Therapie Rheumatoide Arthritis - Biologika & JAK-Inhibitoren

Biologika in der Therapie der Rheumatoiden Arthritis

Großer Fortschritt für die Therapie

Mit der Einführung von neuen Medikamenten Ende der 1990er Jahre, den so genannten Biologika, brach ein neues Zeitalter in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis an.

Biologika sind gentechnisch hergestellte Eiweiße, die aus lebenden Zellkulturen gewonnen werden und körpereigenen Substanzen sehr ähnlich sind, daher der Name „biologische Medikamente“. Sie greifen zudem gezielt und direkt in das biologische Geschehen, also in das überreagierende Immunsystem ein, das die Ursache der Gelenkentzündung bei der rheumatoiden Arthritis ist. Damit werden die Entzündungsreaktionen gestoppt, so dass die Schmerzen und die Schwellungen der Gelenke zurückgehen.

Biologika kommen zum Einsatz, wenn mit Basismedikamenten allein oder miteinander kombiniert kein ausreichender Behandlungserfolg erzielt werden kann. Biologika werden in der Regel zusammen mit Basismedikamenten gegeben, weil diese Kombination eine größere Wirksamkeit verspricht als eine Monotherapie.1

Es gibt verschiedene Biologika, die an jeweils einer dieser fünf Stellen der Entzündung unterschiedlich wirken:

A
B C D  E

Hemmung von Interleukin 6
mit Interleukin(IL) -6 Blockern

Tocilizumab
Sarilumab

 Hemmung von TNF alpha
mit TNF-alpha-Blockern

Etanercept
Infliximab
Adalimumab
Certolizumab pegol
Golimumab

 Hemmung von
Interleukin 1
mit Interleukin(IL)-1 -Blockern

Anakinra
Zielgerichtete
T-Zellen-Therapie


T-Zellen-Therapie
mit Abatacept

 
Zielgerichtete
B-Zellen-Therapie


B-Zellen-Therapie
mit Rituximab

 

Interleukin (IL)-6-Rezeptor-Blocker

Wirkungsweise von IL 6-Blockern

Wirkweise der IL-6-Rezeptorblockade

Die Entzündungskaskade unterbrechen

Eine Schlüsselrolle im Entzündungsprozess der rheumatoiden Arthritis spielt auch der entzündliche Botenstoff Interleukin-6 (IL-6).

Die Rezeptorblocker Tocilizumab und Sarilumab blockieren die Wirkung von Interleukin (IL)6 und unterbinden damit die Gelenkentzündung, indem sie gezielt die Rezeptoren von IL6 auf der Zelloberfläche blockieren. Hierdurch wird verhindert, dass das Signal „Entzündung“ in das Zellinnere weitergegeben wird. Der komplexe Entzündungsprozess wird somit an einer entscheidenden Schaltstelle unterbrochen und die Gelenkbeschwerden der Patienten verbessert.

Der IL-6-Blocker Tocilizumab kann als Infusion (intravenös, i.v.) oder als Fertigspritze oder Fertigpen (subkutan, s.c.) verabreicht werden. Sarilumab wird als Fertigspritze oder Fertigpen verabreicht.

Tocilizumab und Sarilumab werden normalerweise zusammen mit Methotrexat (MTX) angewendet. Tocilizumab kann jedoch auch allein als Monotherapie verordnet werden.1

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Infektionen der oberen Atemwege mit typischen Beschwerden wie Husten, verstopfter Nase, Halsschmerzen und Kopfschmerzen. Auch Infusionsreaktionen mit Fieber, Abgeschlagenheit und Schüttelfrost können auftreten.

TNF alpha-Blocker

Wirkungsweise von TNF alpha-Blockern

Wirkungsweise von TNF alpha-Blockern

Zielgerichtet gegen Entzündungsbotenstoff TNF alpha im Gelenk

TNF alpha-Blocker unterbinden gezielt die Wirkung des entzündlichen Botenstoffs TNF alpha und blockieren damit die Gelenkentzündung.

TNF alpha-Blocker werden als Infusion verabreicht (intravenös) oder unter die Haut gespritzt (subkutan)

Derzeit verfügbar sind die fünf TNF alpha-Blocker Etanercept, Infliximab, Adalimumab, Golimumab und Certolizumab pegol sowie Biosimilars der Originalsubstanzen.

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen von TNFa-Blockern gehören u.a. Infektionen, Schmerzen am Verabreichungsort, Infusionsbedingte Reaktionen, Abdominalschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Leukopenien, erhöhte Blutfettwerte.

B-Zellen-Therapie

Wirkungsweise der B-Zellen-Therapie

Wirkungsweise der B-Zellen-Therapie

Eine B-Zellen-Therapie greift zielgerichtet die B-Zellen an und schaltet diese aus. Der Wirkstoff Rituximab und die biosimilaren Substanzen des Wirkstoffs erkennen die B-Zellen und binden an die Oberfläche der B-Zellen. Wenn Rituximab an die Oberfläche dieser Zelle bindet, führt das zum Absterben der Zelle und die Entzündungsreaktion, die die B-Zelle vermittelt wird blockiert.

Da zum einen B-Zellen die entzündungsfördernden Stoffe# TNF alpha und Interleukin bildet, und zudem noch die T-Zelle dazu antreibt, ebenfalls TNF alpha und Interleukin zu produzieren, schaltet man mit der B-Zellen-Therapie die Entzündung im Gelenk gleich doppelt ab. Schmerzen werden gelindert, die Gelenke werden beweglicher, und die Gelenkzerstörung wird aufgehalten.#

Eine B-Zellen-Therapie wird zweimal im Jahr als Infusion in Kombination mit Methotrexat (MTX) gegeben. Als Nebenwirkung können die schon beschriebenen Infusionsreaktionen auftreten. Als Nebenwirkungen können auftreten: Infektionen, allergische Reaktionen, Blutdruckveränderungen, Übelkeit, Ausschlag, Fieber, Juckreiz, laufende oder verstopfte Nase und Niesen, Zittern, beschleunigter Herzschlag und Müdigkeit, Kopfschmerzen, Laborwertveränderungen

Multizytokinhemmung: Januskinase (JAK)-Inhibitoren

JAK Inhibitoren gehören zur Gruppe der gezielt wirkenden synthetischen Substanzen (tsDMARDs) auf dem Gebiet der Therapie der rheumatoiden Arthritis. Sie blockieren eine oder mehrere Januskinasen und unterbrechen damit den JAK-STAT-Signalweg, der eine wichtige Rolle bei der Herstellung entzündungsfördernder Signalmoleküle (sog. Zytokine) spielt. Derzeit sind die beiden Substanzen Baricitinib und Tofacitinib zugelassen.

JAK-Inhibitoren werden in Tablettenform eingenommen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Infekte der oberen Atemwege, Kopfschmerzen und Durchfall.

Referenzen

  1. Fiehn et al. 2018.