Früherkennung Rheumatoide Arthritis

Frühe Diagnose und Behandlung stoppen Gelenkzerstörung

Je früher eine rheumatoide Arthritis (RA) festgestellt wird, umso besser kann der Krankheitsverlauf günstig beeinflusst werden. Denn man weiß heute, dass die Gelenkzerstörung zu Beginn der Erkrankung am stärksten fortschreitet.1 Gleichzeitig lässt sich das Fortschreiten der Gelenkzerstörung zu diesem frühen Zeitpunkt am besten durch Basismedikamente stoppen.

Daher gilt: Eine frühzeitige Behandlung — innerhalb der ersten sechs Monate nach Diagnosestellung begonnen – senkt deutlich das Risiko für eine Gelenkzerstörung und damit einen Funktionsverlust. So erhöht sich die Chance für eine Remission.1 „Remission“ bedeutet: Der Patient hat keine Beschwerden mehr, und die Erkrankung ist zum Stillstand gekommen. Die dauerhafte Remission ist heute erklärtes Ziel der RA-Behandlung von Anfang an. Denn dann ist die Erkrankung gut kontrolliert, und ein Fortschreiten der entzündlichen Gelenkveränderungen ist nicht zu erwarten.

Voraussetzung dafür ist, dass die Erkrankung früh erkannt wird. Wichtig ist dabei auch, dass Sie schnell zu einem Spezialisten, dem so genannten Rheumatologen, überwiesen werden, damit keine wertvolle Zeit verloren geht. Denn für die Diagnose und Behandlung der rheumatoiden Arthritis sind die besonderen Erfahrungen eines speziell dafür ausgebildeten Facharztes notwendig.

Weil eine frühe Diagnose so wichtig ist, bieten einige rheumatologische Praxen und Zentren mittlerweile Frühdiagnose-Sprechstunden an. Überwiesen durch Ihren Hausarzt, ist es dort möglich, innerhalb kurzer Zeit einen Untersuchungstermin bei einem Rheumatologen zu bekommen. So kann bei Bestätigung der Diagnose durch den Spezialisten die Behandlung möglichst schnell begonnen werden. Rheumazentren und Angebote von Frühdiagnose-Sprechstunden in Ihrer Nähe finden Sie unter Eingabe Ihrer Postleitzahl in der Rheuma-Landkarte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), der Fachgesellschaft der Fachärzte für Rheumatologie in Deutschland.

Leider gibt es keinen einfachen Test, mit dem sich schnell und sicher bestimmen lässt, ob eine rheumatoide Arthritis vorliegt oder nicht. Die Diagnose setzt sich wie ein Puzzle aus vielen Einzelbefunden zusammen. Besonders wichtig dabei sind

  • die Krankengeschichte (Anamnese)
  • die körperliche Untersuchung
  • die Blutuntersuchung und
  • die Röntgenaufnahmen

Anamnese

Der erste Schritt zur Diagnose

Die Krankengeschichte, die der Arzt durch gezielte Befragung zu Ihren aktuellen Beschwerden erhebt, ist der erste Schritt in der Diagnose jeder Erkrankung und so auch bei der rheumatoiden Arthritis. Dadurch kann sich der Arzt ein erstes Bild über die vorliegenden Krankheiten machen. Bedenken Sie dabei: Sie erleichtern und beschleunigen mit den Informationen, die Sie Ihrem Arzt zu Ihren Beschwerden geben, die Diagnosestellung.

Im Vordergrund stehen folgende Fragen:

  • Seit wann haben Sie diese Beschwerden schon?
  • Welche Gelenke sind betroffen?
  • Sind die Beschwerden einseitig oder beidseitig?
  • Wie würden Sie den Schmerz beschreiben: Ist er brennend, stechend, stumpf oder wandernd?
  • Haben die Beschwerden plötzlich oder schleichend begonnen?
  • Tritt der Schmerz zu bestimmten Tageszeiten auf?
  • Haben Sie eine Morgensteifigkeit der schmerzenden Gelenke bemerkt?
  • Tritt der Schmerz nach Belastung auf oder ist er immer, auch in Ruhe, vorhanden?
  • Beeinflussen Kälte oder Wärme die Schmerzen?
  • Strahlt der Schmerz aus?
  • Haben Sie bei bestimmten Tätigkeiten Schmerzen?
  • Stören Sie die Schmerzen nachts beim Schlafen, wachen Sie davon auf?
  • Sind Sie durch die Schmerzen in Ihrem Alltag eingeschränkt?
  • Haben Sie weitere Beschwerden wie allgemeine Abgeschlagenheit und Müdigkeit bemerkt?
  • Gab es besondere Begleitumstände zu Beginn der Schmerzen, z. B. Infektionen, Durchfall, andere Erkrankungen?
  • Hatten Sie bereits in der Vergangenheit ähnliche Beschwerden?
  • Gibt es in Ihrer Familie Erkrankungen der Knochen und Gelenke?

Körperliche Untersuchung

(Dummy: Bild zu klein) Untersuchung der Hände auf druckschmerzhafte und geschwollene Gelenke bei Verdacht auf RA

Untersuchung der Hände auf druckschmerzhafte und geschwollene Gelenke bei Verdacht auf RA

Geschwollenen und druckschmerzhaften Gelenken auf der Spur

Nach dem ausführlichen Gespräch und der Anamnese wird der Arzt Sie umfassend körperlich untersuchen.

Im Mittelpunkt stehen dabei natürlich die Gelenke und hier speziell die Hände, da sie oft die Krankheit des Patienten besonders gut widerspiegeln. Man sagt auch: Die Hände sind die Visitenkarte des Patienten mit rheumatoider Arthritis. Ein besonderes Augenmerk legt der Arzt dabei auf Schwellungen, Schmerzen, Rötungen und Bewegungseinschränkungen — alles Symptome, die auf eine Entzündung hindeuten. Auch die Muskelkraft wird überprüft.

Dazu wird der Arzt den gesamten Bewegungsapparat auf Druck- und Bewegungsschmerz sowie Muskelkraft untersuchen. Zudem wird die Beweglichkeit der einzelnen Gelenke im Liegen, Stehen und bei aktiver Bewegung beurteilt.

Referenzen

  1. Schneider M et al.
    Interdisziplinäre Leitlinie Management der frühen rheumatoiden Arthritis. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2011.