Diagnose Rheumatoide Arthritis

Blutuntersuchungen

Nach Entzündungszeichen fahnden

Kann man die rheumatoide Arthritis im Blut feststellen? Nein, einen eindeutigen speziellen Bluttest dazu gibt es leider nicht. Aber die chronische Entzündung, die in den Gelenken und im gesamten Körper vorhanden ist, lässt sich anhand bestimmter Entzündungszeichen nachweisen. Dazu gehören die Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit (BSG) und das C-reaktive Protein (CRP). Sind beide Werte erhöht, deutet das darauf hin, dass eine Entzündung im Körper vorliegt, egal, welche Krankheit die Ursache dafür ist.

Für sich alleine genommen sind diese Blutwerte daher nicht aussagekräftig für eine rheumatoide Arthritis, da sie beispielsweise auch bei einer schweren Erkältung erhöht sein können. Sie sind aber ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur richtigen Diagnose.

Blutsenkungsgeschwindigkeit - Blutuntersuchung bei Verdacht auf eine RA

Blutsenkungsgeschwindigkeit - Blutuntersuchung bei Verdacht auf eine RA

Die Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit (BSG), oft auch Blutsenkungsgeschwindigkeit oder einfach nur Blutsenkung genannt, gehört zum Grundprogramm einer jeden Routine-Blutuntersuchung, speziell bei Verdacht auf eine Entzündung.

Blut besteht aus zwei Anteilen: Dem flüssigen Blutplasma und dem festen Anteil, den Blutzellen, auch Blutkörperchen genannt. Die BSG gibt an, wie schnell die Blutkörperchen, also die festen Bestandteile des Blutes, sich innerhalb einer Stunde durch die Schwerkraft von dem flüssigen, klaren Anteil, dem Blutplasma, absetzen und in einem Reagenzglas zu Boden sinken. Wenn die Blutkörperchen schneller als normal sinken, spricht man von einer erhöhten Blutsenkungsgeschwindigkeit.

Grundsätzlich gilt: Eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit ist ein Hinweis auf eine Entzündung im Körper, wie sie auch bei der rheumatoiden Arthritis zu finden ist.

Die Obergrenzen für die BSG liegt 1

  • bei Frauen unter 50 Jahre bei 20 Millimeter pro Stunde (mm/h) und über 50 Jahre bei 30 Millimeter pro Stunde (mm/h)
  • bei Männern unter 50 Jahre bei 10 Millimeter pro Stunde (mm/h) und über 50 Jahre bei 20 Millimeter pro Stunde (mm/h)

Auch das C-reaktive Protein, abgekürzt CRP, ist ein Blutwert, mit dem sich eine Entzündung nachweisen lässt. Das CRP ist ein Eiweißstoff, der in der Leber als Reaktion auf eine Entzündung vermehrt gebildet wird. Da sich bei einer rheumatoiden Arthritis die Gelenke entzünden, kann im Blut ein erhöhter CRP-Wert nachgewiesen werden. Dieser Wert ist aber ähnlich wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit auch erhöht, wenn eine andere Erkrankung Ursache für die Entzündung ist.

Die Obergrenze für das CRP liegt für Frauen und Männer bei 5 Milligramm pro Liter (mg/l). 2

Der Rheumafaktor(RF) ist ein Eiweißstoff im Blut, der von einem überreagierenden Immunsystem gebildet wird. Er ist ein Anzeichen für eine Autoimmunerkrankung und ist ein so genannter Auto-Antikörper, also ein Antikörper, der vom überreagierenden Immunsystem gebildet wird und fälschlicherweise gegen körpereigene Bestandteile gerichtet ist.

Der Name „Rheumafaktor“ ist etwas irreführend, denn nicht bei allen Patienten mit rheumatoider Arthritis ist der Rheumafaktor im Blut vorhanden. Und umgekehrt kann der Wert auch ohne rheumatoide Arthritis erhöht sein.

Bei etwa der Hälfte der Patienten mit entzündlichem Gelenkrheuma ist der Rheumafaktor vorhanden, also positiv.3 Ein positiver Rheumafaktor kann aber auch bei anderen Erkrankungen des Muskel- oder Skelettsystems vorkommen. Der Rheumafaktor ist in seltenen Fällen sogar bei gesunden Menschen im Blut nachweisbar.

Das heißt also: Ein positiver, also vorhandener Rheumafaktor macht eine rheumatoide Arthritis wahrscheinlicher, beweist sie aber nicht. Ein negativer, nicht vorhandener Rheumafaktor macht eine rheumatoide Arthritis unwahrscheinlicher, schließt sie aber nicht aus.

Die Obergrenzen für den Rheumafaktor liegen je nach Messmethode bei Frauen und Männern bei 20 Internationalen Einheiten pro Milliliter (International Units pro Milliliter, IU/ml).3

Wesentlich aussagekräftiger für die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis ist dagegen der Test auf Antikörper gegen Eiweißstoffe, die cyclische citrullinierte Peptide genannt werden. Man spricht auch vom so genannten Anti-CCP-Test oder kurz von CCP-AK (AK = Antikörper). Auch cyclische citrullinierte Peptide sind Auto-Antikörper, die vom überreagierenden Immunsystem gebildet werden und fälschlicherweise gegen körpereigene Bestandteile gerichtet sind. Bei rund 60 % bis 75% der Patienten mit RA ist der Anti-CCP-Test positiv.

Im Unterschied zum Rheumafaktor ist der Anti-CCP-Test nur sehr selten auch bei anderen Erkrankungen erhöht. Ist ein Bluttest für diese Antikörper positiv, liegt in neun von zehn Fällen eine rheumatoide Arthritis vor.4 Zudem ist der Test bereits in sehr frühen Stadien der RA positiv und damit geeignet für die Früherkennung.

Bildgebende Verfahren

Röntgenaufnahmen der Hände und Füße gehören zu den wichtigsten Untersuchungen bei Verdacht auf eine RA

Röntgenaufnahmen der Hände und Füße gehören zu den wichtigsten Untersuchungen bei Verdacht auf eine RA

Der Blick ins Gelenk rundet die Diagnose ab

Kernspinbefund der Hand bei RA

Kernspinbefund der Hand bei RA mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Klaus Bohndorf, Klinik für diagnostische Radiologie, Klinikum Augsburg

Um die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis zu sichern und den Zustand der Gelenke zu beurteilen, werden bildgebende Verfahren wie Röntgen-, Ultraschall- und Kernspinuntersuchungen eingesetzt. Viele der durch die rheumatoide Arthritis verursachten Veränderungen in den Gelenken können mit diesen Methoden sichtbar gemacht werden. Welches Verfahren ausgewählt wird, muss der Arzt von Patient zu Patient individuell entscheiden.

Durch die Röntgenuntersuchung beider Hände und Füße kann man je nach Stadium typische Veränderungen erkennen. Dazu gehören vor allem eine Gelenkspaltverschmälerung, ein gelenknaher Knochenschwund und Verknöcherungen. Ein Nachteil ist jedoch, dass diese Schädigungen erst relativ spät, nämlich sechs bis zwölf Monate nach Beginn der Beschwerden, im Röntgenbild sichtbar werden. Die Röntgenuntersuchung liefert daher in der Frühphase der Erkrankung oft keine entscheidenden Informationen. Trotzdem gehören Röntgenaufnahmen zu den wichtigsten Untersuchungen bei der rheumatoiden Arthritis, auch um später den Krankheitsverlauf und den Erfolg einer medikamentösen Therapie zu kontrollieren.

Eine Ultraschalluntersuchung kann eine verdickte Gelenkinnenhaut und Flüssigkeitsansammlungen im Gelenk als Zeichen der Entzündung darstellen. Auch Veränderungen an benachbarten Weichteilen, also alle nicht aus Knochen bestehenden Teile des Körpers wie Muskeln, Sehnen und Bindegewebe, lassen sich mit einer Ultraschalluntersuchung gut beurteilen.

Die Kernspintomografie, auch Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) genannt, setzt sich zunehmend durch, um eine rheumatoide Arthritis möglichst früh zu erkennen. Sie liefert sehr genaue Bilder sowohl der Knochen als auch der benachbarten Weichteile. So macht das MRT schon kleinste Entzündungen und Schäden sichtbar und zwar Monate früher als die Röntgenaufnahmen.

Referenzen

  1. Internisten im Netz
    Blutbilderklärung: Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit
    http://www.internisten-im-netz.de/de_blutkrperchensenkungsgeschwindigkeit_1328.html
  2. Internisten im Netz
  3. Internisten im Netz
  4. Internisten im Netz
    Neue Techniken ermöglichen Früherkennung von rheumatoider Arthritis. 08.10.2007
    http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_146_neue-techniken-erm-glichen-fr-herkennung-von-rheumatoider-arthritis.html