wenn der HER2-Rezeptor im Übermaß vorhanden ist. Deshalb ist es so wichtig, bei jedem Patienten mit Magenkrebs eine Gewebeprobe zu entnehmen und mithilfe bestimmter Labortests zu untersuchen, ob HER2 auf den Krebszellen massiv vermehrt ist. Wenn dies der Fall ist, kann die Antikörpertherapie eine Therapieoption darstellen.

Referenzen

  1. http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/magenkrebs/symptome.php