Medikamentöse Therapie der juvenilen idiopathischen Arthritis

Die JIA kann heute medikamentös gut behandelt werden

Eine ursächliche Behandlung gibt es aufgrund der unbekannten Auslöser der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) nicht. Aber für die Behandlung stehen heute Medikamente zur Verfügung, mit denen sich das Entzündungsgeschehen kontrollieren und das Fortschreiten der Erkrankung stoppen lassen.

Zu den wichtigsten Medikamenten bei der JIA-Therapie gehören:

  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), die schmerzstillend und antientzündlich wirken
  • Kortison-Präparate, die die Entzündung hemmen
  • Basismedikamente (DMARDs; Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs), die langfristig den Verlauf der JIA positiv beeinflussen
  • Und Biologika, wovon in der Europäischen Union nur ein modernes Biologikum explizit zur Behandlung der systemischen juvenilen idiopathischen Arthritis (sJIA) zugelassen ist. Es greift gezielt in die biologischen Krankheitsmechanismen ein.

Nicht-steroidale Antirheumatika

NSAR helfen überbrückend bei sehr starken Schmerzen

Nicht-steroidale Antirheumatika, abgekürzt NSAR, sind schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente, die kein Kortison (Steroid) enthalten, also kortisonfrei sind, daher der Name „nicht-steroidal“.

Im Unterschied zu anderen Medikamenten wirken NSAR nur symptomatisch: Sie hemmen zwar die Entzündung und lindern schnell den Schmerz, nehmen aber keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf und auch nicht auf die Gelenkzerstörung. Und zudem haben einige Patienten unter Einnahme dieser Art von Schmerz- und Entzündungshemmer Probleme mit dem Magen in Form von Übelkeit, Erbrechen bis hin zur Entwicklung eines Magengeschwürs.

Zur Therapie der JIA werden die folgenden nicht-steroidalen Antirheumatika empfohlen2:

  • Naproxen
  • Diclofenac
  • Ibuprofen
  • Indometacin
  • Meloxicam

Kortison

Kortison wird von unserem Körper selbst gebildet und ist als Medikament gegeben der stärkste Entzündungshemmer, den es gibt. Kortison hat aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung auch in der Behandlung der JIA einen festen Platz.

Zudem wirkt Kortison nicht nur gegen die Entzündung, sondern beeinflusst auch den Krankheitsverlauf günstig und vermindert die Gelenkzerstörung.

Da die Wirkung von Kortison schnell einsetzt, wird Kortison systemisch als Tablette bei hoher Krankheitsaktivität eingesetzt, um z.B. den Zeitraum bis zum Wirkungseintritt anderer Medikamente zu überbrücken.

Bei sehr starken Beschwerden im akuten Schub oder zu Beginn der Erkrankung kann der Arzt Kortison auch direkt ins betroffene Gelenk spritzen.

Die systemische Gabe von Kortison wird daher heute zu Beginn der Therapie und im weiteren Verlauf in Kombination mit einem NSAR und einem Basismedikament wie Methotrexat (MTX) empfohlen.2

Schrittweise wird die Dosis dann reduziert, bis man Kortison ganz absetzt.

Methotrexat

Im Unterschied zu den Schmerzmitteln, den nicht-steroidalen Antirheumatika, lindern Basismedikamente damit nicht nur die Beschwerden, sondern führen im günstigsten Fall zu einer Remission, also einer anhaltenden Rückbildung der Beschwerden und der Krankheitszeichen.

Man spricht daher von den „Disease Modifying Anti Rheumatic Drugs“ (DMARDs), also Medikamenten, die über die Symptomlinderung hinaus wirksam sind und den Krankheitsverlauf modifizieren, also verändern.

Zur Gruppe der Basismedikamente gehören:

  • Methotrexat (MTX)
  • Azathioprin
  • Leflunomid
  • Sulfasalazin

Unter der Behandlung mit Basismedikamenten müssen regelmäßig die Leber-, Nieren- und Blutwerte kontrolliert werden.

Allen Basismedikamenten ist gemeinsam, dass die Wirkung erst nach einiger Zeit - mehrere Wochen bis Monate - einsetzt. Um diese Zeit bis zum Wirkungseintritt zu überbrücken und auch die Entzündung wirksam zu hemmen, wird das Basismedikament in der Regel zusammen mit Kortison oder in Kombination mit Biologika gegeben.

Sofern die Remission unter dem Basismedikament über sechs bis zwölf Monate anhält, kann man es langsam "ausschleichen", das heißt, man verringert nach und nach die Dosis, bis man das Medikament komplett absetzt.

Biologika

Großer Fortschritt für die Rheuma-Therapie

Mit der Zulassung von neuen Medikamenten Ende der 1990er Jahre, den so genannten Biologika, brach ein neues Zeitalter in der Rheuma-Therapie an.

Biologika sind gentechnisch hergestellte Eiweiße, die aus lebenden Zellkulturen gewonnen werden und körpereigenen Substanzen sehr ähnlich sind, daher der Name „biologische Medikamente“. Sie greifen zudem gezielt und direkt in das biologische Geschehen, also in das überreagierende Immunsystem ein, das die Ursache der Gelenkentzündung bei der rheumatoiden Arthritis ist. Damit werden die Entzündungsreaktionen gestoppt, so dass die Schmerzen und die Schwellungen der Gelenke zurückgehen.

2011 wurde ein IL-6 Blocker als erstes Biologikum zur Behandlung der systemischen juvenilen idiopathischen Arthritis (sJIA) bei Kindern ab zwei Jahren in der Europäischen Union zugelassen. 2013 wurde die Zulassung auch auf für die Anwendung bei der polyartikulären juvenilen idiopathischen Arthritis (pJIA) und der erweiterten Oligoarthritis bei Kindern ab zwei Jahren erteilt. Es hemmt den entzündungsfördernden Botenstoffs Interleukin (IL) 6 und kann bei Patienten, die an sJIA oder pJIA leiden, allein oder in Kombination mit Methotrexat verabreicht werden.

Zur Behandlung der JIA werden darüber hinaus andere Biologika eingesetzt, die an anderen Stellen im Krankheitsgeschehen (TNF-alfa, T-Zellen) ansetzen, die aber in der Europäischen Union nicht über eine behördliche Zulassung in der Indikation sJIA verfügen.

IL 6-Blocker

Wirkungsweise von IL 6-Blockern Wirkungsweise von IL 6-Blockern

Die Entzündungskaskade unterbrechen

Eine Schlüsselrolle im Entzündungsprozess der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) spielt auch der entzündliche Botenstoff Interleukin-6 (IL-6).

2011 wurde ein IL-6 Blocker als erstes Biologikum zur Behandlung der sJIA bei Kindern ab zwei Jahren in der Europäischen Union zugelassen. 2013 wurde die Zulassung auch für die Anwendung bei der polyartikulären juvenilen idiopathischen Arthritis (pJIA) und der erweiterten Oligoarthritis bei Kindern ab zwei Jahren erteilt. Es kann bei Patienten, die an sJIA oder pJIA leiden, allein oder in Kombination mit Methotrexat verabreicht werden.

Der IL 6-Blocker blockiert die Wirkung von IL-6 und unterbindet damit die Gelenkentzündung, indem er gezielt die Andockstellen von IL-6 auf der Zelloberfläche, die so genannten Interleukin 6-Rezeptoren, blockiert. Hierdurch wird verhindert, dass das Signal „Entzündung“ in das Zellinnere weitergegeben wird. Der komplexe Entzündungsprozess wird somit an einer entscheidenden Schaltstelle unterbrochen und die Gelenkbeschwerden der Patienten gelindert.

Der IL-6-Blocker wird als Infusion gegeben.

TNF-alfa Antagonisten

TNF-alfa Antagonisten sind Biologika, die an einen chemischen Botenstoff im Körper, den sogenannten Tumornekrosefaktor (TNF), binden. Dieser Botenstoff ist an der Entstehung von Entzündungen beteiligt. Durch Blockierung des TNF vermindern diese Biologika die Entzündung und andere Symptome bestimmter Krankheiten, wie beispielsweise der polyartikulären juvenilen idiopathischen Arthritis (pJIA).

T-Zell-Blocker

Zu der Substanzklasse der T-Zell-Blocker gehört ein Biologikum, das die Aktivität der sogenannten T-Zellen unterdrückt. T-Zellen sind Zellen des Immunsystems, die an der Entstehung der Entzündungen u.a. bei polyartikulärer juveniler idiopathischer Arthritis (pJIA) beteiligt sind. Bevor T-Zellen wirken, müssen sie zunächst „aktiviert“ werden. Das Biologikum verhindert die Aktivierung der T-Zellen und trägt so dazu bei, die Entzündung und andere Symptome der polyartikulären juvenilen idiopathischen Arthritis zu verringern.

Referenzen

  1. Schneider M et al.
    Interdisziplinäre Leitlinie Management der frühen rheumatoiden Arthritis. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2011.
  2. Niehues et al.
    Aktualisierte, interdisziplinäre S2-Therapieleitlinie der Juvenilen Idiopathischen Arthritis (2. Auflage).